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Südkreis Bürgermeisterin will Windrad-Pläne ablehnen
Landkreis Südkreis Bürgermeisterin will Windrad-Pläne ablehnen
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18:00 09.08.2019
Der Windpark Eichwald bei Sichertshausen: Links die Windräder in der Nähe von Hassenhausen. Ein Unternehmen aus Sachsen möchte in dem Wald hinter dem Haus rechts drei weitere aufstellen. Quelle: Thorsten Richter
Sichertshausen

Im Wald bei Hassenhausen stehen vier Windräder. Falls nicht noch Unvorhersehbares geschieht, kommen im Windpark Eichwald ­nahe Sichertshausen bald drei dazu. Und nahe bedeutet in diesem Fall: so nahe wie möglich. Denn die Firma UKA plant ­eine Anlage in einem Abstand von 1.000 Metern zum Dorfrand aufzustellen. Näher ran an die Häuser dürfen die Windräder in Hessen nicht.

Diese Nähe bereitet den Politikern in der Gemeinde Sorgen. Bürgermeisterin Claudia Schnabel (Initiative Fronhausen) verweist darauf, dass die geplanten Windräder sehr hoch sind. Knapp 250 Meter über dem Boden ragt die Spitze eines Rotorblattes, wenn es senkrecht nach oben zeigt.

Derzeit läuft beim Regierungspräsidium (RP) das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Am 11. Juni hatte die Gießener Behörde der Gemeindeverwaltung Fronhausen drei prall ­gefüllte Aktenordner zukommen lassen.

Bürgermeisterin Schnabel und ihre Mitarbeiter sollten prüfen, ob die Unterlagen vollständig sind, die von dem sächsischen Unternehmen vorgelegt worden waren. Dafür gab das RP der ­
Gemeinde neun Tage Zeit. Schnabel beantragte, die Frist für die Überprüfung zu verlängern. Das RP lehnte ab. Die Bürgermeisterin vermutet, dass die Gießener Behörde aufs Tempo­ drückt, weil das Land seine Energieziele vorantreiben will. 

Nachdem die Aktenordner aus Gießen im Fronhäuser Rathaus angeliefert worden waren, begann zugleich eine zweimonatige Frist, in welcher sich die Gemeinde zu den Genehmigungsanträgen äußern kann. Erste Signale sind eindeutig: So, wie die Anträge derzeit aussehen, wird sie die Gemeinde wohl ablehnen. Das letzte Wort hat aber die Gemeindevertretung. Sie soll in der nächsten Sitzung am 22. ­
August darüber entscheiden.

Gemeinde
 holte sich Hilfe

Um die Pläne des Windkraft-Projektierers richtig beurteilen zu können, hatte die Gemeinde das Planungsbüro Fischer aus Linden mit einer Stellungnahme beauftragt. Die Ingenieure weisen auf verschiedene Punkte hin, die aus ihrer Sicht gegen die Genehmigung sprechen.

Da wäre zum Beispiel der Schatten, den die Anlagen werfen. Am Ortsrand würden an zahlreichen Standorten die zulässigen Grenzwerte überschritten. Die Lösung hierfür könnten eine automatische Abschaltung der Rotoren sein. Das Planungsbüro empfiehlt der Gemeinde, das RP darauf hinzuweisen.

Ein anderes Thema ist der ­Artenschutz in dieser Region. In dem Gebiet gibt es Wespenbussarde, Rot- und Schwarzmilane. In Staufenberg sind weitere Anlagen zur Genehmigung ­beantragt worden. Dort wurde das Verfahren aber ausgesetzt, weil zunächst eine sogenannte Funktionsraumanalyse für den Rotmilan angefertigt werden soll.

Die Ergebnisse dieser Analyse könnten sich auch auf den Windpark im Eichwald bei Hassenhausen und Sichertshausen auswirken, so die Ingenieure in ihrer Stellungnahme. Nicht zuletzt monieren sie die bedrängende Wirkung, die ein rund 250 Meter hohes Windrad auf die Anwohner entfalten könnte. Der Vorschlag des Planungsbüros: die Anlagen beziehungsweise den Windpark um insgesamt 500 Meter nach Osten verschieben.

Aus diesen und weiteren Gründen hat der Gemeindevorstand einen Beschlussvorschlag für die kommende Parlamentssitzung vorbereitet. Darin empfiehlt er den Gemeindevertretern, das Vorhaben des Meißener Unternehmens beim RP ­abzulehnen.

Majewski: Wachstum
würde verhindert

Aus dem Ortsbeirat Sichertshausen ist Gleiches zu hören. Der stellvertretende Ortsvorsteher Günter Majewski (SPD) sagt, er sei grundsätzlich für Windkraft und zwei geplante Anlagen sehe er unkritisch. Aber mit jener, die bis auf 1.000 Meter an das Dorf heranreicht, ist er nicht einverstanden. „Das verhindert auch das Wachstum unseres Ortes“, sagt er. Die Fläche zwischen Windpark und Ortsrand komme als Bauland infrage.

Fronhausens Bürgermeisterin­ Claudia Schnabel möchte mit dem Antrag des Gemeindevorstandes nochmal einen Versuch starten, auf das Vorhaben des sächsischen Unternehmens Einfluss zu nehmen. Im Februar des vergangenen Jahres wurden im Sichertshäuser Dorfgemeinschaftshaus die Pläne dreier Projektierer in dem Windpark vorgestellt, darunter auch die UKA.

Anschließend hatte Schnabel die Unternehmen schriftlich gebeten, ihre Pläne dahingehend aufeinander abzustimmen, dass die Anlagen möglichst geringen Einfluss auf die Bewohner haben. „Daraus haben sich die Projektierer aber nichts gemacht“, so die Bürgermeisterin. Auch die aktuellen Einwände der Gemeinde hätten beim RP wenig Aussicht auf Erfolg.

Im weiteren Verlauf des ­Genehmigungsverfahrens wird aber auch noch die Öffentlichkeit beteiligt. Hierfür werden die Pläne zur Einsicht im Rathaus und im RP ausgelegt und im ­
Internet zur Verfügung gestellt. Claudia Schnabel sagt, dass der Projektierer Mitte 2020 mit der Genehmigung rechnet. Schon ein Jahr später könnten sich bei Sichertshausen die ­Rotoren drehen.   

von Dominic Heitz