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Ostkreis Zutritt zur Kirche nur mit Karte
Landkreis Ostkreis Zutritt zur Kirche nur mit Karte
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07:57 13.02.2020
Die Kirche auf der Amöneburg bietet eine überschaubare Platzkapazität. Bei der diesjährigen Kommunion wird daher so manches anders als gewohnt. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

„Wie sollen wir denn auswählen, wer zur Kommunion mitkommen darf und wer nicht?“, fragt eine Mutter und betont, dass sie eigentlich keine Einschränkungen hatte machen wollen. Müsse sie aber wohl, ergänzt sie und ärgert sich über Veränderungen, die Pfarrer Marcus Vogler plant.

Natürlich müsse auch ein Geistlicher seine Kräfte einteilen, weiß sie – glaubt aber, dass die Kommunion ihres Kindes nicht feierlich werden könne. Zunächst kritisiert sie, dass der Pfarrer künftig nur noch einen statt drei Gottesdienste zelebrieren will, 35 Kinder gleichzeitig zur Kommunion gehen (die OP berichtete ausführlich) und dann auch noch auswählen müssen, wen sie mitnehmen wollen.

Jedes Kommunionkind bekomme für die „Massenabfertigung“ zehn Eintrittskarten zugeteilt, die es an seine Familie, Verwandten und Freunde verteilen kann. „Wen soll man zu Hause lassen?“, fragt die Mutter, während ein Vater scherzhaft einen „mit Sicherheit florierenden Schwarzmarkt“ ankündigt.

Pfarrer: Es kommen keine Türsteher

Natürlich seien die Karten für den Gottesdienst am ersten Sonntag nach Ostern (19. April) kostenlos, ergänzt er: Aber es werde bestimmt so sein, dass Kinder mit größeren Familien bei solchen mit kleineren Familien nach übrig gebliebenen Karten fragen werden. Außerdem findet er es „befremdlich“, dass im Vorfeld des Gottesdienstes „Türsteher“ überprüfen, ob die Kirchenbesucher eine gültige Eintrittskarte haben.

„Das werden selbstverständlich keine Türsteher sein“, sagt Pfarrer Vogler auf Anfrage dieser Zeitung. Mitglieder der kirchlichen Gremien würden die Kontrolle übernehmen – was keinesfalls einen negativen Einfluss auf die Feierlichkeit des Gottesdienstes haben werde: „Viel eher gewährleisten wir durch diese Maßnahme die Feierlichkeit, weil man ja auch darauf achten muss, dass ein entsprechender Rahmen gegeben ist.“

„Wir stellen keine Bierbänke auf“

In diesem Zusammenhang räumt er auch gleich mit einem weiteren Missverständnis auf: „Wir stellen auch keine Bierbänke als zusätzliche Sitzgelegenheiten auf, sondern Stühle.“

Die Kirche fasse 370 Besucher. So ergebe sich auch, dass jedes der 35 Kommunionkinder zehn Karten bekomme – dann sei das Gotteshaus seiner Kapazität entsprechend ausgelastet (je zwei Karten sind immer für das Mittelschiff, also die zentralen Plätze, gültig), so würden alle gleich behandelt und die Aufteilung sei gerecht.

Vogler: Das gibt's auch woanders

„Vater, Mutter, Geschwister, Taufpate – das sind vielleicht fünf Personen“, meint Vogler. Dann seien immer noch genügend Karten für die weitere Verwandtschaft übrig. Mehr könne keinem Kind zur Verfügung gestellt werden: „Ich weiß auch nicht, warum darüber nochmal diskutiert wird oder was die Eltern erreichen wollen: Es wird auf jeden Fall Platzkarten geben.“ Und für beispielsweise die Messdiener müssten ja auch ein paar Plätze freigehalten werden.

Vogler meint, ein Gottesdienst, für den Eintrittskarten erforderlich sind, sei nichts Neues: Als er Kaplan in Stadtallendorf war habe er diese Technik bereits praktiziert. Damals (im Jahr 2005) habe jedes Kind sogar nur vier Karten bekommen.

Pfarrer wird „Starrsinn“ unterstellt

Schon seit einigen Monaten liegen einige Eltern mit dem Pfarrer im Clinch. Sie hatten gehofft, Vogler umstimmen zu können und zu erreichen, dass weiterhin drei Kommuniongottesdienste stattfinden – und dies nicht zentral in Amöneburg, sondern eben in der Kernstadt und in zwei Stadtteilen.

In diesem Zusammenhang warfen sie dem Geistlichen sogar „Starrsinn“ vor. Der Pfarrer erklärte die Veränderung einst unter anderem damit, dass der Franziskaner Pater Lucjan zum 1. September 2019 zum Pfarrer in St. Pölten in Österreich ernannt wurde und kein Ersatz in die Seelsorgeeinheit kam, sodass er Umstrukturierungen vornehmen müsse – die für die Gemeinden einige Einschnitte bedeuten.

von Florian Lerchbacher