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Südkreis 100 Haushalte teilen sich die Gemüseernte
Landkreis Südkreis 100 Haushalte teilen sich die Gemüseernte
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13:58 23.07.2021
Svenja Drewermann (links) und Joana Ernst stehen an einem Teil der Schnittblumenfläche in der Gärtnerei Petersilie in Oberweimar.
Svenja Drewermann (links) und Joana Ernst stehen an einem Teil der Schnittblumenfläche in der Gärtnerei Petersilie in Oberweimar. Quelle: Götz Schaub
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Oberweimar

In Zeiten, in den sich viele Menschen Sorgen machen, wie „das“ alles in Zukunft noch laufen soll, gibt es sehr viele Ideen, mehr für die eigene Gesundheit, für eine bewusste Ernährung und Entlastung der Umwelt zu tun. Menschen besinnen sich, greifen nicht mehr blind in die vollen Regale der Supermärkte, ohne zu schauen, was sie da eigentlich kaufen und woher es kommt und wie es verpackt ist. So freuen sich Direktvermarkter im Landkreis Marburg-Biedenkopf über immer mehr Zuspruch.

Zuspruch aus Bevölkerung

Nicht zuletzt auch, weil es sich der Landkreis selbst auf die Fahnen geschrieben hat, Direktvermarkter zu unterstützen. Zuspruch aus der Bevölkerung erhält auch ein noch junges Projekt, das in Oberweimar investiert. Nun, ein Unternehmen im ursprünglichen Sinne ist es gar nicht, sondern ein eingetragener Verein namens Glashüpfer. Der hat 2020 die Gärtnerei im Weimarer Ortsteil Oberweimar übernommen und fungiert nun als Eigentümer der Flächen als Trägerverein für eine solidarische Landwirtschaft (SoLawi) in der Gärtnerei PeterSilie. Es handelt sich also nicht um eine kommerzielle Gärtnerei, sondern um ein Projekt, an dem man als Mitglied teilnehmen kann. Derzeit sind es schon 100 Haushalte, die mit Erzeugnissen aus der Gärtnerei versorgt werden. Joana Ernst, Svenja Drewermann und Björn Eggers von der Gbr bilden derzeit das innere Team des landwirtschaftlichen Betriebes.

Was sich alles schon im ersten Jahr verändert hat, und das auch noch im Corona-Jahr, fällt Svenja und Joana erst immer so richtig auf, wenn sie interessierten Menschen das Gelände, die Gewächshäuser und das große durchaus beeindruckende Gemüsefeld zeigen, auf die dahinterliegende neue Streuobstwiese verweisen und natürlich die dort aufgestellten Bienenvölker, die für einen leckeren Honig sorgen.

Auf dem Gemüsefeld ist original Handarbeit angesagt. Zur Hilfe gibt es sonst noch einen Einachser mit Rotationswendepflug, einen Mulcher und eine Fräse. Neben dem Betriebsleiter und den beiden Betriebsleiterinnen sind noch zwei Saisonkräfte sowie ein Praktikant dort tätig. Die tägliche Arbeit verlangt Geduld und Ausdauer.

Doch mit jedem Handgriff wächst auch die Freude, Gemüse aus heimischem Anbau weitergeben zu können. Was es über das Jahr geben soll, wurde zuvor basisdemokratisch miteinander ausgemacht. Neben dem Gemüseanbau gibt es auch noch eine Sichtung von 15 Artischockensorten im Rahmen des Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Ganz wichtig ist es dem Team, mit natürlichen Ressourcen zu arbeiten, die Bewässerung beispielsweise mit Regenwasser sicherzustellen. Auf dem Schnittblumenfeld wächst keine einzige eingeführte Blume, alle stammen von hier und werden gerne von Bienen und anderen Insekten besucht. Die Blumen dürfen aber auch gegen Bezahlung geschnitten werden, um aus ihnen beispielsweise einen originellen Braustrauß zu machen.

Die jungen Menschen, die in der Gärtnerei arbeiten, sind sicher Enthusiasten, aber sie verfügen auch über vielfältige Erfahrungen im „grünen Bereich“ durch diverse Aus- und Fortbildungen im Gartenbau, in der Landwirtschaft und in der Umweltbildung. Letzteres ist nämlich auch noch ein Thema in der SoLawi.

Das ganze Gelände wird genutzt, um Erfahrungen im Naturschutz und im ökologischen Gartenbau zu machen und weiterzugeben. Joana und Svenja sind absolut mit Herzblut dabei, haben Vorstellungen und Ideen, möchten an der Entwicklung der besonderen Gärtnerei mitwirken. Wie lange? Das wissen sie jetzt nun wirklich noch nicht. Aber sie wissen, dass, wenn sie einmal etwas anderes machen wollen, dieses Projekt damit nicht aufhört. Denn es ist vom Verein getragen und damit werden neue Leute nachrücken und weitermachen. Joana Ernst, Svenja Drewermann und Björn Eggers verfügen derzeit noch über ein Besonderes Know-how in Person von Helga Bondzio von der Vorbesitzerfamilie. Sie kommt mehrmals in der Woche zur Gärtnerei, freut sich über die neue Nutzungsform und bringt sich gerne auch mit Rat und Wissen ein.

Pflückfeld ganztags geöffnet

Wer sich für das Projekt interessiert, kann es sich gerne anschauen und für den Eigenbedarf auch beim Ab-Hof-Verkauf saisonal wechselnde Gemüsejungpflanzen, Kräuter, Sommerblumen und Stauden erwerben. Außerdem gibt es Sämereien, torffreie Erden und selbst gemachten Honig. Geöffnet immer dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr.

Der Verkauf findet unter Einhaltung der Corona-Vorgaben draußen statt. Das Blumenpflückfeld ist ganztags geöffnet bis zu den ersten Frösten.

Mehr gibt es im Internet unter www.gaertnereipetersilie.de Mehr zur SoLawi gibt es im Internet unter www.solidarische-landwirtschaft.org

Von Götz Schaub

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