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Südkreis Einfach Hände waschen mit einem Gebet
Landkreis Südkreis Einfach Hände waschen mit einem Gebet
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22:00 18.03.2020
Pfarrer André Stolper ermuntert dazu, das ausgedehnte Händewaschen im Kampf gegen Corona mit einem Vaterunser zu verknüpfen. So komme man spielend auf die empfohlene Waschzeit. Quelle: PrivatFoto
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Dreihausen

Die gebürtige Marburger Theologin Margot Käßmann weiß, was ihr hilft, wenn ihr die eigenen Worte fehlen: Ein Gebet. Nicht irgendeins, sondern das Vaterunser. Für Käßmann genau das Gebet in schwierigen Zeiten. Damit steht sie nicht alleine. Gerade jetzt, wo der Staat darüber verfügt hat, dass die Kirchentüren für Gottesdienste geschlossen bleiben, müssen Gläubige zwar auf die körperliche Gemeinschaft verzichten, doch keinesfalls auf die im Geiste.

Pfarrer André Stolper von der Selbstständigen evangelischen Kirche (SELK) Dreihausen-Roßberg-Heskem hat da eine Idee. Da im Kampf gegen die Verbreitung von Corona auch eine besonders penible Hand-Hygiene angesagt ist, macht er aus der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft einfach auch ein persönliches Erbauungs-Event: Denn wer sich wirklich sicher sein möchte, die Hände auch ausreichend gesäubert zu haben, sollte sich mal gut 30 Sekunden dafür Zeit nehmen. Was aber in den 30 Sekunden machen, als nur genervt auf die Hände oder das eigene Spiegelbild über den Waschbecken zu starren? Stolper sagt: Beten. Das Vaterunser. Ist spielend in 25 Sekunden zu schaffen.

„Natürlich bedauere ich sehr, dass wir uns nicht mehr zu den Gottesdiensten und Andachten in der Kirche versammeln dürfen“, sagt der Pfarrer. Er zeigt aber auch Verständnis: „Aber aus meiner Sicht ist die Entscheidung der politisch Verantwortlichen sinnvoll und richtig. Jetzt gilt es, die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, um damit vor allem die Risikogruppen zu schützen. Dazu gehört, auf ,echte‘ Kontakte auch in den Kirchengemeinden zu verzichten und die bekannten Hygiene-Regeln einzuhalten. Gottesdienste und Andachten fallen für eine Zeit lang aus. Das ist schade. Aber warum nicht aus der Not eine Tugend machen?“

Probieren geht bekanntlich über Studieren. Der eine oder andere, der nicht ganz so sattelfest mit dem Vaterunser umgeht, kann nun bei jedem Händewaschen auch seine kleinen Defizite bereinigen und sich schon mal darauf freuen, beim nächsten Gottesdienst, endlich das Vaterunser textsicher und ohne Stocken mitbeten zu können. 

Hintergrund: Das Vaterunser

Das Vaterunser ist nicht irgendein Gebet, es ist das Gebet, das 2,3 Milliarden Christen weltweit konfessionsübergreifend zusammenhält. Es prägt wie kein anderes das Werte-System der christlichen Welt. Es ist ein Gebet, das auf Jesus Christus zurückgeht. Das Gebet ist ein Teil der Bergpredigt, beschrieben Matthäus-Evangelium. 2017 kam tatsächlich mal eine Diskussion darüber auf, ob es nicht an einer Stelle zu ändern wäre. Impulsgeber war kein Geringerer als Papst Franziskus, der sich daran störte, dass Gott angesprochen werde, „uns“ nicht in Versuchung zu bringen. Das tue er ganz sicher nicht, so die Argumentation des Papstes. Er schlug vor, die Zeile abzuändern in „Lass mich nicht in Versuchung geraten“. Damit sei klar, dass nicht Gott in die Versuchung führe, sondern der Satan, das Böse, und Gott viel mehr der Erretter ist. In Italien hatte der Papst mit seinem Vorschlag Erfolg, dort wurde die Zeile in der Landessprache entsprechend geändert, in Deutschland entschieden sich die führenden Kirchen allesamt gegen die vom Papst vorgebrachte Änderung.

Das ist der Text des Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Von Götz Schaub

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