Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Eben noch die Ruhe selbst, dann geraten Rinder plötzlich in Panik
Landkreis Südkreis Eben noch die Ruhe selbst, dann geraten Rinder plötzlich in Panik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 19.05.2021
Verena und Thomas Rein sind froh, dass ihre Rinder alle wohlbehalten eingefangen werden konnten, nachdem ein Hund sie offenbar aufgeschreckt hatte.
Verena und Thomas Rein sind froh, dass ihre Rinder alle wohlbehalten eingefangen werden konnten, nachdem ein Hund sie offenbar aufgeschreckt hatte. Quelle: Foto: Götz Schaub
Anzeige
Mölln

Rinder sind eigentlich friedliche Herdentiere. Sie stehen oder liegen auf der Weide, vermitteln das typische Bild einer ländlichen Idylle. Doch können sie auf für sie unbekannte beziehungsweise nicht einschätzbare Situationen mit sehr ausgeprägten Fluchttrieb reagieren, der für die Tiere selbst, aber auch Menschen gefährlich werden kann. Diese Erfahrung machten Verena und Thomas Rein aus Mölln.

Das Landwirtsehepaar hatte seine Rinder wie immer sorgfältig an ein Leben draußen an der Luft gewöhnt und in der vergangenen Woche erfolgreich auf eine Weide nahe des Hofes gebracht. Bei einem Kontrollgang abends gegen 20.15 Uhr lagen die Tiere friedlich in der Nähe des Wasserfasses, erzählt Thomas Rein, der sein ganzes Leben mit Rindern und Milchkühen zu tun hatte und den über mehrere Generationen aufgebauten Familienbetrieb führt. „Dann, keine 15 Minuten nach diesem Kontrollgang, hagelte es Anrufe“, sagt Verena Rein. Menschen aus Mölln, aus Heskem und gar aus Dreihausen riefen an und teilten mit, dass sie frei laufende Rinder gesehen haben und dem Hof in Mölln zuordneten.

Was war passiert? Die Antwort lieferten zwei Frauen, die gehört haben wollen, wie eine an ihnen vorbeikommende Frau mit Hund sagte, dass sie wohl verantwortlich für die frei laufenden Rinder sei. Will heißen, der Hund hatte die Rinder aufgescheucht und in Angst versetzt. Die Tiere liefen in Panik auseinander, überliefen den Elektrozaun und verteilten sich in alle Himmelsrichtungen.

„Wir wussten gar nicht, wo wir anfangen sollten, wo sich vielleicht die Situation gefährlich darstellen könnte“, schildert Verena Rein die unmittelbar mit den Anrufen einsetzende Gemütslage. Glücklicherweise fanden sich gleich 15 Menschen aus Mölln, die halfen, auch in den anderen Orten kümmerten sich Menschen um die Tiere, beruhigten sie. „Dass alles so ausging, ist riesiges Glück“, meint Thomas Rein. Zum einen hätten durchaus leicht Menschen zu schaden kommen können, allein durch das Gewicht der Tiere, zum anderen hätten sich die Tiere selbst in ihrer Panik übel verletzen können.

Und ja, Verena Rein hatte Glück, als sie bei der Einsammlung kurz unter ein Rind geriet. „Wir machen dieses Vorkommnis öffentlich, nicht weil wir uns jetzt auf einen bestimmten Hundehalter einschießen wollen, sondern weil wir an Hundebesitzer generell appellieren wollen, an ihre Verantwortung zu denken und gerade jetzt im Frühjahr und Sommer in Feld und Flur nicht nur wegen der vielen jungen Wildtiere, Hunde angeleint zu lassen. Auch gegenüber Weidevieh muss gewährleistet werden, dass dieses nicht unnötig aufgeschreckt wird, im schlechtesten Fall zur Flucht animiert wird, wie hier geschehen.“

Darüber hinaus wollen die Reins daran erinnern, dass Hunde nicht auf landwirtschaftlich genutzte Flächen zum „Geschäft“ zu führen sind und dieses dann noch dort liegengelassen wird. Gelangen die Parasiten aus dem Hundekot ins Futter von Weidetieren, kann das für diese sehr gefährlich werden.

Von Götz Schaub