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Ostkreis ICE: Ein kurzes Vergnügen
Landkreis Ostkreis ICE: Ein kurzes Vergnügen
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Ein ICE hält regulär im Bahnhof von Stadtallendorf. Einen solchen Anblick gibt es schon bald nicht mehr. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Die Nachricht, dass die Bahn AG nach dreijähriger Testphase den ICE-Halt Stadtallendorf streicht, hat die Nachfrage nicht beeinflusst. Die Fahrgastzahlen stagnierten weiterhin bei unter zehn Nutzern im Durchschnitt pro Zughalt, so ein Bahnsprecher gestern auf Nachfrage der OP.

Diese außerordentlich niedrige Zahl war es letztlich, die bei der Bahn zu der bekannten Entscheidung führte, den ICE-Halt Stadtallendorf zu streichen. Der letzte Intercity-Express hält an diesem Samstag um 20.05 Uhr im Bahnhof Stadtallendorf. Er fährt Richtung Kassel-Wilhelmshöhe. Für Nostalgiker: Der Intercity nach Einrichtung des generellen Halts Stadtallendorf war der IC 2376 von Karlsruhe nach Stralsund am 11. Dezember 2016. Vorher gab es ein Jahr lang einen einzelnen abendlichen Intercityhalt. Bei dem gab es allerdings seinerzeit genügend Fahrgäste. Aber auch eine solche Einzelverbindung wird es nun nicht mehr geben.

Historie

Um die Bahn seinerzeit überhaupt dazu zu bringen, Stadtallendorf zum Intercityhalt (später ICE-Halt) zu machen, gab es ein breites Bündnis aus Politik, Industrie und Bundeswehr und außerdem Unterstützung anderer Kommunen in der Region. Zunächst sollte das Angebot zwei Jahre erprobt werden. Die Bahn verlängerte die Erprobung aufgrund der schlechten Zahlen dann noch einmal um ein weiteres Jahr. 

Bürgermeister Christian Somogyi hatte sich bei der Premierenfahrt sogar noch eine Schaffnermütze auf den Kopf gesetzt. Inzwischen wirkt auch er im Gespräch mit der OP etwas desillusioniert. „Das ist ein trauriges Ergebnis“, merkt er an. Die Stadt müsse die neue Situation aber nun wohl akzeptieren.

Stadtallendorfs Bürgermeister hofft, dass die Tür für einen Fernzug-Halt Stadtallendorf am Samstag noch nicht endgültig zugeschlagen wird. „Vielleicht gibt es in einigen Jahren dann doch Verhaltensänderungen, die zu einem nachhaltigen und ausreichend großen Interesse führen“, sagt Somogyi. Er kann sich auch vorstellen, dass das Wachsen des Bundeswehrstandortes in naher Zukunft neue Bedarfe auslöst.

Die Bahn ist da wenig optimistisch. Auf die Frage nach Zukunftsperspektiven gibt es eine eindeutige Antwort von der Pressestelle in Frankfurt: „Leider erkennen wir keine Hinweise oder Anlässe, die andeuten, dass die Einsteigerzahlen in Stadtallendorf auf Sicht wirklich ansteigen könnten“, heißt es von dort. Stadtallendorfs Bürgermeister sieht aber keinen Anlass, das Mittelzentrum nunmehr als abgehängt zu betrachten, insbesondere, was die Verbindungen in das Rhein-Main-Gebiet angeht.

Mit den jetzigen schnellen Regionalzügen dauere es bis Frankfurt nur wenige Minuten länger als mit einem ICE. Stimmt. Eine Probe aufs Exempel bestätigt es. Die Fahrzeit eines ICE von Stadtallendorf nach Frankfurt-Hauptbahnhof war bisher gerade einmal sechs Minuten kürzer als mit einem Regionalexpress, so der Blick in den Fahrplan. Die angenommene Abfahrzeit liegt dabei gegen 6 Uhr.

von Michael Rinde