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Südkreis Bienenwolf kam schon früher in den Kreis
Landkreis Südkreis Bienenwolf kam schon früher in den Kreis
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17:27 25.08.2020
Dieses Foto von einem Bienenwolf entstand schon im Sommer 2019 im Garten der Künstlerin Barbara Isabella Bauer-Heusler. Quelle: Barbara Isabella Bauer-Heusler
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Südkreis

Der vorige OP-Artikel über den Bienenwolf, auch Grabwespe genannt, stieß doch bei einigen Menschen im Landkreis auf größeres Interesse.

Professor Martin Kraft, der über Fotos und kleine Video-Clips einen Erstnachweis für das Vorhandensein der Grabwespe im Landkreis Marburg-Biedenkopf erbrachte, hatte bereits in diesem OP-Artikel die Vermutung geäußert, dass das Insekt schon länger im Landkreis vorkommt.

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Und richtig: Die Marburger Künstlerin Barbara Isabella Bauer-Heusler, die sich von je her künstlerisch immer wieder in der Tierwelt Inspiration sucht, hat schon im vergangenen Jahr in ihrem Garten einen Bienenwolf fotografiert. Ihr war nicht bewusst, dass es noch keinen offiziellen Nachweis gab, dass der Bienenwolf in Hessen aus Richtung Süden vorgerückt ist.

Die Fotos hat sie aber schon aus einem konkreten Grund geschossen: „Mir geht und ging es vor allem um die Dokumentation vieler interessanter und auch seltener Insekten in einem 800 Quadratmeter großen Stadt-Hausgarten.“ Da sind im Laufe der Zeit einige Fotos zusammengekommen. „Die Foto-Dokumentation der Insekten unseres Gartens hat eine Eigendynamik nicht geahnten Ausmaßes angenommen. Ich komme oft mit dem Bestimmen nicht hinterher“, sagt Bauer-Heusler.

Die Beschäftigung mit Insekten, insbesondere mit Wildbienen, passe gut in ihren künstlerischen Arbeitsbereich, verrät sie. So hatte sie also immer ein wachsames Auge auf die fliegenden Insekten im Garten und kam entsprechend auch dem Bienenwolf auf die Spur. Der Bienenwolf ist in der Regel nicht schwer zu bestimmen, denn er „trägt“ nicht erst seit Corona, sondern schon immer eine weiße Maske im Gesicht.

Kraft ist nicht traurig, den Erstnachweis an die Marburger Künstlerin abzutreten. Ganz im Gegenteil. Er sagt: „Es ist so, dass vorher leider nichts offiziell dokumentiert und publiziert wurde, wie das leider wohl ebenso bei anderen Insekten der Fall ist, die klimabedingt auf dem Vormarsch sind. Mit Artikeln in der OP können wir also immer Leute aus der Reserve locken, die uns wertvolle Rückmeldungen geben, um vorhandene Lücken zu schließen. Wir wollen nicht nur zum Bienenwolf, sondern auch zu anderen Tieren aktuelle Karten erstellen und diese dann auf unserer Homepage www.mio-marburg.org veröffentlichen.“ Kraft ist Vorsitzender des Vereins MIO – Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie.

Seine Nachsuche an seinem Fundort im EU-Vogelschutzgebiet „Lahntal zwischen Marburg und Gießen“ aktualisiert übrigens auch eine Zahl aus dem Artikel von Freitag. Da sprach Kraft noch von 1 .700 gezählten Röhren. Bei seinem letzten Besuch musste er sich mehr Zeit zum Zählen nehmen und kam auf mehr als 4.000. Wenn man nun bedenkt, dass die Honigbiene Nahrung Nummer eins ist und in jeder Röhre nur drei Bienen als Nahrung für den Nachwuchs hinterlegt werden, kann man sich ausrechnen, was so in der Insektenwelt abgeht. Forscher haben herausgefunden, dass der Bienenwolf bei seiner Jagd auf Nahrung nach Geruch entscheidet. Er lässt sich auch in die Irre führen und greift kleine Holzstückchen an, wenn sie den Geruch von Honigbienen tragen. Die Honigbienen wissen eigentlich gar nichts von der Gefahr, in der sie schweben, wenn sich eine Grabwespe nähert. Deshalb trifft sie jeder Angriff absolut unvorbereitet. Durch den Stich, den sie erleiden, sind sie sofort wehrlos gemacht, ihr Schicksal ist besiegelt.

Der Bienenwolf steht ganz am Ende einer Nahrungskette. Doch das heißt nicht, dass er keine Feinde hat. Diese Feinde greifen nicht ausgewachsene Exemplare an, sondern gehen viel „perfider“ vor. Es sind die Goldwespen, die die mühsam gegrabenen Röhren der Grabwespe ausnutzen, um dort ihre eigene Brut abzulegen. Da die Larven der Goldwespe früher schlüpfen, futtern sich diese an den Honigbienen satt und lassen den Larven der Grabwespe nichts oder zu wenig übrig, so dass diese einfach verhungern. Und tatsächlich: Die Goldwespe hat Kraft innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes „Lahntal zwischen Marburg und Gießen“ auch angetroffen. Nach dem Wissen, dass Bienenwölfe auch in Marburg vorkommen, sagt Kraft jetzt: „Meine Vermutung ist, dass der Bienenwolf schon im warmen Sommer des Jahres 2003 bei uns einwanderte, aber wohl niemand darauf geachtet hat.“

Die zurückliegenden zwei heißen Sommer haben auf jeden Fall weitere südliche Insekten einwandern lassen. „Wir registrieren neben inzwischen Hunderten und mehr Weinhähnchen auch sehr starke Zunahmen bei den Südlichen Blaupfeilen, Südlichen Mosaikjungfern, Kleinen und Großen Zangenlibellen. Bei den Schmetterlingen gibt es sogar wieder Nachweise des Weißen Waldportiers und des Baumweißlings, um nur ein paar Arten zu nennen.“

PS: Unter den Kommentaren auf Facebook zum vorigen OP-Artikel über den Bienenwolf nennen User auch Langenstein, Oberrosphe und Wetter als Sichtungsorte von Grabwespen.

Von Götz Schaub

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