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Südkreis Zwischen Dank und Denkzettel
Landkreis Südkreis Zwischen Dank und Denkzettel
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11:52 28.09.2021
Claudia Schnabel bleibt Bürgermeisterin von Fronhausen. Sie feierte am Wahlabend gemeinsam mit Familie, Freunden und Fraktionskollegen in der Gaststätte Zur Krone.
Claudia Schnabel bleibt Bürgermeisterin von Fronhausen. Sie feierte am Wahlabend gemeinsam mit Familie, Freunden und Fraktionskollegen in der Gaststätte Zur Krone. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Claudia Schnabel wird auch für die nächsten sechs Jahre im Rathaus viel zu tun bekommen: 57,99 Prozent erhielt die Bürgermeisterin bei der Wahl am Sonntag. Und das bei einer ordentlichen Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent. Einige Fronhäuser nahmen dabei erst gar nicht an der Bürgermeisterwahl teil, obwohl sie ihr Wahlrecht bei der Bundestagswahl nutzten, die mit 82,63 Prozent Wahlbeteiligung (Erst- wie Zweitstimmen) noch höher ausfiel.

Dennoch entschieden sich einige Stimmberechtigte dazu, auf die gleichzeitige Bürgermeisterwahl zu verzichten, im Wahllokal oder bei der Briefwahl dort erst gar kein Kreuz bei „Ja“ oder „Nein“ zu setzen. Das wären statistisch betrachtet 47 Wählerinnen und Wähler. Mit Blick auf die einzelnen Wahlbezirke ergeben sich wiederum einige auffällige Unterschiede: In Sichertshausen erreichte Schnabel mit über 70 Prozent ihr bestes Ergebnis, während es in anderen Wahlbezirken zwei mal unter 52 Prozent blieb und sie nur eine knappe Mehrheit für sich gewinnen konnte.

Deutliche Denkzettel für Schnabel

Ein Denkzettel von unzufriedenen Bürgern? So kann man das durchaus interpretieren. Zumal es in Fronhausen derzeit einige viel diskutierte „Aufregerthemen“ gibt, die sich auf die Wahl auswirkten, wie Schnabel selbst sagt. Allen voran das geplante Sportzentrum in Fronhausen oder andere Baustellen in der Gemeinde. Die Bürgermeisterin zog noch am Wahlabend eigene Rückschlüsse der verschiedenen Ergebnisse und versprach, diese ernst zu nehmen: „Daran werde ich in den nächsten Jahren arbeiten“, betonte Schnabel. Das niedrigste Ergebnis kam mit 51,15 Prozent aus Bellnhausen. Woran könnte das liegen? Möglicherweise am Ablauf des derzeitigen Glasfaser-Ausbaus, mit dem einige Bürger nicht gerade glücklich sind, die sich wieder reparierte Straßen wünschen. Vielleicht. Der weit ausschlaggebendere Grund dürfte aber das weiterhin wegen Platzmangels von einer Kita-Gruppe belegte Bürgerhaus sein, auf das die Bellnhäuser seit einiger Zeit schon verzichten müssen.

„Ich glaube, dass das Bürgerhaus ganz klar der Hauptgrund ist“, sagt Ortsvorsteher Dr. Lothar Mann im OP-Gespräch zur Einschätzung der Wahlergebnisse. Denn das ist schon lange großes Thema im Ort. Nicht nur haben Bellnhäuser zuletzt ihrer Kritik in einem offenen Brief Ausdruck verliehen, sie befürchten nun, dass das Bürgerhaus auch im Jahr 2023 noch nicht wieder zur Verfügung steht.

Eine langfristige Baustelle, die sich auf die Wahl ausgewirkt haben dürfte. Die zeitlich deutlich eher eingrenzbaren Probleme beim Glasfaserausbau spielten da wenn überhaupt eine eher untergeordnete Rolle, „das ist etwas vorübergehendes, beim Bürgerhaus ist das anders“, fasst Mann zusammen.

Dem Ergebnis aus Bellnhausen folgt dichtauf der Wahlbezirk Fronhausen II mit 51,20 Prozent. Hier im Kernort könnte das gerade vor der Wahl viel diskutierte Sportzentrum mit den Ausschlag für den Ärger mancher Bürger gegeben haben.

Auffällig hierbei: In dem anderen Wahlbezirk, Fronhausen I, erreichte Schnabel mit 62,25 Prozent ein deutlich stärkeres Ergebnis. Es scheint, als würde das Reizthema den Kernort sichtlich spalten. Die Quittung erhält die Bürgermeisterin als das Gesicht der Gemeinde, unabhängig davon, wie Parlamentsbeschlüsse ausfallen.

Nachhaltige Pluspunkte in Sichertshausen

In Sichertshausen wiederum war nicht nur die Wahlbeteiligung an der Bürgermeisterwahl (53,80 Prozent, ohne Briefwähler) die höchste von allen Wahlbezirken, sondern auch die Zustimmung für Schnabel: Dort erhielt sie 70,81 Prozent. Im Ort hat sie schon seit einigen Jahren einen guten Stand. „Sie hat hier keine großen Probleme und wir haben auch gerade keine größeren Baustellen wie anderswo, die Leute sind zufrieden“, fasst Ortsvorsteher Reinhard Lauer zusammen.

Er freut sich dabei nicht nur über eine rekordverdächtige Wahlbeteiligung im Ort – einschließlich Briefwähler rund 90 Prozent –, sondern auch über eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Und in der habe Schnabel schon zu Beginn ihrer ersten Amtszeit „einige Pluspunkte“ gesammelt, als sie sich etwa dafür einsetzte, dass sich die Bewohner nicht an den Mehrkosten für die sanierte Lahnbrücke beteiligen mussten.

Der Bonus und das Dankeschön aus dem Dorf hält anscheinend weiter an, ebenso wie umgesetzte Projekte zur Geschwindigkeitsbeschränkung an der Zwester-Ohm-Brücke und andere Themen, wo die Gemeinde gut unterstützt habe, lobt Lauer. Darauf ausruhen dürfe man sich indes natürlich nicht, betont er und verweist auch in Zukunft auf ein gutes Gedächtnis der Bürger: „An einige Dinge erinnern sich die Leute sehr lange, im Guten wie im Bösen.“

Von Ina Tannert

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