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Südkreis Rund 100 Radler erproben neue Route
Landkreis Südkreis Rund 100 Radler erproben neue Route
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20:58 22.06.2020
Zur Eröffnung des Radwegs ließen es sich viele Teilnehmer nicht nehmen, die Strecke auf dem Drahtesel Probe zu fahren.
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Roßberg

Strahlender Sonnenschein, viele motivierte Mit-Radler und jede Menge Eiscreme – diese idealen Voraussetzungen für eine Fahrradtour nutzten am Samstag Dutzende Bewohner aus Roßberg und Dreihausen, um den neuen Radweg zwischen den Nachbarorten gebührend einzuweihen. Rund 100 sportliche Menschen folgten dem Aufruf der Gemeinde und schlossen sich zum Fahrradcorso zusammen. Das zwar „nur“ auf der mit 1,6 Kilometer gut zu bewältigenden kurzen Strecke, aber dass die endlich eingeweiht werden konnte, darauf hoffen die Radfans schon lange.

Ein Weg für Generationen

Und zwar seit gut 15 Jahren, damals, als selbst Kinder sich in einem Brief an die Gemeinde für eine sichere Route für Radler stark gemacht hatten, sagte Bürgermeister Andreas Schulz während der feierlichen Eröffnung am Ortsrand von Roßberg. Er dankte allen Unterstützern, die an dem Projekt beteiligt waren, darunter auch der verstorbene ehemalige hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Dieser habe sich für den Lückenschluss im Radwegenetz stark gemacht, war besonders beteiligt an dem Landesprogramm, über das die Strecke als sogenannter Herstellungsradweg schließlich ausgebaut werden konnte. Denn sehr weit oben auf der Prioritätenliste des Landes Hessen stand das Teilstück nicht.

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Dessen Ausbau zählt zwar als Radroute für die nahe Landesstraße, hätte aber wohl noch Jahre auf sich warten lassen, „die Dringlichkeit wurde vom Land nicht gesehen, auch die Gefahr nicht“, befand Schulz. Die Gemeinde hatte sich schließlich mit dem Land darauf geeinigt, die Strecke selbst als Baulastträger anzugehen und zu einem Mix aus Rad- und Wirtschaftsweg auszubauen. Dafür übernahm das Land 80 Prozent der Ausbaukosten.

Netter Nebeneffekt: Der Radweg führt nun nicht direkt an der L 3125 entlang, sondern verläuft idyllisch zwischen Feldern den leichten Hang hinauf und dockt an der Kreisstraße 45 an. Den Ausbau hatte auch der Landkreis unterstützt, die Strecke ist Teil des Kreisradwegekonzeptes; auf dem Asphalt prangt nun eine Aufschrift mit dem Motto der Kreis-Kampagne „Rücksicht macht Wege breit“. Denn es sei „sehr wichtig, ein geschlossenes Radwegenetz zu haben, auch über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinaus – wir freuen uns über jeden Lückenschluss“, betonte Landrätin Kirsten Fründt.

Der neue Weg, der so lange auf sich warten ließ, sei eine lang ersehnte Verbesserung und Infrastrukturprojekt für gleich mehrere Generationen, das zeige auch die Resonanz aus beiden Orten, aus denen Dutzende Menschen zur Einweihungsfahrt gekommen waren. Unter dem Jubel der rund 100 Radler aller Altersstufen, vom Kind bis zum Greis, wurde die Strecke dann auch offiziell eröffnet, worauf sich alle auf Fahrrad, Inliner oder Roller schwangen und das kurze Stück zum neuen Fahrradrastplatz bei Dreihausen rollten.

Radwegenetz rückt näher

Dort wurde bei jeder Menge Eiscreme gefeiert, bevor es zurück nach Roßberg ging, wo weitere Leckereien bereitstanden. Große Freude über die Anbindung beider Dörfer herrscht auch aufseiten der beiden Ortsvorsteher: Man sei sowieso schon „dicht zusammen“ und lebe in guter Nachbarschaft – der Radweg sei nun „das i-Tüpfelchen für das, was schon lange gewachsen ist“, lobte Lothar Heidt (Dreihausen). Dem schloss sich Kollege Werner Böckler (Roßberg) an, der zudem mit der Zahl des Tages aufwarten konnte, der 787. Denn am Samstag auf den Tag genau vor 787 Jahren wurde Roßberg erstmals urkundlich erwähnt, und zwar in einem Dokument aus dem Jahr 1233. Auch wenn es den Ort da schon längst gab, war das „ein ganz wichtiges Ereignis“, betonte Böckler. Und nach guter alter Roßberger Tradition wurde auch dieses Mal ein Baum als Erinnerung gepflanzt, eine Kastanie, direkt dort, wo der Radweg beginnt.

Der Landkreis hatte sich zuletzt während der ersten digitalen Radverkehrskonferenz für die Förderung des Radverkehrs im ländlichen Raum ausgesprochen. Ein mobiler Mix aus Auto, öffentlichem Nahverkehr und eben Fahrrad sei dabei zukunftsweisend, hatte die Landrätin betont. Und das zwischen einzelnen Orten ebenso wie zwischen Kommunen und Regionen. Dieses Ziel solle sich auch in der geplante Radverbindung zwischen dem Marburger Land und dem Vogelsberg spiegeln.

Das Wegenetz soll von Marburg über Hof Capelle und Beltershausen auch durch Ebsdorfergrund führen und im kommenden Jahr angegangen werden. Als Letztes fehle in der Gemeinde nur noch der Radweg zwischen Roßberg und Wermertshausen, „dann haben wir ein lückenloses Radwegenetz“, sagt Schulz. Das soll bis 2025 stehen.

Und noch ein Anschub für eine bessere Verbindung für die Bewohner steht demnächst an: Im Herbst soll an dem Radweg ein neuer Funkmast aufgestellt werden – die Genehmigung liegt nun vor – und das mobile Internet in dem Bereich stärken.

Von Ina Tannert

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