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Südkreis Alles wird gut
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12:55 27.06.2020
It will be fine“ heißt die erste Single von Schauspieler und Sänger Brix Schaumburg, die im Juli erscheint. Quelle: Ina Tannert
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Wittelsberg

Er tourt seit Jahren über die Bühnen dieser Welt, jettet durch Europa, in die USA oder wohin ihn das Rampenlicht noch so lockt. Brix Schaumburg genießt das Schauspielleben in vollen Zügen, aber auch seinen Ruhepol im heimischen Wittelsberg. Dort lebt er mit Ehefrau und Sängerin Alina Schaumburg, geborene Bier, in ihrem Geburtsort. Vom geruhsamen Dorfleben aus startet ihr rastloser Mann normalerweise alle paar Wochen zum nächsten Auftritt in der Welt.

Doch „nur“ schauspielern, nebenher malen, an Haus und Garten basteln, reicht Brix Schaumburg nicht: „Mein Traum seit zehn Jahren ist es, einfach zu singen“, sinniert der braungebrannte 30-Jährige, der entspannt im Gartenstuhl vor grünem Dorfidyll liegt. Er denkt schon wieder an das nächste Projekt vor der Kamera, ist Weltenbummler, mag es schrill, war nie wirklich sesshaft. Und er wurde als Frau geboren, ist als erster deutscher geouteter Transgender-Schauspieler und Musicaldarsteller in der Szene bekannt. Seit er 22 Jahre alt ist, lebt er als Mann.

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Ihn zieht es als ewigen Globetrotter von einer Show zur nächsten. Und nun wird er seit Monaten durch die Corona-Pandemie fast bis zum Stillstand ausgebremst, so wie alle seine Künstlerkollegen. Was als Katastrophe für die Kulturszene begann – und noch ist – verwandelte sich für ihn jedoch in einen lange ersehnten Traum, er wagte den Schritt zum Sänger. Seine erste Single „It will be fine“ erscheint in wenigen Tagen. Doch was sich aus ersten Anläufen im Tonstudio ergab, wuchs zu etwas ungleich Größerem heran – entstanden ist nicht nur die Single, sondern gleich ein ganzer Sampler seines ersten Songs, gesungen von Dutzenden Menschen aus aller Welt.

Musiker, Schauspieler und ganze Familien singen mit

Im selbst geschriebenen Song singt Brix Schaumburg über sein Leben, über Vorurteile, Diskriminierung, Barrieren in Köpfen und die Hoffnung, sie zu durchbrechen. „I’ve been pushed enough and now it’s time to show“ heißt es am Anfang des noch geheimen Songs, ein Mix aus Vintage Pop und Jazz. Was meint er? Er hat die Nase voll vom Rumgeschubstwerden, dann steht er eben auf und erhebt selber die Stimme. „It’s pretty simple – I just gonna go my way.“ Und er fragt: „Why do we need to fight for simple human rights?“ Ist doch alles egal, ob Mann, Frau, groß, klein, dick, dünn, schwarz, weiß. Alles wird gut, lautet seine Botschaft. „Das ist meine Story, aber jeder soll etwas eigenes in dem Lied finden, etwas für sich mitnehmen“, wünscht er sich.

Sein Werk trug er zum Hamburger Tonstudio „Hertz werk“. Das Ganze ins Rollen brachte dann Produzent Olman Wiebe, der den Song mit Band komponierte und zugleich für einen folgenschweren Aufruf an die Künstlerszene sorgte, der sich wie ein Virus ausbreitete: Singt ein Stück aus Brix’ Song und nehmt das Ganze auf Video auf. So in etwa lautete die Botschaft, die über Internet, Musiker, Agenturen verteilt an Dutzende Ohren und in Herzen drang.

Die Resonanz war groß, mehr als 50 Beiträge gingen von überall her ein, von Deutschland, New York und den Philippinen, aus England oder Schottland. „Damit hätte ich nie gerechnet, so viele waren sofort dabei, ich glaube, bei jedem von uns ist eine Flamme aufgegangen, ich bin immer noch überwältigt“, schwärmt er.

Und das ging über die Szene hinaus, zahlreiche erfahrene Künstler sind dabei im aus zahlreichen Videoschnippseln zusammengeschnitten Clip zur Single, etwa Musikerinnen wie seine Frau Alina Schaumburg, Lisa Wulff oder Miriam Pina Lopez. Auch Schauspieler Wilson Gonzales Ochsenknecht sowie TV-Moderatorin Annie Hoffmann sind mit von der Partie. Aber auch Pflegekräfte, Ärzte, ganze Familien. Viele bringen eigene Ideen ein, „mit am geilsten ist die Arzthelferin, die mit einem Skelett tanzt“, verrät Brix Schaumburg grinsend.

Dass sein erstes Projekt in und gerade wegen der tristen Corona-Zeit für ihn zum Durchstarter avancierte, das kann er noch immer nicht ganz glauben, „viele saßen ja im Lockdown fest, aber es ist einfach Wahnsinn, dass man diese Zeit nutzen kann, um etwas Großes zu schaffen, es ist alles, was ich mir nicht erträumen konnte.“ Und der Song passe zur heutigen Zeit, in mehrfacher Hinsicht, von Corona-Stress bis Rassismus-Debatte. Der große Wunschtraum: Wie der Titel schon sagt, Barrieren brechen, alles wird ja wieder gut.„We just keep it going on until every thing is fine.“ Eben durchhalten.  

Am 1. Juli wird seine erste Single auf diversen Kanälen erscheinen, von Spotify bis Youtube. Und dann? Hofft er auf den Durchbruch? Schön wäre es, aber vor allem gehe es ums Wesentliche, um das Singen, das gemeinsame Projekt. Die Kasse aufbessern will er nicht, Erlöse lieber spenden: „Ich will daran nichts verdienen, ich bin einfach nur maßlos stolz, dass meine Vision so viele motiviert hat.“

Das Video erscheint unter anderem bei Youtube auf dem Kanal von Brix Schaumburg. Infos unter www.brixschaumburg.de.

Von Ina Tannert

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