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Südkreis „Ich brauche Flausch“
Landkreis Südkreis „Ich brauche Flausch“
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11:59 22.09.2021
Nicky Bistiak aus Leidenhofen mit Maine Coone Kater Nemo
Nicky Bistiak aus Leidenhofen mit Maine Coone Kater Nemo Quelle: Ina Tannert
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Leidenhofen

Wenn Hugo mit gesetztem Schritt ein Zimmer betritt, den buschigen Schwanz hoch erhoben, ein durchdringender Blick in den grünen Katzenaugen, dann fällt der imposante Kater sofort auf. Zu übersehen ist eine Maine Coon – eine der größten Katzenrassen – überhaupt nur schwer. Und dieser Kater ist besonders präsent, ebenso wie Kumpel Nemo. Das charakteristische flauschige Fell, die prägnante Zeichnung, intensive große Augen und die typischen Büschel an den spitzen Ohren.

Da ist der nächste Schnappschuss nicht weit. Und der Auslöser der Handykamera wird in der Wohnung von Nicky Bistiak und ihrer Familie in Leidenhofen jeden Tag rege gedrückt. Motive gibt es zu genüge rund um den drei Jahre alten Hugo und den knapp zwei Jahre alten Nemo. Die beiden plüschigen Mitbewohner sind die Lieblinge der vierköpfigen Familie und sie sind wahre Instagram-Stars. Ihre Halterin brennt für die Vierbeiner, zeigt ihre beiden „Fell-Kinder“ täglich Tausenden Fans und taucht so jeden Tag für eine Weile ab in die liebevoll gepflegte Online-Welt der Katzenliebhaber.

Das Instagram-Leben entstand dabei nur durch Zufall und vor allem aus der Lockdown-Langeweile heraus. Hugo lebt seit November 2019 bei der Familie. Da holte ihn die zweifache Mutter ins Haus, „ich bin ein absoluter Tiermensch und liebe große Hunde und große Katzen“, erzählt die fröhliche 43-Jährige. Sie stammt zwar aus einer „Hundefamilie“, ist jedoch am Tag viel mit ihren beiden Kindern unterwegs und entschied sich dann für den halbstarken Maine Coon Kater.

Maine Coone Kater Nemo Quelle: Nicky Bistiak

Die große, wuschelige Rasse gefiel ihr schon immer, „ich liebe einfach Fell und ich brauche Flausch“, verrät Nicky Bistiak lachend. Außerdem hätten die großen entspannten Tiere durchaus etwas von Hunden, „irgendwie sind es Hundekatzen, sie können auch Sitz und Pfötchen geben“. Hugo erhielt dann mit Nemo mehr Gesellschaft, der im März vergangenen Jahres einzog.

Lockdown-Langeweile war Auslöser

Das war kurz vor dem Lockdown, alles machte dicht, die aktive Familie hielt sich viel zuhause auf, „irgendwann fiel mir fast die Decke auf den Kopf“, erinnert sich die Mutter noch. Da folgte sie schon einigen Katzen-Accounts bei Instagram und entschied sich spontan, einen eigenen mit ihren beiden Katern zu eröffnen. Ende März 2020 schrieb sie den ersten Post, lud das erste Foto hoch, „ich wollte eigentlich nur schauen, ob das ankommt, ob es jemanden interessiert“. Sie erreichte ihre ersten Follower, deren Zahl kontinuierlich anwuchs.

Heute, eineinhalb Jahre später, haben ihre Katzen auf dem Account „@hugo_and_nemo_the_mainecoons“ schon 12000 Abonnenten. Rund 550 Bilder finden sich auf dem Account. „Ich hätte nie gedacht, dass das so ankommt, damit habe ich niemals gerechnet“, freut sich Nicky Bistiak.

Maine Coone Kater Hugo (links) und Nemo. Quelle: Nicky Bistiak

Täglich pflegt die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte ihren Account, was zu einem festen Ritual geworden ist: Jeden Morgen steht sie extra früh auf, genießt den Moment mit Kaffee und Smartphone, den sie alleine für sich und die Follower hat. Für die Fans gibt es fast täglich ein Bild und einen kleinen Gruß von den plüschigen Instagram-Stars.

Sie schreibt aus Sicht der beiden Vierbeiner, die mal montags mit Schlafzimmer-Blick von ihrem stressigen Wochenende „erzählen“, mal auf dem Küchentisch sitzend endlich Frühstück verlangen oder einen frechen Spruch für die Halterin parat haben.

Nicky Bistiak aus Leidenhofen mit Nemo. Quelle: Ina Tannert

„Ich denke mir immer etwas Neues aus und hänge viel vor dem Handy, aber es macht auch einfach Spaß“, verrät sie grinsend. Sie sorgt gezielt für Abwechslung, organisiert die Bilder strikt durch. An einem Tag der eine Kater, dann der andere und wieder beide zusammen auf einem Bild. Es gibt Aktionen oder kleine Wettbewerbe wie den „Pinsel-König“ – die Maine Coon mit besonders schönen Puscheln am Ohr wird monatlich prämiert und von der Instagram-Gemeinschaft gefeiert.

Aus Online-Leben entstehen Freundschaften

Scharfe Kritik oder Anfeindungen wie in anderen Netzwerken, bei anderen Themen, gibt es bei den tierischen Accounts nicht. Es ist eine andere, eine friedliche und bunte Welt, die die Katzenfreundin zu schätzen gelernt hat, aus der sie zwischendurch auch Kraft schöpfen kann, „ein bisschen wie Urlaub“. Durch den regen Austausch rund ums Thema Katzen mit Menschen auf verschiedenen Kontinenten entstanden schon reale Freundschaften und gegenseitige Besuche der Maine-Coon-Liebhaber. Wenn ein Tier mal krank wird, „dann leiden alle mit, wir versuchen dann irgendwie zu helfen“. So initiierten die Katzenfans schon Spendensammlungen für die Tierarztkosten einer Halterin in Geldnöten.

Nicky Bistiak mit Hugo. Quelle: Ina Tannert

Sie selber verdiene kein Geld durch Instagram, „mir macht das einfach nur Freude, ich finde den Austausch und diesen Zusammenhalt einfach toll“, schwärmt Nicky Bistiak. Das eine große Thema verbindet: „Man teilt die Begeisterung für die Tiere und hat immer etwas zu erzählen – man liebt einfach das Gleiche und brennt für diese eine Sache“, erzählt sie und schaut liebevoll in Richtung ihrer beiden Kater, die entspannt in Sessel und Körbchen vor sich hin dösen.

Die sind es gewohnt, fotografiert zu werden, posieren für ihr Lieblingsleckerchen schon von sich aus. Der nächste Post kann also kommen.

Von Ina Tannert