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Südkreis Braunkehlchen fühlt sich in Nesselbrunn wohl
Landkreis Südkreis Braunkehlchen fühlt sich in Nesselbrunn wohl
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12:55 01.08.2020
Landwirt Manfred Scheld (von links) mit seiner Tochter Annabell, Kirsten Fründt, Heike Wagner, Viola Wege und Heidrun Hess-Mittelstädt. Quelle: Thorsten Richter
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Nesselbrunn

Was für den Laien nach vertrockneter ungepflegter Wiese aussieht, ist für das Braunkehlchen ein Paradies. Und damit noch mehr Brutpaare nach Nesselbrunn finden, soll genau diese Wiese an der Katzbach erhalten bleiben.

Dafür setzt sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf im Rahmen des Hessischen Programms für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen ein – in Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirten.

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Denn die müssen ihre Flächen zur Verfügung stellen, damit daraus ein Braunkehlchen-Paradies werden kann. Eine intensive Bewirtschaftung kommt dann nämlich nicht mehr infrage. „Braunkehlchen brauchen Strukturreichtum. Das heißt es muss Pflanzen von unterschiedlicher Wuchshöhe geben“, erklärt Viola Wege, ehrenamtliche Kreisbeauftragte für den Vogelschutz.

Sie ergänzt: „Ebenso ist Artenreichtum wichtig“, und zeigt auf Ampfer, Baldrian und Mädesüß. Das und noch viel mehr wächst auf der Wiese direkt an der Katzbach. Denn auch das lieben die kleinen Vögel – Auen und Feuchtwiesen.

Seit den 1970er-Jahren ist der Bestand der Braunkehlchen rapide zurückgegangen. Waren es hessenweit mal 800 Brutpaare sind es jetzt noch 300, 25 haben sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf niedergelassen.

Denn Braunkehlchen sind standorttreu. Und das will sich der Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landkreises zu Nutze machen, um noch mehr Paare anzulocken und vor allem Ausweichflächen zu schaffen. Denn da wo sich das Braunkehlchen wohl fühlt, da fühlt sich auch das Schwarzkehlchen wohl. Letzteres ist aber viel anpassungsfähiger und fortpflanzungsfreudiger und verdrängt dadurch das anspruchsvolle Braunkehlchen, das übrigens vor allem im Hinterland zu finden ist.

Das Braunkehlchen brütet auf Wiesenflächen bei Nesselbrunn. Foto: Viola Wege

Dort gibt es mehr extensive Nutzflächen, weil sie für die Landwirte schwer zugänglich und damit nicht wirtschaftlich sind. Im Allnatal wird gezielt nach Flächen gesucht, um dann mit den Landwirten einig zu werden. Denn für den Bodenbrüter ist es wichtig, dass er ungestört seine vier bis sechs Jungen aufziehen kann, genügend Nahrung findet und vor Feinden geschützt ist.

„Daher ist es notwendig, dass die Wiesen erst sehr spät gemäht werden“, erklärt Viola Wege. „Um den Vögeln auch schon bei ihrer Ankunft einen ansprechenden Lebensraum zu bieten, sind außerdem Grasstreifen aus hochwachsenden Pflanzen als natürliche Ansitzwarten hilfreich. Zaunpfähle nutzen sie auch dafür“, so die Vogelexpertin weiter.

Gerade deswegen ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten unerlässlich. „Ich bin immer wieder begeistert, wie offen sie solchen Projekten gegenüber stehen. Das späte Mähen passt zumeist nicht in den üblichen Betriebsablauf, erfordert also einen höheren Arbeitsaufwand, da die Flächen zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal angefahren und bearbeitet werden müssen“, berichtet Heidrun Hess-Mittelstädt.

Sie ist im Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz für das Projekt zuständig. Durch den Verzicht auf Dünger und die späte Mahd ist die Futterqualität meist geringer und oft im eigenen Betrieb nur noch bedingt verwendbar. Auch deswegen werden die finanziellen Verluste durch das hessenweite Programm zum Teil aufgefangen.

Neben den beiden Wiesenschmätzern konnten an der Katzbach übrigens auch Rebhühner, Wachteln, Neuntäter und Goldammern angelockt werden. „Ein weiterer positiver Nebeneffekt“, sagte Viola Wege. „Hier haben unzählige Tiere etwas von der extensiven Bewirtschaftung. Und das ist Gold wert.“

Von Katja Peters

Stark gefährdet: Braunkehlchen

Das Braunkehlchen ist ein Singvogel aus der Gattung der Wiesenschmätzer und der Familie der Fliegenschnäpper. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015 wird die Art in der Kategorie 2 als stark gefährdet geführt.

Das Braunkehlchen ist etwa 13 bis 14 Zentimeter groß und wiegt etwa 15 bis 20 Gramm. Die Oberseite ist braun, schwarz gemustert und der Bauch ist weißlich gefärbt. Kehle und Brust sind orangegelb gefärbt. Ein Braunkehlchen kann bis acht Jahre alt werden. Das Männchen hat einen weißen Überaugstreif und einen weißen Kinnstreif. Der Bereich zwischen den beiden Streifen ist schwarz.

Sein Ruf klingt wie „jü teck“ und dient dazu, Weibchen anzulocken und sein Revier zu markieren. Zum Singen und bei der Beutejagd sitzt das Braunkehlchen gern auf hohen Pfosten und Halmen. Als Lebensraum bevorzugt das Braunkehlchen offene, frische bis feuchte Flächen mit nicht zu hoher Gehölz- und Heckendichte. Für die Nestanlage benötigt es eine Deckung bietende Kraut- und/oder Zwergstrauchschicht.

Für die Nahrungssuche benötigt es Stellen mit niedriger und lückiger Vegetation, die außerdem Ansatzwarten wie beispielsweise sperrige Kräuterstengel, Schilfhalme, Hochstauden, Zäune, Pfähle oder einzelne Gehölze aufweisen. Es ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Schnecken, Spinnen und Beeren.

Quelle: Wikipedia

01.08.2020
25.07.2020