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Südkreis Druck auf Radwege steigt
Landkreis Südkreis Druck auf Radwege steigt
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09:56 18.09.2020
Autofreier Sonntag im Ebsdorfergrund im vergangenen Jahr. In den Orten wird es wohl auch diesmal voll werden. Quelle: Thorsten Richter
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Ebsdorfergrund

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen von Dienstag, die Straßensperrung der Landesstraße 3048 für den Autofreien Sonntag als unzulässig abzulehnen, stößt an mancher Stelle in der Gemeinde und Umgebung auf Bedauern und Unverständnis.

Das Gericht hatte dem Landkreis Recht gegeben, der den von Straßensperrungen begleiteten Autofreien Sonntag im Sinne der Corona-Verordnungen als „unzulässige Großveranstaltung“ betrachtete, die zumindest einer Genehmigung durch das Kreisgesundheitsamt bedurft hätte. Das hatte dazu ein Hygienekonzept verlangt, welches die Gemeinde als Veranstalter nicht vorlegte ( die OP berichtete ).

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Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die Sperrung als Grundlage für den Autofreien Sonntag eine den Corona-Beschränkungen unterworfene Zusammenkunft „bezweckt“, weil dadurch überhaupt erst ein „Anreiz für die vermehrte Benutzung dieses Straßenabschnitts durch Fußgänger und Radfahrer“ geschaffen werde. Das unabhängig davon, dass entlang der Strecke dieses Jahr keine Buden und Stände aufgestellt werden.

Denn in den nahen Ortschaften würden zeitgleich Aktionen zum Weltkindertag beworben und dazu aufgerufen werden, das Auto stehen zu lassen. Das Gericht befürchtete einen für Pandemiezeiten unverhältnismäßigen Ansturm auf die Ortschaften.

Die Gemeinde widersprach per Eilantrag: „Allein das Werben für „autofrei“ muss nicht zwangsläufig zu einem extremen Verkehrsaufkommen an anderen Verkehrsteilnehmern führen, wenn nicht an der Strecke oder in unmittelbarer Nähe besondere Attraktionen geboten werden.“ Die parallel stattfindenden Aktionen in den Orten seien an das lokale Publikum gerichtet. Ziel beim Versuch, den Autofreien Sonntag gerichtlich durchsetzen zu lassen, sei vordergründig der zusätzliche Platz für Radler am Weltkindertag, sagt Bürgermeister Andreas Schulz im Nachhinein.

Unverständnis bei SPD-Chef

Dennoch sei mit mehr Verkehr zu rechnen. „Natürlich wird jetzt mehr auf den Radwegen los sein, deshalb wollten wir ja die Landstraßen sperren lassen, aber ohne Einlasskontrollen, die nur Staus verursachen.“ Seiner Einschätzung nach werde in der Gemeinde am Sonntag „so viel los sein, wie in Marburg an jedem Samstag“.

Er zieht auch zu anderen Regionen Vergleiche: „Auf der Zeil sind jeden Tag mehr Leute unterwegs und am Mainufer in Frankfurt radeln auch viel mehr Menschen.“ Dort würde der Publikumsverkehr nicht im Rahmen der Corona-Verordnung geregelt. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb das im Fall des Autofreien Sonntags anders sein müsse.

So sieht es auch Maximilian Kühn, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Gemeindevertretung Ebsdorfergrund, der von einer „riesigen Enttäuschung“ spricht und eine steigende Enge erwartet: „Es wird jetzt zwar weniger los sein, aber trotzdem werden sich Hunderte oder Tausende auf den Radwegen tummeln“, schätzt er.

„Es gibt ja genug Radwege im Ebsdorfergrund“

Auch die Grünen in Ebsdorfergrund bedauern die Entscheidung, „glücklicherweise verfügt die Gemeinde über ein gutes Radwegenetz, sodass die Orte untereinander gut mit dem Fahrrad erreicht werden können. Auch sind Menschen aus dem Umland eingeladen, über die Radwege in die Orte zu kommen“, teilt Heinrich Rabenau von Bündnis 90/Die Grünen mit.

Auch in den sozialen Netzwerken äußern die meisten Nutzer Bedauern über die Absage der Straßensperrung: „Schade, es war immer ein Highlight“, schreibt etwa ein User. „Mit dem normalen Verkehr zusammen, ist das zu gefährlich. Und alle auf dem Radweg in beide Richtungen aneinander vorbeifahren, klappt nicht“, meint eine weitere Nutzerin.

Andere befinden, dass die Entscheidung des Gerichts in Corona-Zeiten absehbar gewesen sei oder für dieses Jahr auf das Event verzichtet werden kann. „Es gibt ja genug Radwege im Ebsdorfergrund und man könnte auch diese nutzen ohne einen extra Anlass“, meint ein User.

Die einzige Straßensperrung ist in Wittelsberg

Weiterhin gilt der Aufruf der Gemeinde, für den Sonntag das Auto stehen zu lassen. Straßensperrungen gebe es aber auch auf anderen Strecken keine, bis auf eine Ausnahme am Grundtreff in Wittelsberg: Dort soll die Hirtenwiesenstraße auf Höhe der Hausnummern 18 und 19 in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr gesperrt werden.

Eine zuvor angedachte Teil-Sperrung der Landesstraße 3125 ist laut Gemeinde nicht mehr geplant. Die Straße bleibe auch für den motorisierten Verkehr frei befahrbar. Zum Weltkindertag finden in sechs Ortsteilen am Sonntag 54 Aktionen statt.

Einwände gegen Einzelveranstaltungen mit laut den Corona-Regeln maximal 250 Teilnehmern gibt es auch vom Landkreis nicht, solange die allgemein gültigen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Einzelne Vereine, die am Sonntag die Stände bestücken, weisen Besucher darauf hin, dass es für alle Hygienekonzepte gibt und bitten darum, die Vorgaben, etwa die Abstandsregel, zu beachten.

Von Ina Tannert

17.09.2020
16.09.2020