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Südkreis Annika und Lea Jung ausgezeichnet
Landkreis Südkreis Annika und Lea Jung ausgezeichnet
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00:17 08.05.2019
Annika (links) und Lea Jung auf dem elterlichen Hof in Bellnhausen.  Quelle: Dominic Heitz
Bellnhausen

Vielleicht liegt es daran, dass die beiden auf einem Hof aufgewachsen sind. Dort gibt es immer etwas zu tun und alle packen mit an. Jedenfalls übernehmen die beiden 17-Jährigen im Gießener Kidstreff viel Verantwortung, „welche über das Maß für Jugendliche in ihrem Alter weit hinausgeht“, sagt Jugendpastor Johannes Dietrich. Dietrich hatte die Jung-Zwillinge bei der Bürgerstiftung für den Preis vorgeschlagen.

Kennengelernt haben sich der Geistliche und die Schwestern beim Konfirmandenunterricht in Gießen. Dorthin waren Annika und Lea bis Juni 2017 gegangen, weil es in Fronhausen zu wenige Gleichaltrige gab und dort in der Gemeinde ein solcher Unterricht nicht angeboten wurde.

Stadtmission
 brauchte Mitarbeiter

Für Jugendpastor Dietrich und die Evangelische Stadtmission Gießen ein Glücksfall. Dietrich fragte die beiden Mädchen, ob sie sich eine Mitarbeit im Kidstreff vorstellen können. Damals benötigte die Evangelische Stadtmission dringend neue Mitarbeiter, um das Angebot aufrecht erhalten zu können. Anfang 2018 stiegen die Schwestern dort ein.

Im Kidstreff kommen Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren einmal in der Woche zusammen, um gemeinsam mit den Betreuern zu spielen, basteln oder reden. Annika und Lea beteiligen sich an der Vorbereitung dieser Treffen, besorgen beispielsweise Materialien zum Basteln oder gestalten Andachten. Immer wieder stellen die Jung-Zwillinge im Kidstreff auch ihr Organisationstalent unter Beweis. So kümmerten sie sich beispielsweise um die Räumlichkeiten, als die Gruppe aus Gießen mal in Bellnhausen übernachten wollte.

Rund fünf Stunden investierten sie jede Woche in die Arbeit für den Gießener Kidstreff, sagen die beiden Schwestern. Die beiden gehen derzeit in die 11. Klasse der August-Hermann-Francke-Schule in Gießen. Donnerstags, wenn der Kidstreff seine Türen öffnet, bleiben Annika und Lea nach der Schule in Gießen. Nach dem Treff gehen sie zu Fuß zum Bahnhof, fahren von dort mit der Bahn nach Fronhausen. Von dort aus geht es mit dem Rad zurück nach Bellnhausen. Dann ist es meistens schon halb acht oder sogar noch später.

Je näher das Abitur rückt, umso größer werden die schulischen Anforderungen für die beiden Mädchen. Trotzdem wollen sie im Kidstreff weitermachen. „Die Schule wird bestimmt noch stressiger, aber ich glaube, wir kriegen das hin“, sagt Lea.

Die Jung-Schwestern seien ein Vorbild für die Kinder, mit denen sie in Gießen zusammenarbeiten, sagt Jugendpastor Dietrich. Sie seien im Umgang mit Jüngeren feinfühlig, geduldig und zuverlässig. Auf „ganz natürliche Weise leben sie den Kindern positive Werte vor“, heißt es in dem Schreiben, mit welchem Dietrich die Zwillinge bei der Stiftung für den Preis vorschlug. „Einige Kinder sagen schon, dass sie später auch mal wie die beiden sein wollen.“

„Die Arbeit
macht einfach Spaß“

Annika und Lea wissen das sehr wohl. „Die Kinder freuen sich, uns zu sehen“, sagt Annika. „Es macht Spaß, für sie ein Vorbild zu sein.“ Auch Lea zieht viel Positives aus ihrer Arbeit in Gießen: „Die Arbeit mit den Kindern macht einfach Spaß.“

Reife und Verantwortungsbewusstsein lassen die Zwillinge auch wieder aufblitzen, als sie nach dem Preisgeld gefragt werden. Immerhin jeweils 1 000 Euro haben sie für den Ehrenamtspreis von der Bürgerstiftung Mittelhessen bekommen. „Das spare ich erst mal“, sagt Lea. Bald steht ja auch der Führerschein an.

Und mit der Schule wollen sie nach Namibia. Dort können sie sich mit örtlichen Landwirten austauschen, ihr Wissen vermitteln und vielleicht auch Neues mit nach Hause bringen. Vor allem aber dürften die Menschen in Namibia aber wohl eines lernen: Dass es in Hessen Menschen mit großem Herzen gibt.

von Dominic Heitz