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Südkreis Ein Alien im Klassenzimmer
Landkreis Südkreis Ein Alien im Klassenzimmer
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11:58 28.09.2020
Zenzi Huber spielt im Stück den Außerirdischen mit dem unaussprechlichen Namen Klakalnamanazdta. Der Einfachheit halber wird er Walter genannt. Quelle: Foto: Jan Bosch
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Niederweimar

In der Klasse 3b der Grundschule Niederweimar ist ein seltsamer Alien mit dem unaussprechlichen Namen Klakalnamanazdta gelandet, der auch noch gesungen und geseufzt werden muss. Der Einfachheit halber nennt ihn die achtjährige Lisa kurzerhand Walter. Das Hessische Landestheater feierte am Mittwoch in der Klasse 3b Premiere mit dem neuen Klassenzimmerstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“. Das von Liljan Halfen inszenierte Zwei-Personen-Stück von Sibylle Berg ist geeignet für die Klassen 3 bis 6.

Lisa ist fast neun Jahre alt. Sie lebt in einem „hundekackbraunen Haus“, umgeben von „hundekackbraunen Häusern“. Sie ist einsam. Ihre Eltern sind arbeitslos, lethargisch und pendeln nur zwischen Bett und Sofa. Zuhause macht sie alles allein. Sie kocht, sie wäscht, sie verkauft ihre Sachen, wenn kein Geld im Haus ist. Und draußen? Draußen wird sie auf dem Weg zur Schule von Rowdys drangsaliert und in der Schule ist sie eine Außenseiterin.

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Eines Tages landet ein Raumschiff hinter ihrem Haus. Es sind Touristen. Sie haben eine Übernachtung, ein Essen und ein paar Spaziergänge auf der Erde gebucht. Aber die Erde gefällt den Außerirdischen nicht. Es ist kalt, es ist nass, es ist ungemütlich. So verschwinden sie bald und vergessen „Walter“ – mit 345 Jahren ist er auf seinem Heimatplaneten noch ein Kind. Walter und Lisa werden Freunde und Walter hilft Lisa mit vielen guten Tipps.

Mia Wiederstein und Zenzi Huber spielen das Mädchen und den sympathischen Alien. Sie sitzen an zwei Enden in dem Klassenraum – auf den Tischen vor ihnen stehen Geräte, mit denen sie die Soundcollagen steuern, die die Geschichte der Marburger Literaturpreisträgerin Sibylle Berg untermalen: Hundegebell, Sturm oder Musik.

Nicht alles werden Grundschüler verstehen. Ausflüge in die Astrophysik etwa. Aber spätestens wenn sich Zenzi Huber in den Alien Klakalnamanazdta, pardon: Walter, verwandelt, kommt Fahrt, Tempo und Witz in die Geschichte um Einsamkeit und Mobbing, Freundschaft und Nähe. Denn vieles von dem, was Lisas Alltag prägt, versteht Walter nicht. Kleinere und Schwächere piesacken. Geht gar nicht. Jemanden ablehnen, weil er klug ist? Verrückt. Nicht knuddeln, nicht gemeinsam essen, sich keine Geschichten erzählen? Undenkbar. Den Planeten vermüllen. Unvorstellbar.

Klassenlehrerin Ursula Janßen meinte: „Vielen Dank, dass wir das erleben durften.“ Für das Team gab es Blumen – und die wurden Corona-gemäß überreicht: Kinder brachten sie in einer Vase, stellten die Vase ab, die Schauspieler nahmen den Strauß und die Kinder holten die Vase wieder ab. In Corona-Zeiten natürlich ganz ohne Knuddeln. Aber das würde womöglich sogar Walter verstehen. Das Klassenzimmerstück kann bei Jürgen Sachs gebucht werden: j.sachs@hltm.de

Von Uwe Badouin

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