Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Emsdorf: Bis zu acht Windrad-Riesen möglich
Landkreis Ostkreis Emsdorf: Bis zu acht Windrad-Riesen möglich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 09.04.2019
Auf einem Emsdorfer Feld stehen bereits drei Windräder. Diese könnten demnächst durch ungleich größere Anlagen Gesellschaft bekommen.  Quelle: Arne Dedert
Kirchhain

Und diese Details sind dazu angetan, bei den Anwohnern in Langenstein und Emsdorf die Alarmglocken läuten zu lassen. Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) erklärte, dass sich zwei Firmen für die Windkraftstandorte zwischen Langensteiner Interessentenwald und Emsdorfer Feld interessierten. Davon sei auch die Stadt als Eigentümer von Grundstücksanteilen betroffen. Die Investoren wollten acht weitere Windräder der Drei-Megawatt-Klasse mit einer Nabenhöhe zwischen 180 und 190 Metern Höhe bauen, so der Bürgermeister.

Zum Vergleich: Die 2,4-Megawatt-Anlagen vom Typ Nordex 117, die zwischen dem Burgholzer Forst und dem Emsdorfer Feld gebaut wurden, haben eine Nabenhöhe von 142 Metern und sind inklusive Rotor 200 Meter hoch. Vorsichtig geschätzt wird die Gesamthöhe der im Gespräch befindlichen neuen Anlagen mit Sicherheit mehr als 250 Meter betragen.

Bauamtsleiter Volker Dornseif sah in dem Vorhaben Konfliktpotenzial und das noch ohne einen zaghaften Bürgerprotest. Das Problem: Die Stadt Kirchhain habe 2013/2014 eine Vorrangzone für Windkraft festgelegt mit dem Ziel, dass nur dort in Kirchhain Windräder gebaut werden dürfen. Der RP habe sich daran nicht gehalten und auch in Randzonen Windkraft erlaubt.

Blickwinkel der Dörfer könnten problematisch werden

Dass führe dazu, dass nur fünf der acht vorgesehenen Windräder auf Flächen stünden, die von Stadt und RP gleichermaßen anerkannt würden. So habe ein Investor seine Räder außerhalb der Waldzone bauen wollen – außerhalb der Kirchhainer Windkraftzone. Auf dem Kompromissweg habe man sich darauf geeinigt, die Windräder direkt auf den Waldrand zu platzieren, erklärte Volker Dornseif. Die Langensteiner Waldinteressenten würden am 23. April zwischen den Angeboten der beiden Investoren entscheiden.

Würden tatsächlich acht weitere Windräder gebaut, würde die von Abo Wind festgelegte Obergrenze überschritten. Das Wiesbadener Unternehmen hatte diese mit 15 Windkraftanlagen festgesetzt. Im Burgholzer Forst und im Emsdorfer Feld hat Abo Wind bereist acht Anlagen gebaut und die weiteren Standorte aufgeben.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Reiner Nau hatte das Vorhaben mit Blick auf den Klimawandel als vernünftig bezeichnet. Mit der Umsetzung würde der in Kirchhain erzeugte Öko-Strom von derzeit 100 Prozent des Bedarfs auf 250 Prozent steigen. Problematisch könnte der Blickwinkel der benachbarten Dörfer werden.

Jeder Ort muss zumindest einen Blickwinkel von 130 Grad ohne Windrad haben. An dieser Auflage ist der privat geplante Windpark zwischen Ernsthausen und Emsdorf gescheitert. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Pöppler störte sich an den großen Höhen der Anlage. Er frage sich, ob das so weiter gehe. Für ihn habe das Vorhaben einen faden Beigeschmack. An den Höhen störte sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Debus aus Burgholz, der als Ortsvorsteher das Entstehen des Windparks aus nächste Nähe verfolgt hatte. „Es war bekannt, dass deutlich mehr Windenergieanlagen dort gebaut werden können, stellte er fest.

Dornseif: "Theoretisch sind acht Windräder machbar."

Volker Dornseif verwies auf den im Juli 2013 beschlossenen Flächennutzungsplan. „Wir werden sehen, was der Antragsteller aus den Vorgaben macht. Theoretisch sind acht Windräder machbar.“ Olaf Hausmann sprach von einer theoretischen Diskussion: „Sie sollen wissen, was auf uns zukommt. Das haben wir dargestellt. Wir halten den Ausschuss auf den Laufenden.“

Der Emsdorfer CDU-Stadtverordnete Hartmut Pfeiffer beklagte die Verdichtung des Windparks, der so von Abo Wind nicht vorgesehen gewesen sei. Die Emsdorfer hätten sich 2016/2014 vorbildlich verhalten und ihren Anteil für den Klimaschutz bereits geleistet. Sie dürften nur um des Geldes Willen nicht überfordert werden.

Stichwort Geld: Ende Oktober 2013 erlebte die Stadt Kirchhain ein finanzielles Windpark-Fiasko. Die Mehreinnahmen der Stadt aus dem Windpark in Höhe von 500 000 Euro landeten vollständig im Orkus – oder besser gesagt: Im kommunalen Finanzausgleich. Und nicht – wie vorgesehen – zur Erfüllung der harten Haushaltsauflagen aus dem hessischen Schutzschirm-Programm. Nicht ein Cent blieb übrig.

von Matthias Mayer