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Südkreis Warteraum wird wie 1905 neu aufgebaut
Landkreis Südkreis Warteraum wird wie 1905 neu aufgebaut
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17:55 30.09.2020
Dreihausens Ortsvorsteher Lothar Heidt und Lars Debelius, Vorsitzender des Vereins Alter Bahnhof Dreihausen, präsentieren ein gefundenes Schienenstück aus dem Jahr 1905, das im Alten Bahnhof einen Ehrenplatz erhalten soll. Quelle: Götz Schaub
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Dreihausen

Der Vorstand des Vereins Region Marburger Land fördert über das Regionalbudget in diesem Jahr 18 Projekte in seinen Mitgliedskommunen. Ein Projekt ist ein Teilneubau am Alten Bahnhof in Dreihausen.

Der Endbahnhof der ehemaligen Kreisbahn, die Dreihausen mit dem Bahnhof Marburg-Süd verband, ist nach seiner Stilllegung ziemlich heruntergekommen. Doch der Verein „Alter Bahnhof Dreihausen“, der sich 2014 gründete, hatte sich auf die Fahnen geschrieben, das Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern auch wieder nutzbar zu machen.

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Für zwei Drittel des Gebäudes sieht die Zukunft schon mal sehr gut aus, in Eigenleistung entstand dort bereits ein gemütlicher Treffpunkt im Kneipen-Look.

Nur der Teil, in dem früher die Zugpassagiere warteten, war einfach nicht mehr zu retten. Nicht nur undichte Fenster ließen dort Nässe und Kälte einziehen, auch das vom Holzwurm befallene Fachwerk war einfach schon zu stark beschädigt, als dass es das Dach hätte weiter tragen können.

Möglichst viele Originalteile werden eingebaut

Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz hatte bei einer anderen Gelegenheit im September vergangenen Jahres Alexandra Klusmann, Geschäftsführerin beziehungsweise Regionalmanagerin der Region Marburger Land, auf den Bahnhof Dreihausen angesprochen. Damit wurde eine Maschinerie in Gang gesetzt.

Mit der Aussicht auf eine Förderung entstand sofort die Idee, diesen Teil des Bahnhofs abzureißen und komplett neu aufzubauen, und zwar genauso, wie er einmal ausgesehen hat. Das war Musik in den Ohren der Denkmalschutzbehörde. Die sagte auch, so Vereinsvorsitzender Lars Debelius, ihre Unterstützung zu. Der Plan war, möglichst viele Originalteile wie etwa die markanten Rundbögen wieder mit einzubauen. Letztendlich gab es dann auch schon in diesem Jahr das „Okay“ für die finanzielle Unterstützung.

Und so wird der Warteraum, wie er 1905 gebaut wurde, gerade wieder hergestellt. Im Fachwerkstil mit gemauerten Backsteinen dazwischen. Keine leichte, dafür aber eine umso zeitraubendere Arbeit. „Das macht gar nichts“, sagt Dreihausens Ortsvorsteher Lothar Heidt, der dem Verein auch angehört. Die Vereinsmitglieder haben sich vorgenommen das durchzuziehen und so trafen und treffen sie sich seit 28. August immer wieder zu Arbeitseinsätzen am Bahnhof.

Neubau muss in sechs Wochen „dicht“ sein

Dabei geht es entspannt zu, obgleich auch körperlich hart gearbeitet wird. Und natürlich akkurat. Jeder, der will, darf sich mal daran probieren, die Backsteine zwischen dem Fachwerk einzupassen und zu verbauen. Die zugesagte Förderung umfasst 15.000 Euro von den errechneten 18.800 Euro Rohbaukosten.

Für das Fachwerk gab es Hilfe von der Firma Holzbau Lemmer aus Ebsdorf, für Fenster und Tür von der Firma Textor aus Cappel. „Der Innenausbau erfolgt dann weiter in Eigenleistung und eigenen Mitteln“, so Debelius. Da wiegt es natürlich schwer, dass in diesem Jahr wegen Corona das Osterfeuer ausfallen musste, was immer Geld für Investitionen in die Kasse bringt. Aber alle sind zuversichtlich.

Der Zeitplan sieht vor, dass der Neubau in sechs Wochen „dicht“ sein muss, als mit Dach und Fenstern. „Ich denke, dass es viele Dreihäuser freut, dass das Gebäude in seinem äußeren Erscheinungsbild erhalten bleibt, weil es einfach auch zur kulturellen Dorfgeschichte gehört“, sagt Heidt. Die Inneneinrichtung wird dem Warteraum wohl auch etwas nachempfunden. So soll es auch entsprechende Sitzgelegenheiten an den Wänden geben. Wer schauen möchte, wie die Arbeiten vorangehen, ist jeden Freitag ab 19 Uhr eingeladen, bei der Öffnung für jedermann vorbeizuschauen.

Von Götz Schaub

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