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Südkreis Barrierefrei und digital
Landkreis Südkreis Barrierefrei und digital
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16:00 29.06.2022
Die Bushaltestellen in Ebsdorfergrund werden bis 2025 barrierefrei umgebaut – die Bordsteinhöhe von elf Zentimetern wird auf das Niveau der Busse angehoben. Planer Helge Hessler misst in Roßberg nochmal nach.
Die Bushaltestellen in Ebsdorfergrund werden bis 2025 barrierefrei umgebaut – die Bordsteinhöhe von elf Zentimetern wird auf das Niveau der Busse angehoben. Planer Helge Hessler misst in Roßberg nochmal nach. Quelle: Ina Tannert
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Roßberg

Am Handy daddeln, Social Media checken, vielleicht noch schnell eine wichtige Email schreiben – damit kann man die Wartezeit auf den Bus an der Haltestelle sinnvoll nutzen. Noch besser funktioniert das mit einem vernünftigen WLAN-Empfang, der ist aber in der Regel Mangelware. Kommt dann der Bus, stehen Menschen mit eingeschränkter Mobilität – oder auch schwerem Gepäck – vor der Herausforderung, das Höhenniveau und die Lücke zwischen Bus und Bordstein zu überwinden.

Beide Hürden sollen in Ebsdorfergrund in den nächsten Jahren an den 32 Bushaltestellen der Gemeinde ausgebügelt werden. Das Land Hessen gibt all seinen Kommunen vor, dass Bushaltestellen barrierefrei gestaltet werden müssen, und macht dazu Fördergeld locker. Das bedeutet für die meisten Haltestellen größere Umbauten, teils werden diese auch versetzt. Das nutzt die Gemeinde dazu, die meisten Bushaltestellen auf eigene Kosten zu kleinen, digitalen Knotenpunkten aufzurüsten:

Verkehr wird entschleunigt

Bis 2025 sollen alle Standorte sowohl barrierefrei und mit einem digitalen Fahrgastinformationssystem ausgestattet werden und zudem als WLAN-Hotspots dienen. Hinzu kommen an jedem Standort Fahrrad-Abstellbügel.

Außerdem wird in manchen Orten durch die Umgestaltung gezielt der Verkehr ausgebremst. Denn die Bus-Buchten entfallen in Zukunft, außerdem dient der Bus auf der Straße als natürliches Hindernis für den Verkehr. An manchen Stellen sollen zusätzlich Straßen auch verengt werden, „es geht um mehr Aufenthaltsqualität und eine Stärkung des ÖPNV“, berichtet Bürgermeister Andreas Schulz bei einem Ortstermin.

Den Anfang machen in diesem Jahr elf Haltestellen, und zwar in den Ortsteilen Dreihausen, Rauischholzhausen, Leidenhofen und Roßberg. Nach aktueller Planung in dieser Reihenfolge. Hinzu kommt eventuell noch der Standort am Energiepark in Heskem und Ebsdorf im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt. Wichtiger Aspekt für die Barrierefreiheit ist die Schließung des Spalts, der zwischen Bus-Einstieg und Bordstein entsteht. Um das zu erreichen wird das Höhenniveau angeglichen, die Bordsteine – regulär elf Zentimeter hoch und damit zu niedrig – werden auf 22 Zentimetern aufgestockt, „es ist wichtig, dass die Busfahrer spaltfrei an die Haltestellen heranfahren können“, berichtet Helge Hessler.

Barrierefreiheit

An barrierefreie Bushaltestellen müssen Menschen mit Sehbehinderung oder mit eingeschränkter Mobilität besser und sicherer in den Bus gelangen können. Das gibt die EU ihren Mitgliedsstaaten vor. Reicht das aus und funktioniert das im Alltag? Damit kennt sich Bernd Gökeler von der Multiple Sklerose Gruppe Marburg-Biedenkopf aus. Er freut sich zwar über den Wegfall dieser Hürden, hat aber das große Ganze im Blick: „Natürlich ist das gut, nur muss dem auch die In-frastruktur nachkommen“, gibt Gökeler zu Bedenken.

Im Straßenverkehr und auf Wegen von Städten wie Gemeinden gibt es weiterhin viele Barrieren, die Menschen mit Behinderung in ihrer Mobilität einschränken und die aufeinander aufbauen. Es reiche nicht aus, nur an der Haltestelle oder ein Stück weiter das Bodenniveau auf Null zu senken, man müsse für echte Barrierefreiheit größer denken: „Das macht nur dann Sinn, wenn auch alles andere darum herum angepasst wird – eigentlich müsste es an jeder Kreuzung eine Nullabsenkung geben, damit man von überall im Dorf zu den Bushaltestellen kommen kann“.

Zumindest an der Stelle, wo der Bus hält, an den Ausläufern wird der Bordstein auf Bodenniveau abgeflacht. Um die Haltebereiche herum werden außerdem taktile Elemente zur Orientierung von sehbehinderten Passagieren angebracht. Unter anderem in Roßberg wird der Haltepunkt um einige Meter an die Straße versetzt, die neu entstandene Fläche soll begrünt werden. Auf der anderen Straßenseite kommt eine neue Bushaltestelle hinzu, der eine Halt an der Roßberger Straße wird bisher von beiden Richtungen angefahren, das soll sich künftig ändern. Der Tempo-30-Bereich wird in Richtung Ortseingang erweitert. Alle Baumaßnahmen dürften an den jeweiligen Standorten vorübergehend den Verkehrsfluss beeinträchtigen, an keiner Stelle solle es zu Vollsperrungen kommen, betont Schulz. Der Umbau aller Haltestellen kostet 6 Millionen Euro, 4,5 Millionen bestehen aus Fördergeldern. In rund drei Jahren soll alles fertig werden.

Von Ina Tannert