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Südkreis War das Amphetamin im Kühlschrank?
Landkreis Südkreis War das Amphetamin im Kühlschrank?
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10:56 02.02.2020
Symbolfoto: Eine Tüte mit vom Zoll beschlagnahmten Pillen, die das Amphetamin Captagon enthalten. In einem Haus im Südkreis soll ebenfalls mit Amphetaminen gehandelt worden sein. Quelle: Nabil Mounzer/Archiv
Marburg

Im Jahr 2019 wurden mehrere Mitglieder eines Drogenrings vor dem Marburger Landgericht rechtskräftig verurteilt. Ein Mann, der im Dunstkreis dieses Zirkels agiert haben soll, steht nun ebenfalls vor Gericht und muss sich wegen einer potenziellen Beihilfe zum Drogenhandel verantworten.

Rückblick: Eine mehrköpfige Clique von Männern zwischen 21 und 25 Jahren wurde von der Polizei im Jahr 2018 unter die Lupe genommen. Auch mithilfe von Telefonüberwachung nahmen die Fahnder den Drogenring im Südkreis letztlich hoch. Rechtskräftige Urteile ergingen vor dem Landgericht im März 2019. Ob auch der 24-jährige Beschuldigte darin verstrickt war, beschäftigt derzeit das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Dominik Best. 

Grillparty mit Alkohol, Steaks und Marihuana

Dreh- und Angelpunkt des ersten Verhandlungstages – es wird noch mindestens einen weiteren geben – war der 9. Juli 2018. An diesem Tag veranstaltete der Angeklagte in seinem Garten in Fronhausen eine Grillparty. Mit Alkohol, Steaks und Marihuana­ ließen es sich mehrere jungen Männer gut gehen, so der Vorwurf. Einer von ihnen soll jedoch im Haus Amphetamine versteckt haben, insgesamt ein Kilogramm. Angeblich mit Zustimmung des Beschuldigten: In der Anklageschrift hieß es, dass dem Kumpel zu diesem Zweck vom Delinquenten eine Schüssel überlassen worden sei.

Laut Staatsanwältin Kathrin Ortmüller soll entweder ein Teil der Drogen oder auch das ganze Kilo im Kühlschrank des Angeklagten gelagert worden sein. Von dort aus sollte es ein Drogenkurier später abholen. Der Beschuldigte wies die Vorwürfe von sich. „Ich war draußen am Grill und habe mich um die Bewirtung gekümmert“, beteuerte er während der Verhandlung.

Schüssel im Kühlschrank dient als Versteck

Von den rechtswidrigen Aktivitäten in seinem Haus habe er erst einen Tag später über Dritte erfahren: „Mir wurde übers Handy geschrieben, dass ich mal in eine Schüssel im Kühlschrank gucken soll“, berichtete der Fronhäuser. Als ihm klar geworden sei, was während der Party bei ihm vor sich gegangen war, habe er die Schüssel ausgewaschen und letztlich weggeworfen. Das sollen einige seiner Gäste allerdings anders berichtet haben – die Anklageschrift stützt sich mitunter auf die Aussagen der 2019 verurteilten Männer.

Den Vorwürfen widersprach der Angeklagte, er könne sich keinen Reim darauf machen, „keine Ahnung, warum die so etwas behaupten. Es stimmt zu 100 Prozent nicht. Ich habe auch mit Amphetaminen nichts zu tun“, betonte er in Richtung Staatsanwältin.

Wer nun recht hat und ob der Beschuldigte tatsächlich nichts von den Deals in seinem Haus wusste, soll im Laufe der Hauptverhandlung geklärt werden, bei der mehrere Mitglieder des Drogenrings verhört werden sollen, die ebenfalls auf der Grillparty zu Gast waren.

von Benjamin Kaiser