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Südkreis Ärger um Frauenberg-Sperrung
Landkreis Südkreis Ärger um Frauenberg-Sperrung
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17:59 03.02.2021
Der Hang rund um die Burgruine Frauenberg wurde durch Baumstämme gesperrt, um Besucher von den geschützten Wiesen fernzuhalten.
Der Hang rund um die Burgruine Frauenberg wurde durch Baumstämme gesperrt, um Besucher von den geschützten Wiesen fernzuhalten. Quelle: Ina Tannert
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Beltershausen-Frauenberg

Seit dem 20. Januar ist der Hang des Naturschutzgebiets am Frauenberg gesperrt, durch das Regierungspräsidium Gießen (RP), um Pflanzen und Tiere vor einer wachsenden Zahl an Besuchern zu schützen. Die Vollsperrung sorgt für Ärger in der Gemeinde und befeuert die Debatte um eine künftige Nutzung der Flächen rund um die geschichtsträchtige Burgruine, zwischen Naturschutz und Naherholung.

Wie das RP auf OP-Nachfrage mitteilt, sei die zusätzliche Sperrung notwendig geworden, nachdem die Obere Naturschutzbehörde von einem „hohen Besucherandrang“ berichtet hatte, worunter Flora und Fauna leiden.

Insbesondere der unter Schutz stehende Magerrasen auf der Basalterhebung werde durch Rodeln im Winter wie Mountainbiken im Sommer und zunehmend entstandene Trampelpfade geschädigt und durch eine Zunahme des Besucherverkehrs weiter bedroht: „Es gilt, Rücksicht zu nehmen, damit sich die seltenen Tier- und Pflanzenarten im Naturschutzgebiet ungestört entwickeln können“, hatte Katrin Schneider von der Oberen Naturschutzbehörde gewarnt.

Erste Sperrung des RP seit 1985

Die Behörde ist für die Pflege zuständig, die Sperrung erfolgt auf rechtlicher Grundlage des „Hessisches Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz“ und der darauf beruhenden Verordnung für das Naturschutzgebiet „Frauenberg bei Beltershausen“. Diese habe dafür zu sorgen „die Basalterhebung mit angrenzenden Flächen als erdgeschichtlich bedeutsamen Gesteinsaufschluss mit besonders seltenen botanischen und zoologischen Bestandteilen zu sichern, zu erhalten und vor Beeinträchtigungen zu bewahren“.

Es ist dabei die erste Sperrung durch das RP an dieser Stelle seit 1985, da wurde das Naturschutzgebiet als solches ausgewiesen. Das Betreten der gesamten Fläche außerhalb der Wege war auch vor der Sperrung schon verboten, nun wurden vergangene Woche zusätzliche entlang des Hangs mit Magerrasen Baumstämme platziert, um Besucher auf den Wegen zu halten. Auch weitere Hinweisschilder wurden installiert, nachdem „erhebliche Schäden“ festgestellt wurden. Dies habe ein „sofortiges Handeln“ notwendig gemacht, so das RP.

Runder Tisch zur Zukunft des Frauenbergs

Die Sperrung auf dem Frauenberg stößt bei Bürgermeister Andreas Schulz auf Unverständnis, er hält die Maßnahme für übertrieben, die eingeleitet wurde, als an dem Hang besonders viel Schnee lag, was auch Besucher anlockte: „Es waren aber nicht mehr als sonst und da wird seit 100 Jahren gerodelt“, betont Schulz gegenüber der OP. Und weiter: „Über 36 Jahre wurde da nichts gemacht, jetzt wird das Corona-Virus genutzt, um vollendete Tatsachen zu schaffen“, meint der Bürgermeister.

Er wolle „die Naturschutzinteressen nicht klein reden“, halte aber den Zeitpunkt für den falschen, denn es stehen demnächst Gespräche für den Aufbau eines runden Tisches zur Zukunft des gesamten Naturschutzgebiets am Frauenbergs an. Ende Februar soll eine Vorbesprechung stattfinden. Er erhoffe sich davon eine Vereinbarung für die künftige Nutzung des Geländes, konkret etwa ein Ausbau des Geländes als Ausflugs- und Naherholunggebiet, unter Berücksichtigung von Naturschutz-Belangen, so Schulz.

Eigentumsverhältnisse sind „undurchsichtig“

Auch das RP sitz als ursprünglicher Initiator dieser Gespräche mit am Tisch und werde „gerne daran teilnehmen“, teilt die Behörde auf Nachfrage mit. Es solle dabei um viele Punkte – nicht nur um die touristische Nutzung des Frauenberges – gehen, „sondern vielmehr darum, die vielen unterschiedlichen Ansprüche an das Gebiet (Naturschutz, Denkmalschutz, Tourismus etc.) zu erfassen und einen gemeinsamen Weg zu finden“.

Die genauen Eigentumsverhältnisse der verschiedenen Flächen und Wege seien dabei „undurchsichtig“, so Schulz weiter, auch das solle am runden Tisch geklärt werden, ebenso die Möglichkeit einer touristischen Aufwertung, trotz Naturschutzbelangen. „Beide Interessen müssen berücksichtigt werden“, er könne sich etwa vorstellen, dass einige Bäume gefällt werden, um die Ruine wieder sichtbarer zu machen, zudem Wege und Sitzgelegenheiten erneuert werden.

Von Ina Tannert

02.02.2021
31.01.2021