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Südkreis Grund lässt Bürgerhäuser zu
Landkreis Südkreis Grund lässt Bürgerhäuser zu
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17:59 15.05.2020
Bürgerhäuser, wie die Mehrzweckhalle in Leidenhofen, bleiben wegen der Corona-Pandemie weiterhin geschlossen. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorfergrund

Die bereits erfolgten oder anstehenden Corona-Lockerungen machen ein Stück weit Hoffnung auf etwas mehr Alltag oder Freiheit in der Freizeit, zumindest in manchen Lebensbereichen. Aber so einfach, wie es von mancher Stelle klingen mag, ist es nicht:

„Immer mehr Corona-Einschränkungen und Verbote werden gelockert – damit ist das Virus aber nicht aus der Welt“, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz zu der kürzlich vom Land Hessen beschlossenen Aufweichung des „Shutdowns“.

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Von potenziellen Gottesdiensten bis zum Amateursport und Veranstaltungen im kleineren Rahmen: Die Lockerungen seien „plakative Aussagen der Politik, in der Realität bedeutet das nicht das, was suggeriert wird“.

Er spricht dabei auch von „Verantwortlichkeiten“, die sich „parallel zu den Lockerungen nach unten verschoben haben. Soll heißen: Statt Bund und Land seien nun die lokalen Vertreter – Bürgermeister, Pfarrer bis zu Vereinsvorständen – in der Verantwortung, ihnen werde quasi der schwarze Peter zugeschoben, sollte die Corona-Kurve erneut bedenklich schwanken.

„Keine falschen Hoffnungen machen“

Auf der niedrigsten kommunalen Ebene gelte es nun, kleinteilig Hygiene- und Abstandsauflagen anzuwenden und auch durchzusetzen, kontrolliert von Ordnungsbehörden und Gesundheitsamt.

„Ein Unterfangen, das schwer zu bewältigen ist, erst recht, wenn die Disziplin und Selbstkontrolle hier weiter nachlassen“, warnt Schulz und ergänzt: „Geht dort etwas schief, darf getrost davon ausgegangen werden, dass die Verantwortlichen öffentlich an den Pranger gestellt werden, erst recht, wenn die Obergrenze von 50 infizierten Personen auf 100.000 Einwohner gerissen wird.“

Er gehe daher auf Nummer sicher und lasse potenzielle Hotspots noch gesperrt, wolle „den Leuten keine falschen Hoffnungen machen“. Daher bleiben Bürgerhäuser, Mehrzweckhallen, Dorfgemeinschaftshäuser und Bürgerzentren weiterhin geschlossen, mindestens bis Mitte Juni.

Friedhofshallen bleiben zu

Denn er glaube nicht, dass die Corona-Auflagen bei Veranstaltungen realistisch zu kontrollieren wären. Also sämtliche Abstands- und Hygieneregeln organisieren und durchsetzen, desinfizieren oder die Namen, Nummern und Wohnorte der Besucher dokumentieren. „Wie soll das gehen, wer soll das machen?“, fragt Schulz. Die Theorie klinge so, die Praxis sehe „ganz anders“ aus.

Ebenso sind die Friedhofshallen geschlossen, die Jugendclubs auch, und die Feuerwehrgerätehäuser stehen für Schulungs- und Übungszwecke nicht zur Verfügung. Auch auf den Fußballplätzen soll laut Schulz vorerst bis mindestens Mitte Juni nicht gekickt werden. Die Plätze der Gemeinde sind allerdings alle verpachtet, daher müssten nun die einzelnen Sportvereine entscheiden, ob, wann und in welcher Form der Betrieb wieder aufgenommen wird.

Der Grundtreff bleibt laut Verordnung weiterhin geschlossen und werde nicht vor Ende Juni öffnen. Auch Schwimmbäder sind von den Lockerungen generell ausgenommen. Doch selbst wenn das anders wäre, würde das Grundbad geschlossen bleiben, da derzeit kein vom Schulträger bezahltes Schulschwimmen stattfindet, sich der Betrieb daher wirtschaftlich gar nicht lohne. Das Gemeindebad bleibt wahrscheinlich bis zum Ende der Sommerferien zu.

Bürgerbüros öffnen wieder

Dagegen sind die Bürgerbüros ab dem 3. Juni wieder als örtliche Anlaufstellen geöffnet, außerdem kehre die Gemeindeverwaltung ab dem 1. Juni wieder zu ihrem Regelbetrieb zurück. Das heißt, es müssen ab Juni keine Termine mehr vorab vereinbart werden. Das Abstandsgebot und die Maskenpflicht gelten aber nach wie vor.

„Wir wollen mit unseren Entscheidungen einen neuen Lockdown vermeiden und vor allem alles realistisch auch dauerhaft umsetzbar halten“, erklärt der Gemeindechef. Schulz geht davon aus, dass durch die neue Verordnung die Umsetzungen der potenziellen Lockerungen nun auch auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich gehandhabt und es „unterschiedliche Geschwindigkeiten“ geben werde.

Von Ina Tannert

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