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Südkreis Die Schilder und die Schuldfrage
Landkreis Südkreis Die Schilder und die Schuldfrage
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16:58 15.02.2020
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Fronhausen

Der Kanal leckt: „Immense Schäden an den Kanälen und Verrohrungen im Bereich der Gossestraße“ – das stellte der Zweckverband Mittelhessische Abwasserwasserwerke schon im vergangenen Jahr fest. Seitdem laufen in der Gemeinde und dem Verband die Planungen für eine Sanierung des Kanals.

Genau darüber machen sich die Geschwister Margrit und Konrad Eidam Sorgen. Sie lebt in einem Haus an der Gossestraße, der Bruder eine Straße weiter und beide machen sich Sorgen, was nun für Kosten auf sie zukommen könnten.

Für die eigentliche Sanierung des undichten Rohrsystems sollten die Anlieger nicht zur Kasse gebeten werden, dennoch bleibe die Sorge vor Kosten, sagt Konrad Eidam. Er ärgert sich generell über den Kanalschaden, der seiner Meinung nach durch Schwerlastverkehr verursacht und vermeidbar gewesen wäre.

Denn von Westen aus gilt für die Gossestraße eine Begrenzung von 7,5 Tonnen. Auf der anderen Seite vom Ortskern her sind allerdings bis zu 16 Tonnen zugelassen. „Ein echter Schildbürgerstreich kann man da sagen“, findet Margrit Eidam.
Der Grund dazu liegt unter der Gossestraße: Unter dieser verläuft der verrohrte Fronhäuser Bach, der längst unter die Erde gebracht wurde.

Allerdings nicht auf der gesamten Breite, sondern nur unter einer Seite der Gossestraße. Wie Bürgermeisterin Claudia Schnabel auf Nachfrage berichtet, ist der Belastungsgrad somit verschieden, daher die unterschiedlichen Grenzwerte. Auf der Seite ohne Bachlauf darf Schwerlastverkehr bis zu 16 Tonnen fahren, auf der anderen bis zu 7,5 Tonnen, um die Verrohrung nicht zu stark zu belasten.

Fahren nur auf 
einer Seite

Für die Geschwister Eidam eine Farce, zumal auf der engen Straße, auf der wohl kaum zwei Lkw aneinander vorbei passen. Hinzu komme, dass die Anwohner am Straßenrand parken dürfen und das auch nutzen. Demnach sei es in der Regel unmöglich für einen Lkw oder für landwirtschaftlichen Verkehr, lediglich auf der einen und erlaubten Straßenseite zu bleiben. Auch eine stärkere Kontrolle würde er sich wünschen. „Die heimischen Betriebe ignorieren die Beschränkung, die fahren lieber hier lang als über die anderen Straßen.“

Die Beschilderung hält Konrad Eidam daher für völlig verfehlt und fordert eine einheitliche Beschränkung auf 7,5 Tonnen von allen Seiten aus. Bestätigt sieht er sich darin durch ein Schreiben der Gemeinde aus dem Jahr 2016 als Antwort auf seine Anfrage in eben dieser Sache. Darin ist von einer „missverständlichen Ausschilderung der Grenztonnage“ die Rede. Nun sei das Kind aber schon in den Brunnen gefallen und der Kanal kaputt, für Eidam eben, weil der Schwerlastverkehr die Strecke weiterhin nutzt, „jetzt muss eine Straße neu gemacht werden, die eigentlich in gutem Zustand ist“, ärgert er sich.

Keine Anliegergebühren

Die Geschwister hätten mehrfach darauf hingewiesen, fühlen sich „nicht ernst genommen“ und rechnen nun mit zusätzlichen Kosten. Auch da im Zuge der Kanalarbeiten, bei der auch die Bachverrohrung erneuert werden muss, vom Abwasserverband „vorliegende Fehlanschlüsse und Undichtigkeiten“ und damit „sofortiger Handlungsbedarf“ festgestellt wurden.

Die eigentlichen Kanalarbeiten wird die Anlieger laut der Bürgermeisterin allerdings nichts kosten, „es ist keine Straßensanierung, es fallen auch keine Anliegergebühren an“, betont Schnabel. Eine Ausnahme könnten jedoch die Hausanschlüsse bilden, sind diese kaputt, dürften Kosten für die Hauseigentümer anfallen. Welche betroffen sind, werde derzeit vom Verband geprüft.

Wenn die Straße dann schon einmal offen ist, könnte eventuell weitere Infrastruktur verlegt werden. Neben Glasfaser steht möglicherweise eine Verlängerung der Gas- und Nahwärmeleitung an.

Wann die Bauarbeiten starten und mit einer Sperrung zu rechnen ist, stehe laut Schnabel noch nicht fest. Demnächst ist zu dem Thema eine Bürgerversammlung geplant, der Termin werde noch bekanntgegeben.

von Ina Tannert