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Südkreis Sexueller Übergriff: Erdrückende Beweise
Landkreis Südkreis Sexueller Übergriff: Erdrückende Beweise
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08:24 21.08.2019
Symbolbild: Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft hatten Berufung gegen das Urteil in erster Instanz eingelegt. Quelle: Thorsten Richter
Niederwalgern

Erstinstanzlich hatte das Marburger Amtsgericht den angeklagten Busfahrer im Februar dieses Jahres nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuches wegen „Sexueller Handlungen mit Kindern“ zu einer Haftstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Er soll am 23. November 2017 einer Schülerin beim Einstieg in den Bus bei Niederwalgern kurzzeitig an die Brust gefasst haben.

Sowohl Verteidigung wie auch Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt, die vor dem Landgericht Marburg unter Vorsitz von Richterin Beate Mengel verhandelt werden sollte. Präzise und scharf im Unterton versuchte die Richterin den Sachverhalt aufzuklären, fragte unter anderem nach dem genauen Abstand zwischen der ihm anvertrauten Schülerin und dem Busfahrer oder auch, wo dieser „seine Hände hatte“. Der Angeklagte, der zum Tathergang zwar aussagen wollte, antwortete aber des Öfteren eher ausweichend: „Kann ich mir nicht erklären“, gab der Mann knapp zu Protokoll.

Videobeweis deutet auf sexuellen Übergriff hin

Vor Gericht wurde außerdem ein Video aus der Kamera­ des Busses – was bereits erstinstanzlich mit zur Verurteilung geführt hatte – noch einmal genauer zur Analyse herangezogen, was die Aussagen des ledigen 57-jährigen Mannes noch mehr ins Wanken brachte: Zwar war die Tat selber nicht eindeutig auf der Aufnahme zu erkennen, die Bewegungen der Akteure deuteten jedoch auf die zur Last gelegte Tat hin.

Nachdem Richterin Mengel klarstellte, dass man bei einer erneuten Verurteilung über ein ­höheres Strafmaß nachdenken müsse,­ und auch die Staatsanwaltschaft ein halbjähriges Fahrverbot für den Kraftfahrer in Aussicht stellte, ließ Verteidiger Ralf Alexander Becker die Sitzung unterbrechen. Anwalt und Angeklagter einigten sich zügig darauf, das Rechtsmittel zurückzuziehen. Da auch die Staatsanwaltschaft ihren Widerspruch zurücknahm, mussten die als ­Zeugen geladenen Jugendlichen dann nicht mehr vor ­Gericht aussagen.

von Heinz-Dieter Henkel