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Südkreis 19-Jährige bestreitet Tritt gegen den Kopf
Landkreis Südkreis 19-Jährige bestreitet Tritt gegen den Kopf
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17:58 07.09.2019
Ob eine junge Frau einen Mann verletzt und dann bei ihrer Verhaftung Widerstand geleistet hat, soll vor dem Marburger Amtsgericht geklärt werden. Quelle: Oliver Berg/dpa/Archiv
Marburg

Der Leidenhofener Oldieabend zieht in jedem Jahr tausende Besucher an. Im vergangenen Jahr kam es in den frühen Morgenstunden zu einem Polizeieinsatz, der nun ein weiteres Mal ein gerichtliches Nachspiel hat.

Angeklagt ist eine 19-jährige Frau aus Marburg, der vorgeworfen wird, im Verlauf des Oldieabends am 21. Mai 2018 einem Mann gegen den Kopf getreten zu haben und anschließend körperlich Widerstand gegen ihre Verhaftung geleistet sowie die Polizeibeamten beleidigt zu haben.

Jetzt versucht Strafrichterin Maja Schlenzig die Auseinandersetzungen, die sich um 4 Uhr früh ereigneten, vor Gericht zu klären.

Verteidiger zeigt sich erstaunt

Er könne sich das gar nicht erklären, berichtete Verteidiger Mehran Akbari. Bisher hätten die Familienmitglieder bei ­ihrer Verhaftung noch nie Widerstand geleistet, schickte er den Einlassungen seiner Mandantin voraus.

Die Angeklagte erläuterte zum Hergang, einen Konflikt mit einem Bekannten ausgetragen zu haben, ihm dabei aber nicht gegen den Kopf, sondern in den Rücken getreten zu haben. Anschließend sei sie völlig überraschend von einem Faustschlag eines Polizisten getroffen worden, worauf sie kurzzeitig bewusstlos war. Sie habe den Polizisten nach Erwachen zwar beleidigt, ihn aber nicht als „Drecksau“ bezeichnet, räumte sie ein.

Keine Verletzung, keine Anzeige

Erst nach Anklageerhebung hatte sich der Geschädigte gemeldet, der zum Tathergang aussagen wollte. Er sei nach rückwärtiger Attacke der Angeklagten zu Boden gegangen. Daraufhin habe diese versucht, ihm gegen den Kopf zu treten. Diesen Tritt habe er mit dem Arm noch gerade so abwehren können.

Dass es danach nicht zu einer Keilerei gekommen sei, habe er seinen Freunden zu verdanken, die ihn von der Frau weggezogen hätten. Da er keinerlei Verletzungen davongetragen habe, sei auch keine Anzeige erfolgt. Zur nachfolgenden Verhaftung der 19-Jährigen konnte er keine Angaben machen.

Aussagen der Polizisten stimmen nicht überein

Hierzu waren die beiden Polizeibeamten geladen, die die Festnahme vorgenommen hatten. Berichtete der erste Beamte, er sei zuerst am Tatort eingetroffen und habe die Angeklagte am Arm von dem am Boden liegenden Geschädigten weggezogen, passte diese Aussage nicht ganz mit der Schilderung des zweiten Beamten überein.

Er habe die Beschuldigte auf den Boden gehebelt und sei danach von anderen Besuchern attackiert worden, sodass er sich abwenden musste, berichtete dieser. Dies habe die Angeklagte genutzt und ihm von der Seite einen Faustschlag versetzt.

Daraufhin habe er sich zur Wehr gesetzt und ebenfalls einen Faustschlag ausgeteilt, der wohl so heftig gewesen sei, dass die Getroffene bewusstlos wurde. Sie sei anschließend ärztlich versorgt worden, doch außer einem lockeren Zahn und einer geschwollenen Lippe habe auch sie keine weiteren Verletzungen davongetragen, so der ärztliche Bericht.

Fortsetzung am 9. September

Hier witterte Verteidiger Mehran Akbari seine Chance. „Der blockt“, versuchte er die Aussage des ersten Zeugen, der zur weiteren Verhaftung keine Angaben machte, für sich zu nutzen. „Mir ist klar, dass Polizisten nicht gegeneinander aussagen“, stellte er fest und fügte nicht nur einmal hinzu: „Ich weiß nicht, wie es war, ich war nicht dabei.“

Ob der Verteidiger mit seiner Strategie von Mutmaßungen Erfolg haben wird, wird der zweite Verhandlungstag zeigen, zu dem eine Mappe mit Fotos von den Verletzungen des zweiten Beamten vorgelegt werden soll, sowie ein weiterer Tatzeuge geladen ist. Die Verhandlung wird am Montag, 9. September, ab 8.30 Uhr am Amtsgericht Marburg fortgesetzt.

Bruder der Angeklagten bereits verurteilt

Bereits im Februar wurde am Amtsgericht Marburg der 20-jährige Bruder der 19-Jährigen wegen Betäubungsmittelbesitzes und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt. Er erhielt in Zusammenführung mit einem anderen Vorkommnis eine einjährige Gefängnisstrafe, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte bezog sich auf den Fall, bei dem jetzt gegen die 19-Jährige verhandelt wird.

Schon in seinem Fall wurde die Schlägerei und der Einsatz der Polizisten beschrieben. Im Nachgang, als die Polizei den Mann von Leidenhofen nach Hause fahren wollte, fanden die Polizisten in seiner Tasche noch verschiedene Betäubungsmittel. Der 20-Jährige gab an, diese nur für einen Freund aufbewahrt zu haben.

von Heinz-Dieter Henkel