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Südkreis Bordsteine werden auf 22 Zentimeter erhöht
Landkreis Südkreis Bordsteine werden auf 22 Zentimeter erhöht
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17:55 10.11.2020
22 Zentimeter – so hoch muss der Bordstein für eine barrierefreie Bushaltestelle sein, etwa in Dreihausen. Das demonstrieren Ingenieur Helge Hessler (von links), Bürgermeister Andreas Schulz, Dorothea Krähling vom Ingenieurbüro und Daniela Becker vom Ordnungsamt. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorfergrund

Eine Höhe, eine Ebene für alle – das Land Hessen gibt all seinen Kommunen vor, die Bushaltestellen bis Ende 2022 barrierefrei zu gestalten. Bisher gibt es in Ebsdorfergrund drei (zwei in Heskem-Mölln, eine in Hachborn), ein Umbau an anderer Stelle muss also kommen, der funktioniert aber nicht überall: Die Gemeinde hat eine Bestandsaufnahme gemacht und festgestellt, dass von den eigenen Bushaltestellen elf barrierefrei werden können.

Und zwar vier in Ebsdorf und jeweils eine in Wermertshausen, Roßberg, Rauischholzhausen, Beltershausen-Frauenberg, Wittelsberg, Leidenhofen und Dreihausen. Das sind nicht alle, denn die jeweils örtliche Lage der Haltestellen mache das Ganze kompliziert, „oft geben das die Gegebenheiten nicht her“, sagt Planer Helge Hessler vom beauftragten Ingenieurbüro Zick-Hessler.

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Alleine was die vorgegebene Länge für einen barrierefreien Zugang zum Bus angeht: Um den zu gewährleisten, müsse der Bordstein auf einer Länge von neun Metern – teils auch 18 Metern bei Gelenkbussen – angehoben werden, und zwar auf 22 Zentimeter.

Das ist die Höhe des Bus-Einstiegsbereichs, der laut Vorgabe außerdem auf fünf Zentimeter an die Bordsteinkante heranfahren muss, damit etwa Rollstuhlfahrer ohne Gefahr, in eine Lücke zu geraten, über die Kante gelangen. Daher muss die Haltestelle auch auf der gesamten Länge auf einem Niveau sein.

Bus-Buchten entfallen

Das dürfte an manchem Standort problematisch werden, sagt Schulz. Denn davon betroffen werden nicht nur die eigentliche Haltestelle, sondern auch die Einfahrten der angrenzenden Grundstücke. Etwa Hofeinfahrten, an denen dann ebenfalls 22 Zentimeter überwunden werden müssten. Das schafft wohl ein Traktor, nicht aber ein normaler Pkw. Demnach könne an diesen Stellen das Niveau nicht durchgehend gehalten werden, damit gebe es keine Fördergelder und somit werde dort auch nicht gebaut, sagt Schulz. Die Landesvorgaben könnten also gerade bei enger Bebauung nicht erfüllt werden.

Auch andere Haltestellen können an den jetzigen Standorten nicht umgebaut werden. Das betrifft etwa Buchten. Die sind eigentlich dafür gedacht, dass Busse beim Halten nicht die Fahrbahn für den Autoverkehr blockieren. Das wird künftig kaum noch funktionieren, denn eine kurvige Bucht lasse sich kaum nach den Vorgaben des Landes umgestalten. Daher werden die Buchten verschwinden, die Haltestellen an die Straße verlegt. Das betrifft die Buchten in Ebsdorf, Leidenhofen, Wittelsberg, Roßberg oder Rauischholzhausen. Bei der in Beltershausen sei das baulich allerdings nicht möglich.

Schulz hofft auf großen Zuschuss

Der Baustart ist etwa im Sommer 2021 geplant. Dort, wo Bushaltestellen umgestaltet werden, kommen zudem transparente und beleuchtete Wartehäuschen dazu, inklusive elektronischem Fahrplananzeiger und WLAN-Hotspots. Das sei auch ein Grund, weshalb der Umbau teurer wird, meistens belaufen sich die Kosten pro Standort auf mehr als 100.000 Euro. Die Gesamtkosten für den Umbau der elf Haltestellen betragen rund 1,3 Millionen, so Schulz, der auf eine Landesförderung von 70 Prozent hofft.

In Heskem sollen später mit dem Gewerbegebiet Interkom zwei weitere Haltestellen hinzukommen, die an der Straße „Zur Gesamtschule“ entfällt mit dem Bau des Busbahnhofes. Dann seien 17 von 22 Bushaltestellen im Gemeindegebiet barrierefrei.

Von Ina Tannert