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Südkreis Schon früh auf Nachhaltigkeit gesetzt
Landkreis Südkreis Schon früh auf Nachhaltigkeit gesetzt
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19:58 17.07.2020
Volker Klös (von links), Andreas Schulz, Dirk Steitz, Helmut Piscator, Friedhelm Kemper und Helmut Seehusen winken vom mit Solaranlagen ausgestatteten Dach des Grund-Treffs in Wittelsberg. Quelle: Götz Schaub
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Wittelsberg

Der frühe Vogel fängt den Wurm, und wer früh in Sonnenenergie investiert hat, labt sich bei jedem Sonnenschein und freut sich über die nachhaltige saubere Energie vom gelben Ball am Himmel.

Die „Sonnenscheingemeinde“ Ebsdorfergrund hat allen Grund sich zu freuen. Denn sie entschied sich schon vor 15 Jahren dazu, ihre öffentlichen Gebäude mit Photovoltaik(PV)-Anlagen zu bestücken.

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Mit der Bürgersolar Ebsdorfergrund e.G., dem Verein Sonneninitiative und der OSB GmbH Dautphetal fand die Gemeinde gleich drei Partner, mit denen sie nun eine äußerst positive Bilanz zog.

Am Grund-Treff in Wittelsberg bestätigten nun Volker Klös und Jan Simon von der Sonneninitiative, Friedhelm Kemper und Dirk Steitz von Bürgersolar und Helmut Seehusen von der OSB GmbH, dass sie ihre Investitionen im Grund keine Sekunde bereut haben. Ganz im Gegenteil, sie machten deutlich, dass sich die Ergebnisse sehen lassen können. Angefangen hat alles mit der Zusammenarbeit mit der Sonneninitiative aus Marburg, die mittlerweile deutschlandweit agiert.

Start auf Dach des DGH in Wermertshausen

Am 20. Dezember 2005 nahm sie auf dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses Wermertshausen ihre erste PV-Anlage in Betrieb. „Wir haben gleich mit dem ersten Projekt bewiesen, dass diese Zusammenarbeit eine Win-Win-Konstellation darstellt“, sagt Volker Klös, Geschäftsführer der Sonneninitiative.

Damit der Erfolg aber auch langfristig gesichert ist, bedürfe es schon „Macher vor Ort“, die sich der Sache annehmen, sie betreuen und weiterentwickeln. Das sei im Ebsdorfergrund der Fall gewesen. Die Gemeinde hatte ihre ersten Schritte, verantwortlich mit Energie umzugehen, schon vor 25 Jahren gemacht.

Anfänglich gegen manche Wände gelaufen

Damals ging es noch vornehmlich darum, über Effizienz Energie zu sparen. Dieser Aufgabe verschrieb sich damals Helmut Piscator, und das ehrenamtlich. Und anfänglich durchaus auch belächelt, sorgte er über viele einzelne Maßnahmen dafür, dass sein Ansehen als Energie-Sparer wuchs und die Gemeinde Geld einsparte.

„Ja, ich bin anfänglich schon gegen manche Wände gelaufen“, sagt Piscator. Aber er hatte eine klare Vorstellung von dem, was er erreichen wollte und seine Bilanz kann sich sehen lassen. Im Ganzen kann man sagen, dass der Verbrauch von Heizenergie in den öffentlichen Gebäuden halbiert wurde und das ohne Einschränkungen für die Nutzer.

Inzwischen 371 Anlagen in der Gemeinde

Nach dem gelungenen Start mit der Sonneninitiative kam es im Dezember 2010 zur Gründung der Bürgersolargenossenschaft eG und dann zu der Zusammenarbeit mit der OSB GmbH. „So wurden alle PV-geeigneten Dachflächen der politischen Gemeinde mit Photovoltaikmodulen belegt, was zu einer Einspeisung von 4,631 Millionen Kilowattstunden und einer CO2-Reduzierung von 2.079 Tonnen führte“, freut sich Bürgermeister Andreas Schulz, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgersolargenossenschaft ist.

Mittlerweile gibt es zusammen mit privaten Investitionen im Grund 371 PV-Anlagen. Diese erreichten 2019 zusammen eine Leistung von 5.892 Kilowatt-Peak. Die eingespeisten Kilowattstunden ergeben dabei eine Gesamtvergütung von 1,388 Millionen Euro. „Das ist Geld, das Jahr für Jahr vor Ort in der Gemeinde verbleibt“, sagt Schulz.

Autark? Zwei bis drei Windkraftanlagen fehlen

Die jährliche CO2-Ersparnis liegt nun bei 1.696 Tonnen. Dazu müsse gesagt werden, dass die Menschen eher mehr Storm verbrauchen, als dass sie sparen, weil einfach viele Verbraucher im Privathaushalt dazugekommen seien.

Schulz, der zudem noch die beiden Biogasanlagen erwähnt, die im Grund stehen, bleibt deshalb Realist: „Wollen wir energieautark in Ebsdorfergrund sein, brauchen wir zwei bis drei Windkraftanlagen. Die müssen wir dann einfach akzeptieren.“

Es gibt aber noch eine andere Rechnung: Wollte die Gemeinde das Ziel, energieautark zu werden, jetzt nur noch über PV-Anlagen erreichen, müssten etwa noch 1.775 Anlagen hinzukommen. Das würde bedeuten, dass mehr als jedes zweite Haus PV-Anlagen auf dem Dach haben müsste. Dann könne man aber die Windräder sparen.

Von Götz Schaub