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Südkreis Ebsdorfergrund plant weit voraus
Landkreis Südkreis Ebsdorfergrund plant weit voraus
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20:58 15.08.2020
Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz (Vierter von rechts) stellte gemeinsam mit Vertretern des Kreises und der Kommunen vor, wie die Radwege-Lücke zwischen Roßberg und Rabenau geschlossen werden soll.
Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz (Vierter von rechts) stellte gemeinsam mit Vertretern des Kreises und der Kommunen vor, wie die Radwege-Lücke zwischen Roßberg und Rabenau geschlossen werden soll. Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Roßberg

Geht es nach Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz (SPD), dann wird 2022/23 die letzte Lücke im überörtlichen Radwegenetz von Marburg durch Ebsdorfergrund in den Vogelsberg geschlossen. Die Gemeinde Ebsdorfergerund, der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg seien sich einig, sagte er bei der Vorstellung der Pläne am Dienstagabend im Jugendwaldheim Roßberg. Damit spielt er den Ball zum Land Hessen, das entscheidend helfen muss.

Land muss Eigentumsverhältnisse klären

Sein Angebot: „Wenn das Land die Eigentumsverhältnisse mit dem landeseigenen Betrieb Hessen Forst klärt und die Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe übernimmt, steht die Gemeinde Ebsdorfergrund bereit. Wir sorgen für Baurecht und strecken dem Land das Geld vor.“ Es geht um eine Strecke von knapp drei Kilometern neben der nach seinen Angaben stark befahrenen Landstraße L 3125 zwischen Roßberg und Wermertshausen. Die Kosten bezifferte Schulz wegen des schwierigen Geländes auf rund 1,5 Millionen Euro. Der Radweg sei einerseits touristisch wichtig, andererseits gebe es immer mehr Arbeitnehmer, die auf das Rad umstiegen, argumentierte Schulz. Das Angebot wollen die Gemeinde Ebsdorfergrund und der Landkreis per Brief an die zuständigen Ministerien übermitteln, wie auch Ralf Laumer vom Dezernatsbüro der erkrankten Landrätin Kirsten Fründt bestätigte.

E-Bike-Boom gibt Bürgermeister recht

Nach der Fertigstellung des Radweges von Dreihausen nach Roßberg und dem im kommenden Jahr geplanten Bau des Radweges von Beltershausen Hof-Cappelle nach Marburg wäre mit dem letzten Lückenschluss das Radwegenetz der Gemeinde Ebsdorfergrund komplett. Die Gemeinde verfüge dann über rund 75 Kilometer Radwege, das Netz sei nach innen und außen mit Anbindungen an die Nachbarkommunen komplett, so Schulz, der betonte: „Wir sind Vorreiter in Sachen Radwegebau.“

Der Trend gibt Bürgermeister Schulz recht: E-Bikes erleben derzeit einen regelrechten Boom. Viele Hersteller kommen mit der Produktion kaum nach, Händler können oft die große Nachfrage gar nicht bedienen. Berge und Hügel verlieren durch die Motorunterstützung ebenso ihren Schrecken wie lange Strecken. Die Folge: Zunehmend nutzen die Menschen das Fahrrad nicht nur in der Freizeit, sondern auch für die Wege zum Arbeitsplatz oder zum Einkauf.

Landkreis: von 550 auf 1 100 Kilometer Radwege

Da Radfahrer auf gewöhnlichen Straßen nach wie vor hoch gefährdet sind, ist der Radwegeausbau von enormer Bedeutung. Nach Angaben von Thomas Meyer, Radwegeverkehrsplaner beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, gibt es im Kreisgebiet aktuell rund 550 Kilometer Radwege. Die Ausbaupläne des Kreises sind ambitioniert: 2021 sollen es 800 Kilometer sein. Das Ziel des Kreises: 1 100 Kilometer. Darin enthalten sind dann sowohl touristisch attraktive Freizeitstrecken als auch sogenannte Alltagsstrecken, die Kommunen möglichst direkt verbinden. Wie Meyer betonte, hat der Kreis an Zählstationen in diesem Jahr 30 Prozent mehr Radfahrer als im Vorjahr registriert. Ob dies eine Folge eines geänderten Freizeitverhaltens in Corona-Zeiten ist oder ein erster Blick auf eine andere Radfahrer-Kultur, ist noch unklar. Sicher scheint aber: Das Fahrrad wird aktuell mehr genutzt.

Auch der zwischen Roßberg und Wermertshausen geplante Radweg soll nach Plänen der Kommune möglichst direkt neben der Landstraße verlaufen. Man habe aber auch ein Alternativkonzept durch den Wald, betonte Schulz. „Wir wollen ein Eldorado für Radfahrer sein“, sagte er. Schulz plant den Aufbau von sieben Ladestationen für E-Bikes in seiner Gemeinde, mit denen gleichzeitig die Gastronomie unterstützt werde. Er denkt auch an Solarbänke. Mit Solarstrom könnten dort Smartphones oder Laptops geladen werden.

Von Uwe Badouin

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