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Südkreis Kurzer Ausgleich zum langen Lockdown
Landkreis Südkreis Kurzer Ausgleich zum langen Lockdown
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13:58 25.07.2021
Eine seltene Klassenfahrt in Pandemie-Zeiten: Das hat die Klasse 10G1 der Gesamtschule Ebsdorfergrund erlebt.
Eine seltene Klassenfahrt in Pandemie-Zeiten: Das hat die Klasse 10G1 der Gesamtschule Ebsdorfergrund erlebt. Quelle: Privatfoto
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Heskem/Freiburg

Ein letzter Ausflug mit der ganzen Klasse, mit Freunden und Mitschülern, die bald getrennte Wege gehen werden – Abschlussfahrten sind eigentlich der Höhepunkt des letzten Schuljahrs. Die Pandemie nahm vielen Schulabgängern diese Erfahrung, Schulfahrten waren monatelang untersagt.

Mittlerweile sind Klassenfahrten wieder möglich, zur Freude der Klasse 10G1 der Gesamtschule Ebsdorfergrund, die Anfang Juli mit Lehrerin Regina Kittlitz zu einem letzten gemeinsamen Trip nach Freiburg fuhr. Über ihre Erlebnisse und die Bedeutung dieser Fahrt nach der nervenaufreibenden Lockdown-Zeit berichtet Schülerin Marie Sohn, die der OP persönliche Einblicke in ihr Reisetagebuch gewährt.

Vorletzte Woche machte sie sich mit den Mitschülern „auf ins Abenteuer“ nach Freiburg im Breisgau. Dort kam die Truppe nach einer zweistündigen Zugfahrt im ICE gut gelaunt an und bezog nach einer ersten Erkundungstour ihre Appartements im Hotel.

Es folgte eine Stadtführung, nur war die „leider für Erwachsene vorgesehen“. Für Jugendliche wohl weniger interessant, „das hatte zur Folge, dass sich die Klasse am Ende einig war, lieber die Kinderführung gebucht zu haben, weil dort weniger Jahreszahlen genannt und dafür mehr Aktivitäten aufgezeigt worden wären. Die kleinen Wasserläufe, welche durch die ganze Stadt fließen, wurden schließlich für weitaus interessanter befunden, als die Tatsache, dass sich die Farbe ,Ochsenblutrot’ nicht an allen der drei Rathäuser befindet.“

Die unterschiedliche Abendgestaltung bot da mehr Abwechslung: „Manche gingen am Abend ins Kino, eine Gruppe hatte es sich am Ufer der Dreisam gemütlich gemacht und die Dritten beschlossen, sich bei einem netten Open-Air-Konzert inmitten von tanzenden Studentinnen und Studenten von Jazz umhüllen zu lassen.“

Schokolade gegen Regenguss

Der zweite Tag der Abschlussfahrt begann früh und turbulent: „Mehr schlecht als recht quälten sich am Dienstagmorgen um 6 Uhr alle aus ihren Betten – bereit, bei rasanten Achterbahnfahrten Adrenalin durch die Adern fließen zu lassen und im Europapark Rust Erinnerungen für die Zukunft zu schaffen.“

Getrübt wurde die rasante Tour in Deutschlands schnellster Achterbahn nur von der „unmöglich zu vermeidenden Nässe durch den herab prasselnden Dauerregen. Vom Rucksack bis zur Unterwäsche, von den Haarspitzen bis hin zum kleinen Zeh, alles war nass.“ Davon abschrecken lassen sich Zehntklässler aber nicht, sie suchen sich einfach etwas Warmes: „Darum war eigentlich das schönste Ereignis, als sich der Großteil der Klasse zusammen in ein Café setzte, um einen Kaffee oder eine heiße Schokolade zu sich zu nehmen.“

Der Abend klang dann zwischen Popcorn und Pizza und beim Rudelgucken des EM-Halbfinales (Italien gegen Spanien) im Appartement aus. Während es bei den Schülern ruhig zuging, sah das nebenan im italienischen Restaurant ganz anders aus: „Als Italien den entscheidenden Elfmeter schoss, ging die Party ab. Alle Schülerinnen und Schüler verzogen sich auf ihre Zimmer, doch draußen steppte der Bär. Ein Hupkonzert vom Feinsten, die Leute fuhren mit ihren Autos durch die Gegend, hielten Italien-Flaggen aus den Fenstern und ließen mithilfe der Hupe alle wissen, wie sehr sie sich freuten.“

Am Mittwochmorgen checkte die Klasse dann „mehr oder weniger ausgeschlafen“ aus und nahm die letzte Reise-Etappe in Angriff, hoch auf den sogenannten Freiburger Hausberg. „Mit Straßenbahn und Bus ging es zum Schauinsland, hoch auf circa 1300 Höhenmeter. Die Aussicht war traumhaft, jedoch galt die meiste Aufmerksamkeit einer Art Klettergerüst mit Rutsche am Ende.“

Denn das ist auch für fast erwachsene Absolventen einfach zu verlockend: „Die dort spielenden Kleinkinder schauten nicht schlecht, als ein Haufen Sechzehnjähriger freudestrahlend anfing, einen kleinen Schacht emporzuklettern, und fanden es sehr amüsant, als sich Besagte zu einer Rutschkette zusammentaten, wobei die Röhre quasi von langen Beinen und fast an der Decke anstoßenden Köpfen gefüllt war.“

Auf dem Rückweg kippte die Stimmung allerdings – der Anstieg zurück zur Bergbahn war für so manche oder manchen „eine schier unüberwindbare Strapaze. Doch am Ende zahlte sich die Mühe aus, als die Bergspitze erreicht war und ein erneut wunderschöner Blick über Kilometer von Land auf sich aufmerksam machte“, berichtet Marie Sohn.

Erleichterung nach langer Lockdown-Zeit

Per Gondel, Bus und Tram ging es im Anschluss bergab, zurück zum Bahnhof und in die Heimat, wo die Truppe ebenso froh wie müde „aus dem Zug stolperte und glücklich in die Sitze der Elterntaxis fiel“.

Und das Fazit der Fahrt? „Schlaf kam in diesen Tagen definitiv zu kurz, doch eines kann man mit Gewissheit sagen: Es war toll!“, erzählt die Schülerin noch immer begeistert. Erst recht nach der anstrengenden Phase im Fernunterricht: „Bis vor einem halben Jahr saßen alle noch alleine vor ihren Kameras und wünschten sich, endlich wieder in die Schule gehen zu können. Dass es dann die Möglichkeit geben würde, eine letzte mehrtägige gemeinsame Unternehmung zu erleben, war fantastisch.“

Viele Ereignisse, wie der Abschlussball, mussten ausfallen, „doch diese Fahrt wird auch der nächsten Generation noch erzählt werden, denn sie war etwas Besonderes“.

Von Ina Tannert

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