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Südkreis Betrunken mit gestohlenem Auto Unfall gebaut
Landkreis Südkreis Betrunken mit gestohlenem Auto Unfall gebaut
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18:00 21.09.2019
Beim Kreisel vor Fronhausen hätte die Unfallflucht ein schlimmes Ende nehmen können. Glücklicher­weise kam dem Fliehenden kein Fahrzeug entgegen, als er auf der falschen Spur fuhr. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Am 4. November 2018 hatte der vor dem Amtsgericht in Marburg Angeklagte Mann bei seiner früheren Freundin, mit der er zusammen ein Kind hat, den Autoschlüssel entwendet und war mit deren Pkw unter Alkoholeinfluss stehend losgefahren.

Auf der B 255, in der sogenannten Kehnaer Senke, verlor er dann die Kontrolle über das Fahrzeug und prallte gegen eine Leitplanke. Von dort kam er von der Fahrbahn ab und landete in einem Graben. Dort wurde der Unfallfahrer von hilfsbereiten Mitbürgern entdeckt, die Erste Hilfe leisten wollten. Doch der Fahrer versuchte krampfhaft, den Unfallwagen aus dem Graben freizubekommen, was ihm schließlich auch gelang.

Den Helfern war das Verhalten des Mannes nicht ganz geheuer, sodass diese die Polizei informierten. Diese wiederum bat die Helfer, dem Mann, der die Flucht ergriff, zu folgen, ohne dabei etwas zu riskieren, was die Helfer dann auch taten. Mal langsam, mal rasant über nur zum Teil befestigte Feldwege ging es nach Fronhausen, wo der Unfallfahrer auf Höhe des Kreisels auf die Gegenfahrbahn geriet und Glück hatte, dass ihm kein Fahrzeug entgegenkam.

Schaden von rund 3.000 Euro

Schließlich wurde er von der Polizei, zu der die Verfolger telefonischen Kontakt gehalten hatten, in einer Sackgasse in Oberwalgern gestellt. Entsprechend ihren damaligen Emotionen schilderten die beiden Verfolger die dramatische Verfolgungsjagd vor Gericht. Auch die Polizeibeamten, die den Angeklagten letztlich in Gewahrsam nahmen, bestätigten diese Flucht so weit sie daran beteiligt waren.

Die ehemalige Freundin des Angeklagten bestätigte den Auto-Diebstahl. „Ich wusste, dass er keinen Führerschein besaß – also nicht fahren durfte“, sagte sie. Sie sei dann sehr überrascht gewesen, dass ihr Auto nicht mehr da war. Der Angeklagte, bei dem damals ein Blutalkoholgehalt von 2,23 Promille gemessen wurde, war ohne Rechtsbeistand zur Verhandlung gekommen.

Er konnte oder wollte vor Richter Dominik Best nicht mehr sagen, warum er das Fahrzeug überhaupt gestohlen hatte. Er räumte aber alle Tatvorwürfe unumwunden ein und war umfänglich geständig. Immerhin, so wurde berichtet, habe er den Schaden von rund 3.000 Euro der Geschädigten ersetzt.

Das Verhältnis habe sich gebessert

Sie bestätigte, dass er seitdem wohl nicht mehr, oder wenigstens deutlich weniger trinke. Das Verhältnis habe sich gebessert. Was allerdings den Schaden an der Leitplanke anging, der mit zirka 800 Euro beziffert wurde, gab es keinerlei Informationen. Auch Richter Best konnte in seinen Unterlagen dazu nichts finden.

Da sich zwischenzeitlich vieles geändert hat – so hat der Angeklagte zum Beginn nächsten Monats ein neues Arbeitsverhältnis in einer Firma gefunden, er umfänglich geständig und vermindert schuldfähig war, spielten die fünf Vorstrafen, mehrheitlich Verkehrsdelikte, für den 30-jährigen Angeklagten keine allzu große Rolle mehr.

Die Amtsanwältin forderte 8 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung von 3 Jahren, eine Führerscheinsperrfrist von 15 Monaten und da er demnächst eigenes Geld verdienen wird, eine Zahlung von 1.500 Euro an den Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Dem entsprach Strafrichter Dominik Best in seinem anschließenden Urteil.

von Heinz-Dieter Henkel