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Südkreis Äcker fallen weg, Wälder entstehen
Landkreis Südkreis Äcker fallen weg, Wälder entstehen
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13:59 17.08.2020
Das künftige Gewerbegebiet Interkom II bei Heskem – mittlerweile werden die ersten Flächen am Ortsrand erschlossen. Dafür wurden andernorts Ausgleichsflächen geschaffen. Privatfoto
Das künftige Gewerbegebiet Interkom II bei Heskem – mittlerweile werden die ersten Flächen am Ortsrand erschlossen. Dafür wurden andernorts Ausgleichsflächen geschaffen. Quelle: privat
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Heskem-Mölln

Es geht vorwärts mit dem interkommunalen Gewerbegebiet „Interkom“, das die Städte Marburg und Staufenberg sowie die Gemeinde Ebsdorfergrund gemeinsam auf den Weg brachten.

Auf insgesamt rund 16 Hektar soll einmal Raum für Gewerbe aller Art entstehen. Zunächst erst einmal auf der Hälfte in den Bereichen Interkom I und II.

Eine große Fläche, in die baulich eingegriffen wird und daher Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden müssen. Durch das Gebiet entfallen dann die bisherigen landwirtschaftlichen Flächen und damit „gute Böden“ mit entsprechend hohem Bodenwert, sagt Bürgermeister Andreas Schulz.

Diese wurden von den Eigentümern bereits verkauft. Im Gegenzug zu dem Eingriff in die Landschaft braucht es nach der Hessischen Kompensationsverordnung Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Diese müssen laut des Hessischen Umweltministerium „möglichst gleichartig und gleichwertig“ sein und sollen eine „Wiedergutmachung der Schäden an Naturhaushalt und Landschaftsbild“ abbilden.

Gefällte Fichten wurden ersetzt

Quasi wie eine Art Handelsgeschäft läuft das Ganze über ein Ökopunktekonto, durch das je nach Umfang der sogenannten Kompensationsleistungen für Bauprojekte Ökopunkte im Vorfeld angesammelt werden und das jeweilige Bauprojekt decken müssen.

Im Falle des Gewerbegebiets auf dem Gebiet Ebsdorfergrund fielen mehr als 1,6 Millionen Biotopwertpunkte an, sagt Norbert Mai, Geschäftsführer der Interkom GmbH. Diese wurden nicht in der Gemeinde, sondern in der Gegend der Städte Allendorf/Lumda, Staufenberg und Kirchhain im wesentlichen über Ausgleichsmaßnahmen im Wald abgedeckt, so der Finanzwirt.

Beispiel: Rund 400.000 Punkte gab es für eine Maßnahme nördlich von Staufenberg, wo ein Teil des Waldes am Tiefenbach aufgewertet wurde. Dort wuchsen zuvor Fichten, die gefällt, mit anderen Baumarten ersetzt und „standortgerechte, ökologisch wertvollere Waldbestände“ geschaffen wurden, heißt es in der Projektbeschreibung.

Öko-Kredit für Interkom-Bau getilgt

Das betreffe vor allem Erlen-Eschen-Bachrinnenwälder sowie Eichen-Hainbuchen-Wälder. Darüber hinaus wurden entlang des Baches intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in extensives Grünland umgewandelt und das Ufer naturnah gestaltet. Die dafür anfallenden Ökopunkte wurden dem Konto der Stadt Staufenberg zugeschrieben. Um das verbleibende Minus auszugleichen wurden weitere Aktionen im Wald bei Allendorf/Lumda umgesetzt.

Dort wurde sozusagen der Öko-Kredit für den Interkom-Bau getilgt. Bei Heskem soll in den nächsten Monaten und Jahren ein durchmischtes Gewerbegebiet entstehen, das Gewerbe vor Ort bündeln soll. Und für die in mehrere Bereiche unterteilte Fläche laufen die Vorbereitungen für Erschließung und Vermarktung durch die Interkom GmbH auf Hochtouren.

Aufgrund des Umfangs muss die Erschließung europaweit ausgeschrieben werden, bis Dezember solle feststehen, welches Unternehmen sich durchsetzt und dann im Frühjahr 2021 beginnt, sagt Norbert Mai. Im selben Jahr sollen die ersten Betriebe stehen. Zuvor steht aber nebenan im ersten Gebiet direkt am Verkehrskreisel schon der neue Edeka sowie die Sparkasse, die Ende dieses Jahres öffnen sollen.

„Kleiner Autohof“ geplant

Für eine bessere Vermarktung für das nächste Gebiet wurde eine neue Internetseite gestaltet, die das Projekt zusammenfasst und weitere interessierte Unternehmen anlocken soll. Derzeit werden über das Verfahren zur Baulandumlegung die Grundstückszuschnitte für die 8,5 Hektar vorbereitet. Denn die jeweiligen Parzellen für Interkom II haben eine unterschiedliche Form, Lage oder Größe, je nach Bedarf des Unternehmens, das sich dort ansiedeln will. Welche das genau sein werden, stehe noch nicht fest, am Ende sollen es rund 15 Betriebe werden, sagt Mai.

Vom Einzelhändler bis zum Handwerker, für zehn gebe es bereits Zusagen. Hinzu kommt ein „kleiner Autohof“ mit Tankstelle, Waschstraße und Bistro, der bis Ende 2021 öffnen soll. Man achte jedoch darauf, dass die Unternehmen sowohl zueinander passen, als auch zur angrenzenden Wohnbebauung. Etwa solle kein besonders lautes Gewerbe neben dem geplanten Generationenpark entstehen, sagt Bürgermeister Schulz.

Von Ina Tannert