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Südkreis Bürger wollen kein „überdimensioniertes Baugebiet“
Landkreis Südkreis Bürger wollen kein „überdimensioniertes Baugebiet“
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18:59 23.04.2022
Auf dieser Hangfläche soll das Baugebiet „Storchenblick“ verwirklicht werden. 40 Bauplätze sind vorgesehen. Zu viele auf einmal, finden sehr viele Menschen aus dem Ort und fordern eine veränderte Planung.
Auf dieser Hangfläche soll das Baugebiet „Storchenblick“ verwirklicht werden. 40 Bauplätze sind vorgesehen. Zu viele auf einmal, finden sehr viele Menschen aus dem Ort und fordern eine veränderte Planung. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Rauischholzhausen

In Ebsdorfergrund gibt es laut Bürgermeister Andreas Schulz sehr viele Bauanfragen. So viele Anfragen, die ausreichen, um irgendwo auf der ‚grünen Wiese‘ einen komplett neuen Ortsteil entstehen zu lassen. Das soll natürlich nicht geschehen. Deshalb setzt Schulz auf die Verteilung auf mehrere Ortsteile. Gerade wurde der Satzungsbeschluss eines neuen Baugebietes in Ebsdorf gefasst (diese Zeitung berichtete), und die nächsten Neubaugebiete sind schon für Wittelsberg und Rauischholzhausen geplant.

In Rauischholzhausen regt sich allerdings Widerstand. Nicht gegen ein Baugebiet an sich, doch die geplante Dimension ließ einige Bürgerinnen und Bürger hellhörig werden. Der Planungsentwurf des Bebauungsplans „Storchenblick“ mit mehr als 40 Baugrundstücken sorgte nicht nur für eine kritische Stellungnahme des Ortsbeirats, auch aus der Bevölkerung selbst kamen mehr als 60 Einsprüche. Im Februar dieses Jahres haben sich Bürgerinnen und Bürger des Ortes zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen.

Weil diese nicht einfach nur dagegen ist, sondern einen eigenen Vorschlag einbringt, haben bisher mehr als 40 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung des Ortes gegen die Planungen der Gemeinde auf einer Liste unterschrieben. Die Einwände der Bürgerinitiative richten sich zunächst gegen die Dimension des Bauprojektes. Die Sprecherin der Bürgerinitiative, Nina Rinkleff, fasst die Kritikpunkte zusammen: Die Erschließung von 40 Grundstücken in sehr kurzer Zeit sorge im Verhältnis zur jetzigen Einwohnerzahl für ein zu großes Wachstum bei dann fehlender Infrastruktur. Zudem sind im Baugebiet auch Mehrfamilienhäuser geplant. All dies würde einen überproportionalen Zuwachs bedeuten, was sich zwangsläufig auch auf die Verkehrssituation auswirken würde. Schon jetzt wird die Situation in den Straßen Teichdamm, Roßdorfer Straße und Wittelsberger Straße als bedenklich eingestuft. Durch die großflächige Versiegelung der derzeit noch freien Hangfläche werde sich auch die Überschwemmungsgefahr verschärfen.

Plötzlich sind zwei Vollgeschosse möglich

An das bereits bestehende Neubaugebiet „Grundblick“ soll unmittelbar angeschlossen werden, wobei auch Einfamilienhäuser gebaut werden können, die mit zwei Vollgeschossen und einer Höhe von maximal neun Metern zuzüglich im Mittel 1,40 Meter Kellersockel erlaubt werden sollen. Im „Grundblick“ hingegen sind nur eineinhalbgeschossige Häuser erlaubt. Es handelt sich hier also nicht um eine angepasste Bebauung, so Rinkleff. Sie betont, dass es der Bürgerinitiative nicht darum geht, generell gegen ein weiteres Neubaugebiet zu protestieren, aber es sollte sich einfügen in die bestehende Baustruktur und nicht so ausgeführt werden, dass man mehr oder weniger aufgrund der Topographie auf hohe Wände schaut.

Neben all den genannten Kritikpunkten müsse dann auch noch über die Fläche selbst gesprochen werden, die aus landwirtschaftlicher Sicht guten Boden aufweist und keineswegs den Vergleich zu den guten Böden nahe der L 3048 rund um Rauischholzhausen scheuen muss. Die Bürgerinitiative schlägt daher eine zweite Baureihe hinter der bestehenden Wohnbebauung „Am Lomberg“ und „Die Boene“ vor. Die Planungen und das Ausmaß sollten sich an die vorhandenen infrastrukturellen Möglichkeiten anpassen.

Die Bauleitplanung hat sich nach Ansicht der Bürgerinitiative an die Bedürfnisse der Bauwilligen und die örtlichen Gegebenheiten und nicht an die individuellen wirtschaftlichen Interessen von Investoren auszurichten, um das Baugebiet attraktiv und Bauland für junge Familien bezahlbar zu machen.

Die Abstimmung über den Satzungsbeschluss bezüglich des Baugebietes Rauischholzhausen wird erst im September auf der Tagesordnung stehen, somit also nach der Bürgermeisterdirektwahl.

Mehr Infos zur BI gibt es auf der Facebook-Seite „Neubaugebiet Storchenblick“, wo auch eine Online-Petition zu finden ist, und unter der Mailadresse bi-storchenblick@web.de

Von Götz Schaub