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Südkreis Weitere Pläne für die Zeitinsel
Landkreis Südkreis Weitere Pläne für die Zeitinsel
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00:20 26.05.2019
Den Zeitplan bis zur Fertigstellung haben (von links) Karl Krantz (Vorstand, Genossenschaft Zeiteninsel), Dr. Markus Morr (Fachdienstleitung Kultur und Sport, Landkreis Marburg-Biedenkopf), Sarah Fräßdorf (Museumspädagogin Zeiteninsel), Ruth Fischer (Fachdienstleitung Kultur, Stadt Marburg), Landrätin Kirsten Fründt, Bezirksarchäologe Dr. Andreas Thiedmann (Vorstand Genossenschaft Zeiteninsel), Peter Eidam (Bürgermeister Weimar) und Dr. Marlis Sewering-Wollanek (ehrenamtliche Stadträtin der Stadt Marburg) vorgestellt. Quelle: Dominic Heitz
Argenstein

Wie attraktiv die Zeiteninsel auf mögliche Besucher erst wirken wird, wenn alle Gebäude fertig sind, können die Verantwortlichen nur erahnen. Das Rössenhaus ist fertig, der Germanenhof soll es im Herbst dieses Jahres werden. Und bereits jetzt hat Sarah Fräßdorf alle Hände voll zu tun.

Fräßdorf arbeitet seit zwei Jahren als Museumspädagogin in Argenstein. Schulklassen, Kindergartengruppen und andere Gäste aus der ganzen Region kommen bei ihr zu Besuch vorbei und lassen sich etwas darüber erzählen, wie die Menschen vor Jahrtausenden lebten.

„Die Mundpropaganda funktioniert“, sagt Projektleiter Dr. Andreas Thiedmann. Die Besucherzahlen steigen. Thiedmann ist Bezirksarchäologe in der Marburger Außenstelle des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege. Und er ist so etwas wie der Spiritus rector der Zeiteninsel.

Thiedmann war es, der vor zwanzig Jahren die Idee hatte, das Museum in Argenstein zu errichten. An dem Ort, wo Allna und Lahn zusammenfließen, hatten schon vor 11.000 Jahren Menschen gesiedelt, wie Ausgrabungen belegen. Das Museum sei „sein Lebenswerk“, sagt der Archäologe.

Noch fehlen einige Stationen

Mittlerweile ist auch ein Ende der Bauarbeiten abzusehen. Derzeit ist geplant, das Museum im Frühjahr 2022 „in Vollbetrieb“ zu nehmen. Soll heißen, dass bis dahin alles fertig ist. Zu tun ist noch einiges.

Da wäre beispielsweise das „Insel-Zentrum“, ein Multifunktionsgebäude mit Service-Bereich, Verkaufsladen, Werkstatt und Büros. Ende 2019 sollen Baugenehmigungen eingeholt und Ausschreibungen für den Bau gestartet werden. Im Spätsommer 2021 soll das Zentrum fertig sein.

Eine Siedlung aus der Bronzezeit wird voraussichtlich von Juli bis November 2020 gebaut. Ein Weiler soll Einblicke in die jüngere Eisenzeit bieten. Gebaut wird er voraussichtlich ab Juni 2020. Zwischen Juni 2021 und Mai 2022 entsteht laut Plan dann noch die Station zur Mittelsteinzeit.

Die äußere Infrastruktur wie Zaun, Zuwege und Parkplatz werden derzeit geplant und sollen möglichst noch in diesem Jahr errichtet werden. Der Parkplatz wird neben der Gaststätte „Ochsenburg“ gebaut. Für die Argensteiner hat das den Vorteil, dass die Besucher nicht durch das Dorf fahren müssen.

"Die Zeitinsel wird ein ganz besonderer Ort"

Andreas Thiedmann sagt, dass Schätzungen von 35.000 bis zu 70.000 Besuchern pro Jahr ausgehen, sobald die Zeiteninsel fertig ist. Anfangs könnten diese Zahlen sogar noch deutlich darüber liegen.

Für die Argensteiner Bevölkerung seien der Ausbau des Museums und die erwarteten Besucherströme „unproblematisch“, sagte Weimars Bürgermeister Peter Eidam. Die Leute seien vielmehr auch ein bisschen stolz auf die Zeiteninsel.

Aktionstage

Am kommenden Wochenende, 25. und 26. Mai, veranstaltet die Zeiteninsel Aktionstage unter dem Motto „Geschichte(n) erleben“. An beiden Tagen können Besucher von 10 bis 18 Uhr mit der Museumspädagogin Sarah Fräßdorf und anderen das Leben und den Alltag in Bronze- und Eisenzeit erfahren. Gezeigt wird zum Beispiel, was die Menschen damals aßen und tranken, wie sie sich kleideten oder wie sie Werkzeuge fertigten. Besucher können dann eigene Tongefäße formen, mit Pfeil und Bogen schießen und lernen, wie Menschen damals Eisenschwerter und Bronzebeile herstellten. Zudem gibt es aus der Küche der Ahnen zeitgemäße Kost für die Besucher der Zeiteninsel.

Auch für Landrätin Kirsten Fründt ist die Zeiteninsel ein Projekt, über das sich die Menschen der Region freuen können. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört mit der Stadt Marburg, der Gemeinde Weimar, Privatpersonen und Unternehmen zu den Genossenschaftlern der Gesellschaft, die das Museum betreibt.

„Die Zeiteninsel wird ein ganz besonderer Ort, der den Landkreis weit über die Region und über Hessen hinaus bekannt machen wird“, sagt die Landrätin. Das Museum sei schon jetzt ein wichtiger außerschulischer Lernort mit einem spannenden Konzept, das die regionalen Lebensgrundlagen aus Jahrtausenden Menschheitsgeschichte darstellt.

Die kalkulierten 5,3 Millionen Euro für das gesamte Museum werden aber nicht ausreichen, sagt Andreas Thiedmann. 90 Prozent dieser Summe hatte das Land Hessen übernommen. Den Rest stemmt die Genossenschaft. Wie viel es unterm Strich einmal kosten wird, könne er noch nicht sagen.

von Dominic Heitz