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Südkreis Ein himmlisches Ereignis
Landkreis Südkreis Ein himmlisches Ereignis
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11:09 24.12.2019
Der Tswaing-Meteoritenkrater im Gebiet des Kirchenkreises Moretele, Gauteng/Südafrika. Quelle: Burkhard zur Nieden
Marburg

Dadurch entstand ein Krater von über einem Kilometer Durchmesser. Bis heute prägt dieser Tswaing-Krater die Landschaft. Die Auswirkungen auf die damalige Pflanzen- und Tierwelt in der Region müssen ungeheuer gewesen sein. Vermutlich wurde alles Leben in weitem Umkreis ausgelöscht. Auch frühe Menschen, unsere Vormütter und Vorväter, könnten davon betroffen gewesen sein. Afrika gilt schließlich als Wiege der Menschheit – Cradle of Humankind.

Später bildete sich auf dem Grund des Kraters ein See aus Grund- und Regenwasser. Durch Verdunstung hat er einen sehr hohen Salzgehalt. Dies machte in attraktiv für zahlreiche Tiere; wir können uns Elefanten, Zebras, Antilopen an seinem Ufer vorstellen. Und wo Tiere sich versammeln, treffen wir auch auf ihre Jäger. Spuren verschiedener menschlicher Gruppen aus unterschiedlichen Zeitaltern haben dort ihre Spuren hinterlassen.

Dazu gehören Khoikhoi und San, in späterer kolonialer Zeit als Buschmänner bezeichnet. Dann Bantu, die sie verdrängten. Holländische Siedler aus der Region um Kapstadt, die sich der Unterwerfung durch die Engländer entzogen, dann Einwanderer aus mittelafrikanischen Ländern. Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Überzeugungen suchten hier ihr Glück, manchmal im friedlichen Nebeneinander, oft aber durch gewaltsame Verdrängung.

Viele Konsumgüter,
aber kaum Infrastruktur

Vor 25 Jahren ist in Südafrika offiziell die Apartheid, die erzwungene Rassentrennung, aufgehoben worden, aber unter deren Folgen leidet das Land immer noch schwer: Leid, Geschrei, Schmerz sind keineswegs überall vergangen und verheilt.

Natürlich ist Südafrika inzwischen eine Demokratie, eine bunte Regenbogennation aus Menschen verschiedener Sprachen und Völker. Natürlich ist der Lebensstandard inzwischen gestiegen. Pkw und Flachbildschirm finden sich in vielen Haushalten. Ein Smartphone besitzt fast jeder (und die Netzabdeckung ist meist besser als in Deutschland).

Aber das ändert nichts daran, dass zwar in Konsum investiert, aber die Infrastruktur kaum verbessert wurde. In Townships zu leben bedeutet nach wie vor, keine Chance auf einen wirklichen beruflichen oder sozialen Aufstieg zu besitzen. Das Apartheidregime hatte die schwarze­ Bevölkerung bewusst in entfernten und kargen Gebieten ­angesiedelt, damit allein der Weg zur Arbeit die Menschen erschöpfte und sie damit buchstäblich zu müde für Aufstände werden ließ.

Knappe Ressourcen führen zu Fremdenfeindlichkeit

Daran hat sich wenig geändert. Noch heute braucht man mit den überfüllten Kleinbussen oft zwei Stunden oder mehr, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Öffentlichen Nahverkehr gibt es kaum. Die Kriminalität ist hoch, noch größer ist allerdings die Furcht, Opfer eines Verbrechens zu werden. Stacheldraht umgibt deshalb die meisten Häuser und Hütten.

Über AIDS kann inzwischen in den Familien gesprochen werden, seitdem die Diagnose nicht mehr ein Todesurteil bedeutet, weil Medikamente jetzt ein Leben mit HIV ermöglichen. Andere Infektionskrankheiten sind aber weit verbreitet.
Die Hilfe des Staates besteht darin, dass jede südafrikanische Familie Anspruch auf ein kleines Stück Land und eine Hütte hat – danach müssen die Menschen selbst sehen, wie sie überleben.

Deshalb wird verständlich, warum es in der Auseinandersetzung um knappe Ressourcen zu Fremdenfeindlichkeit gegenüber Migrantinnen und Migranten aus dem übrigen Afrika kommt, die in großer Zahl nach Südafrika kommen – weil hier die Lebensbedingungen vergleichsweise immer noch besser sind. Es sind in gewisser Hinsicht verlorene Jahre seit dem ­Ende der Apartheid, voller enttäuschter Hoffnungen und voller Furcht; Leid, Geschrei, Schmerz.

Menschen brauchen Hoffnung auf Errettung

In dieser Lage sehnen sich viele Menschen nach einem himmlischen Ereignis. Neue religiöse Gruppen versprechen geradezu das Blaue vom Himmel herab: Komm zu uns und bring deine Spenden, dann wirst du Segen und Heil erfahren, Gesundheit und Wohlstand bekommen. Oft geschieht dies in betrügerischer Absicht und zieht den ­
Armen das letzte Geld aus der Tasche – eine Schande für die Religion.

Aber Menschen brauchen doch Hoffnung! Welche Geschichte könnte sie ihnen geben? Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einem himmlischen Ereignis in schlimmer Zeit. Vor 2.000 Jahren wird ein jüdisches Kind geboren, unterwegs und in ärmlichen Umständen. Maria und Joseph, ein überfordertes, junges Paar. Eine Krippe, ein Stall, Ochse und Esel. Ziemlich elend und doch viel mehr.

Den Hirten auf dem Feld in der Nachbarschaft, armen, ausgegrenzten Menschen begegnen Himmelsboten: Friede auf Erden! Weise brechen aus ihrer Heimat auf und folgen einem Stern bis in ein fernes Land: Ein neuer König ist geboren, der Gerechtigkeit bringen wird.

Auf dieses ganz andere himmlische Ereignis schaut unser Glaube. Arme Hirten aus der Nachbarschaft und Weise aus der Fremde finden zusammen und hoffen auf den Gott Israels. Wie diese stehen wir an Weihnachten an der Krippe Jesu, tief berührt und dankbar.

Mit ihnen sehnen wir uns nach Frieden auf Erden. Mit ihnen suchen wir Gerechtigkeit und geben uns mit Unrecht nicht zufrieden. Mit ihnen hoffen wir auf das Kommen des Reiches Gottes, in dem alle Tränen abgewischt sein werden.
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
(Offenbarung 21,3-4)
In diesem Sinn: Hoffnungsvolle Weihnachten!     

von Burkhard zur Nieden