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Südkreis „Wir müssen Gemeinde zukunftsfähig machen“
Landkreis Südkreis „Wir müssen Gemeinde zukunftsfähig machen“
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11:00 18.09.2021
Das Haus der Gemeindeverwaltung Fronhausen.
Das Haus der Gemeindeverwaltung Fronhausen. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Fronhausen

Die amtierende Bürgermeisterin in Fronhausen tritt zur nächsten Bürgermeister-Direktwahl am 26. September als einzige Kandidatin an. Im Interview mit der OP nimmt sie Stellung zu aktuellen Themen.

Die letzten sechs Jahre haben durchaus gezeigt, dass es mit neuen Flächen für Wohnbebauung in der Großgemeinde immer schwieriger wird. Was kann, was muss sich Fronhausen in den kommenden sechs Jahren leisten, um dem vorhandenen Bedarf gerecht zu werden?

Der Nachfragedruck ist enorm angestiegen, mittlerweile stehen über 300 Bauwillige auf unserer Interessentenliste. Wir müssen sowohl in den Ortskernen nachverdichten, wie z. B. im Bereich „Vorderster Boden“ hinter den Einkaufsmärkten in Fronhausen, wo über 70 Wohnungen entstehen werden, aber auch ungenutzte Potenziale vorhandener Gebäude nutzen. Ehemalige landwirtschaftliche Nebengebäude bieten sich zur Wohnraumschaffung an, hier möchte ich die Eigentümer über Förderprogramme wie „lebendige Zentren“ und Beratungsangebote unterstützen. Auch neue Formen des Zusammenlebens von Jung und Alt in generationenübergreifenden Projekten können wunderbar in bestehenden Gebäuden oder Ortsinnenflächen umgesetzt werden. Natürlich wird die Ausweisung von kleineren Flächen für das klassische Einfamilienhaus trotzdem nötig sein, was ich auch mit Bedacht und Augenmaß in mehreren Ortsteilen unterstützen möchte.

Bürgermeisterin Claudia Schnabel wohnt mit ihrer Familie im Kernort Fronhausen. Am 26. September stellt sie sich zur Wiederwahl. Quelle: privat

Die interkommunale Zusammenarbeit mit Weimar und Lohra möchten Sie gerne weiter pflegen und offensichtlich auch gerne ausbauen. Auf welchen Gebieten?

Kleine Kommunen wie Fronhausen können die auf sie übertragenen Aufgaben alleine nur noch schwer bewältigen. In den letzten Jahren haben wir schon erfolgreich mit Weimar und Lohra kooperiert, zum Beispiel im Bereich des Bauamts. Hier werden Mitarbeiter aus Lohra und Fronhausen jeweils nach ihren Schwerpunkten und Fähigkeiten projektbezogen in beiden Gemeinden eingesetzt, was uns wesentlich bessere Arbeitsergebnisse bringt. Die Machbarkeitsstudie zur interkommunalen Zusammenarbeit hat gezeigt, dass der Art und Weise der zukünftigen Kooperation bis zu einer möglichen Fusion keine Grenzen gesetzt sind. Wir werden in den nächsten Monaten in allen Parlamenten beraten, welchen Weg wir einschlagen. Meine Präferenz wäre, zunächst mit Gebieten wie Ordnungsbehördenbezirk, gemeinsamem Finanzbereich und Ähnlichem zu starten und dann in Richtung Verwaltungsverband zu zielen. Solange in allen Gemeinden noch Bürgerbüros vor Ort sind, werden die Bürgerinnen und Bürger keine Nachteile haben, sondern von einer besseren und effizienteren Verwaltung profitieren.

Fronhausen hat sich insbesondere über die Bürgerschaft für erneuerbare Energien erwärmen können. Die großen Projekte Nahwärme in Fronhausen und Windkraft bei Hassenhausen liegen nun schon eine Weile zurück. Ist von Gemeindeseite aus noch etwas zu erwarten?

Leider wurde die Bioenergiegenossenschaft beim Aufbau des Nahwärmenetzes vom damaligen Gemeindevorstand nicht unterstützt, sondern sogar behindert. Deshalb konnte das vorhandene Potenzial erst im Laufe der letzten Jahre besser ausgenutzt werden. Ich unterstütze die Bestrebungen der Ausweitung voll und ganz und werde mich auch im Bereich der Fördermittelgewinnung für neue Konzepte einbringen. Auch die Nutzung großer Dachflächen von gemeindeeigenen und auch privaten Gebäuden für die Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie über eine Bürgergenossenschaft möchte ich vorantreiben. Die Gemeindevertretung hat zudem auf meine Vorlage hin einen Beschluss zur möglichen Ausweisung von Bereichen für Freiflächenphotovoltaikanlagen in Vorrang- oder landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten mit bürgerschaftlicher Beteiligung gefasst.

Abgesehen von der Abarbeitung des Feuerwehrbedarfsplanes und der Straßensanierung nach Prioritätenliste. Auf welchen Themenfeldern sehen Sie in der Großgemeinde Fronhausen generell noch großen Handlungs- beziehungsweise Investitionsbedarf?

Investitionsbedarf besteht in vielen Handlungsfeldern. Es muss nicht nur die vorhandene Infrastruktur unterhalten, sondern in vielen Bereichen auch verbessert und ausgebaut werden. Das fängt bei der Erweiterung der Kapazitäten für Kinderbetreuung an, setzt sich bei energetischer Sanierung der gemeindeeigenen Gebäude fort und endet auch nicht bei der Gestaltung des öffentlichen Raums oder der Digitalisierung der Verwaltung. Konkret heißt das, dass wir die Gemeinde Fronhausen zukunftsfähig machen müssen. Radwegebau, insbesondere im Bereich der Alltagsverbindungen, ergänzt durch Abstell- und Lademöglichkeiten beispielsweise am Bahnhof gehört genauso in das Spektrum der Investitionsbedarfe, wie Vorbereitung auf Starkregenereignisse oder Trockenperioden im Zuge des Klimawandels. Was das genau für uns bedeutet, wird sich erst durch Untersuchungen und Studien ergeben, der Handlungsdruck ist aber spürbar.

Von Götz Schaub

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