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Südkreis Spende im Sinne der verstorbenen Tochter
Landkreis Südkreis Spende im Sinne der verstorbenen Tochter
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18:58 12.06.2021
Jan-Daniel Wolfseher, Direktor der Filialregion Gießen der Sparda-Bank Hessen (von links), Peter Brust, Vater der verstorbenen Sandra Brust, Petra Dietl, Serviceberaterin der Sparda Bank, Erzieherin Nadja Abel sowie Dr. Beatrix Barth vom Vorstand des Vereins "Kinderherzen heilen" mit Tochter Theresa bei der Übergabe von 5000 Euro an den Verein "Kinderherzen heilen" vor dem Kinderherzzentrum in Gießen.
Jan-Daniel Wolfseher, Direktor der Filialregion Gießen der Sparda-Bank Hessen (von links), Peter Brust, Vater der verstorbenen Sandra Brust, Petra Dietl, Serviceberaterin der Sparda Bank, Erzieherin Nadja Abel sowie Dr. Beatrix Barth vom Vorstand des Vereins "Kinderherzen heilen" mit Tochter Theresa bei der Übergabe von 5000 Euro an den Verein "Kinderherzen heilen" vor dem Kinderherzzentrum in Gießen. Quelle: Götz Schaub
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Gießen

Mehr als 280 Menschen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf sind bisher an oder mit Corona gestorben. Ein Opfer heißt Sandra Brust, 42 Jahre alt. Die Fronhäuserin starb im vergangenen Dezember.

Ja, sie hatte eine Vorerkrankung, aber ohne Corona wäre das so nimmer passiert. „Was da passiert ist, ist jenseits aller Vorstellungskraft“, sagt Vater Peter Brust nun mit einem halben Jahr Abstand. Er und seine Frau Karin erfuhren nach dem viel zu frühen Tod ihrer Tochter viel Anteilnahme. Trauernde Verwandte, Bekannte und Freundinnen von Sandra legten ihren Kondolenzbriefen auch Geldspenden bei. So kamen fast 800 Euro zusammen.

Spende an den Verein „Kinderherzen heilen“

„Wir kamen innerhalb der Familie schnell überein, dieses Geld ganz im Sinne unserer Tochter weiterzugeben, anderen Menschen damit zu helfen“, sagt Peter Brust. Da Tochter Sandra selbst seit vielen Jahren herzkrank war, hatte sie eine tiefe Empathie für die Kinder empfunden, die aufgrund von Herzkrankheiten zum Teil lange und schwerwiegende Krankenhausaufenthalte erleben müssen. Krankenhausaufenthalte, deren Ausgang oft auch sehr ungewiss sind.

Jährlich werden rund 6.000 Kinder mit einem Herzfehler in Deutschland geboren. Etwa 80 Prozent müssen teilweise mehrfach am Herzen operiert werden, um eine Chance auf ein Leben mit einer gewissen Qualität zu erhalten. Andere benötigen ein Spenderorgan, um eine Zukunft erwarten zu dürfen. Familie Brust wendete sich an den eingetragenen Verein „Kinderherzen heilen“. Von diesem Verein und seinem Wirken hatte sie aus Familienkreisen erfahren.

Erhöhung der Spende

Michael Hauk, Vorstandsmitglied des Vereins, gab Peter Brust schließlich den Rat, bei einer Bank einen Spendenscheck zu beantragen, damit man etwas für ein Foto bei der Spendenübergabe habe. Daraufhin kontaktierte Peter Brust die Hausbank seiner Tochter, die Sparda Bank in Gießen. Als man dort von der traurigen Geschichte und dem Spendenvorhaben hörte, entschied man sich spontan, die Spende auf 5.000 Euro zu erhöhen.

Vereine wie „Kinderherzen heilen“ sind Familien in Not eine große Stütze, begründet Jan-Daniel Wolfseher, Direktor der Filialregion Gießen der Sparda-Bank Hessen, die finanzielle Förderung aus Mitteln des Gewinn-Sparvereins der Bank.

Das Warten auf das Spenderorgan

Der Verein „Kinderherzen heilen“ kommt aus Friedberg und ist aus einer 1999 gegründeten Selbsthilfegruppe für Eltern herzkranker Kinder hervorgegangen. Er hilft jungen Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen, die Einschränkungen des Familienlebens durch die Krankheit erträglicher zu machen. Neben Beratungsleistungen und der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch fördert der Verein seit vielen Jahren die kinderkardiologische Abteilung der Universitätsklinik Gießen und unterhält sogar Apartments als Elternunterkünfte in Kliniknähe.

Unter anderem finanziert der Verein auch Erzieherinnen, die sich auf der Kinderherzstation direkt um herzkranke Kinder kümmern können. Wegen der langen Wartezeiten auf Spenderorgane kann es sein, dass herzkranke Kinder bis zu einem Jahr im Krankenhaus warten müssen, immer in der Ungewissheit, ob rechtzeitig ein Spenderorgan kommt oder nicht. Diese ungewisse Situation führt durchaus auch oft zu psychischen Problemen bei Kindern und Eltern. Deshalb finanziert der Verein „Kinderherzen heilen“ auch eine halbe Psychologenstelle. Speziell wegen Covid stehen die Mitglieder des Vereinsvorstands in diesen Monaten mehr denn je mit Rat und Tat den Eltern herzkranker Kinder zur Verfügung.

Isolation aufgrund des Corona-Virus

„Wir wissen, dass unsere Tochter genau diese Spende unterstützt hätte“, sagt Peter Brust und bedankt sich wie auch Dr. Beatrix Barth vom Vorstand des Vereins bei der Bank für die hohe Aufstockung des Spendenbetrags. Beatrix Barth erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass Corona sehr viele kranke Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene hart getroffen hat. Um die Gesundheit nicht zu gefährden, mussten diese Menschen teilweise weit über ein Jahr mehr oder weniger in einer Isolation leben, ohne direkten Kontakt zu Freunden.

Weitere Aktivitäten des Vereins „Kinderherzen heilen“ sind im Internet unter www.kinderherzen-heilen.de zu finden Alle diese Tätigkeiten können auf Dauer nur ausgeführt werden, wenn genügend Spenden eingehen. Wer helfen möchte, findet dort auch die entsprechenden Bankverbindungen.

Von Götz Schaub