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Ostkreis Kommunen wollen zwei Klimaexperten
Landkreis Ostkreis Kommunen wollen zwei Klimaexperten
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16:00 01.12.2021
Bei der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energien ist Kirchhain gut aufgestellt.
Bei der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energien ist Kirchhain gut aufgestellt. Quelle: Tobias Hirsch
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Kirchhain

Vier Städte und eine Gemeinde im Ostkreis ziehen an einem Strang in Sachen Klimaschutz und setzen auf eigene Klimamanager (die OP berichtete). Am Montagabend stellte Armin Raatz vom beauftragten Fachbüro KEFA die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme in Sachen Klimaschutz für Kirchhain vor. Denn: Kirchhain, Rauschenberg, Neustadt, Amöneburg und Wohratal müssen für ihre Zuschussanträge eine Grundlage liefern – unter anderem eine solche Klimabilanz in Kurzform. Nur dann haben ihre Anträge auf eine 50-prozentige Förderung der Stellen für zwei Jahre eine Chance.

Wie groß der Handlungsbedarf ist in Sachen Klimaschutz, machte Raatz an einigen grundlegenden Beispielen klar: So verschiebt sich beispielsweise die Apfelblüte in Hessen seit Jahren immer weiter nach vorne: Blüten die Bäume in den 1960er-Jahren erst nach 126 Tagen im Durchschnitt, so blühen sie inzwischen schon nach 115 Tagen. Die Erderwärmung steigt kontinuierlich in Richtung des 1,5-Grad-Zieles.

Bei der Ist-Analyse kam klar zu Tage, dass Kirchhain in Sachen Stromerzeugung gut da steht, allein schon wegen der vorhandenen Windkraftanlagen etwa. Anders sieht es nach den Erhebungen des Büros bei dem ebenso wichtigen Segment der Wärme und damit auch bei der Energieeffizienz der Gebäude aus. Hier sehen Raatz und seine Kollegen von KEFA in Kirchhain besonders Handlungsbedarf. Allerdings lässt sich nicht genau erheben, wie viele Haushalte in Kirchhain auf Öl oder Gas als Energieträger setzen und wie viele Liter Heizöl zum Beispiel pro Kopf und Haushalt verbraucht werden. „Da stoßen wir an die Grenzen der Daten und müssen mit statistischen Größen arbeiten“, erläuterte Raatz im Ausschuss für Umwelt, Mobilität und Infrastruktur (UMI).

Der CO2-Verbrauch in Kirchhain liegt bei acht Tonnen pro Kopf und Jahr, bundesweit liegt er bei neun Tonnen im Durchschnitt. Raatz plädierte am Montagabend dafür, die künftigen Klimamanager auch für Gemeinschaftsprojekte oder gemeinsame Probleme der fünf Kommunen einzusetzen. Eines davon ist die Förderung von Gebäudesanierungen etwa, also beispielsweise die Organisation von fachkundiger Beratung vor Ort und den Hinweis auf die verschiedensten Fördermöglichkeiten.

Fülle an Daten

Bei dieser Kurzanalye mit einer Fülle an ermittelten Daten hatte KEFA vorhandene Datenmaterialien herangezogen und unter anderem auch Onlinebefragungen vorgenommen, etwa, um mögliche Themen zu sammeln und Projektideen zu entwickeln. Klar ist: Es gibt genug zu tun, um das kommunale Klimamanagement über einen langen Zeitraum auszulasten, nicht nur für zwei Jahre. „Bei einer so kurzen Zeit wäre das verbranntes Geld“, wurde Raatz deutlich.

Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) erläuterte, dass im Kreis der Bürgermeister klargeworden sei, dass eine Stelle alleine für fünf Kommunen nicht ausreichen werde. Deshalb sind nunmehr zwei geplant. Sie werden in Kirchhain angesiedelt und vom Zuschussgeber wie auch den Kommunen gemeinsam finanziert. Kirchhains Anteil liegt dabei bei jährlich 36 500 Euro. Raatz zeigte weitere Förderoptionen für die nächsten Jahre auf, um die künftigen Klimamanager, die über einige Expertise verfügen müssen, auch langfristig finanzieren und anstellen zu können.

Reiner Nau (B90/Die Grünen) wies in der Sitzung noch darauf hin, dass die Kommunen auch das separate Thema Klimafolgen weiter im Blick behalten müssten.

Im Ausschuss fand sich eine klare Mehrheit, die nötigen Gelder vorzusehen und das Projekt weiterzuverfolgen. Es gab zwei Enthaltungen, die übrigen Ausschussmitglieder stimmten dafür. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Stellen besetzt sein.

Von Michael Rinde