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Südkreis Volksbank-Genossen stimmen Fusion zu
Landkreis Südkreis Volksbank-Genossen stimmen Fusion zu
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18:00 08.07.2019
Hoch die Stimmzettel: 193 Volksbank-Mitglieder sprachen sich am Mittwoch einstimmig für die ­Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund aus. Quelle: Ina Tannert
Gießen

In gerade einmal eineinhalbstündiger Sitzung ging der wichtigste Tagesordnungspunkt der Vertreterversammlung im Forum der Volksbank Mittelhessen am Mittwochabend über die Bühne. Alle 193 stimmberechtigten Mitgliedervertreter sprachen sich für die Fusion der Genossenschaftsbanken aus.

Nein-Stimmen, Enthaltungen oder Nachfragen gab es keine. Aufseiten des Vorstands wie des Aufsichtsrats herrschte rundum Begeisterung: „Das ist eine Zustimmung von 193 Prozent“, kommentierte gar der Aufsichtsratsvorsitzende Professor Dr. Hubert Jung überschwänglich das Abstimmungsergebnis. Damit sorgte er für allgemeine Erheiterung, korrigierte den Zahlendreher dann umgehend wieder.

Fusion gilt rückwirkend zum 1. Januar 2019

Mit dem durchschlagenden Ergebnis der Versammlung wird die „Raiffeisenbank eG Dreihausen/Ebsdorf – Niederwalgern/Fronhausen“ Teil der Volksbank Mittelhessen. Rückwirkend zum 1. Januar 2019. Die Fusion wurde im Vorfeld von der Führungsetage nochmals kräftig beworben. Wenn auch nicht mit der Vehemenz, wie das während der Generalversammlung der Raiffeisenbank eG Ende Juni der Fall war (die OP berichtete).

Dort hatten die Mitglieder erst nach fünfstündiger Sitzung und teils harscher Kritik mit knapper Mehrheit für die Fusion gestimmt. Die Nachbarn der Volksbank standen der Verschmelzung mit der mit knapp 4.200 Mitgliedern deutlich kleineren Bank offener gegenüber. Zumal die 1858 gegründete Volksbank „aus Fusionen entstanden ist – heute gibt es uns in ganz Mittelhessen“, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Hanker erinnerte. Dennoch war sie bislang weder in Ebsdorfergrund noch Fronhausen vertreten. Bis jetzt. Nun sei der Lückenschluss zwischen Marburg und Gießen erreicht.

Bilanzsumme der Volksbank bei 8,1 Milliarden Euro

Die vier Filialen der ehemaligen Raiffeisenbank sollen erhalten bleiben, die 40 Mitarbeiter werden nicht gekündigt, betonte der Vorstand. Bis auf Iban und Name der Bank solle sich für die Kunden nichts ändern.

Das Geschäftsjahr 2018 schloss die Raiffeisenbank mit einer Bilanzsumme von 267 Millionen Euro ab. „Die Raiffeisenbank ist sehr gut aufgestellt und in ihrem Geschäftsgebiet hervorragend positioniert“, sagte Hanker. Beide Banken würden nun „ihre Kräfte bündeln“. Im konsolidierten Jahresabschluss 2018 werde die neue Volksbank ein Bilanzvolumen von 8,1 Milliarden Euro erreichen. Die Mitgliederzahl erhöht sich auf 200.244. Mit einem Gesamt-Eigenkapital von 803,1 Millionen Euro sei die neue Bank „solide finanziert“.

Mit der Fusion wird das Aufsichtsgremium der Volksbank um zwei weitere Mitglieder erweitert: Einstimmig in den Aufsichtsrat gewählt wurden Walter Lemmer und Werner Merte, beide aus Weimar. Lemmer gehört dem Aufsichtsrat der Raiffeisenbank seit neun Jahren an, seit 2014 hat er den Posten des stellvertretender Vorsitzenden inne. Merte gehörte bis zum Rentenantritt im letzten Jahr zur Führungsriege der Raiffeisenbank.

"Vater der Fusion" wird mit Applaus belohnt

Während der vergangenen Generalversammlung der Raiffeisenbank eG waren eigentlich Lemmer sowie Walter Horn vom ehemaligen Aufsichtsrat der Raiffeisenbank zur Wahl vorgeschlagen. Überraschend wurden allerdings Merte und Alexandra Böth als Kandidaten aufgestellt. Letztere hatte die Kandidatur wieder zurückgezogen, woraufhin Lemmer nachrutschte.

Nicht im Aufsichtsrat der Volksbank sitzen wird damit Walter Horn. Er ist überraschend der Verlierer der Fusion, an der er als Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank einen großen Anteil hatte. Er galt als „Vater der Fusion“ machte Jung deutlich, der Horn ausdrücklich seinen Dank für die geleistete Arbeit aussprach. Auch von der Versammlung erhielt Horn stehende Ovationen und anhaltenden Applaus.

von Ina Tannert