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Ostkreis Zum Jubiläum mit dem Auto durch die Produktion
Landkreis Ostkreis Zum Jubiläum mit dem Auto durch die Produktion
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19:00 29.11.2020
Ullrich ­Geschäftsführer Ullrich Eitel (rechts) fuhr Wernfried Fesenberg mit dem Auto durch die Produktion der Marburger Tapetenfabrik. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Kirchhain

Mit dem Auto durch die Tapetenproduktion, dafür musste die Tapetenfabrik Marburg erst 175 Jahre alt werden und eine Pandemie ausbrechen. Denn nur deshalb schauen derzeit viele Kunden und Lieferanten direkt in Kirchhain vorbei, um sich die neue Kollektion anzuschauen und mit dem ­Geschäftsführer Ullrich Eitel samt Belegschaft das 175-jährige Bestehen zu begehen.

Eigentlich sollte der große Stand, tapeziert mit den Neuheiten aus der Tapetenfabrik, natürlich auf der Messe in Frankfurt stehen. Alles war perfekt geplant – alles sollte unter dem Motto „175 Jahre Innovation“ laufen. Doch dann kam das Coronavirus und in Kirchhain musste alles umgeplant werden. Der riesige Messestand wurde kurzerhand in einer Halle aufgestellt. Rundherum Tafeln aufgehängt, die die Unternehmensgeschichte und deren Eigner kurz vorstellen und auf der gegenüber liegenden Wand alle bisherigen Designer kurz porträtiert, die bisher eine Kollektion für die Tapetenfabrik entworfen haben. Riesige runde Tischtafeln laden zum Verweilen mit genügend Abstand ein, darüber Tapeten, die in Nachtschichten als Vögel gefaltet wurden.

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„Wir mussten einfach kreativ sein, um unsere Großkunden und Lieferanten über unsere neuen Produkte zu informieren“, erklärt Constanze Flora Eitel den Plan hinter der Aktion. Immer dienstags, mittwochs und donnerstags werden diese nun in kleinen vorangemeldeten Gruppen auf dem Firmengelände begrüßt und durch die heiligen Hallen geführt.

Wernfried Fesenberg, einer der größten Kunden mit 180 Hammer-Filialen deutschlandweit, wurde sogar im E-Auto durch die Produktion gefahren. Eine Premiere, die gut ankam und bei der Ullrich Eitel über sein neuestes Zugpferd sprechen konnte – der Digitaldruckmaschine. 3,3 Milliarden Tropfen aus 56 000 Düsen bedrucken 70 Meter Tapete pro Minute – und das fotorealistisch im Vierfarbdruck. Gesteuert wird die ganze Maschine über eine PC-Software und ist seit vergangenem Jahr in Betrieb. „Wir kaufen bei allen Herstellern“, sagt Fesenberg nach der Rundfahrt.

Er betonte aber, „dass die Tapetenfabrik Marburg mit einer hochwertigen Palette sowohl den Endverbraucher als auch den Handwerker bedient.“ Und er weiß: „Bei den Letzteren haben sie einen sehr guten Ruf.“

Zurück am Messestand gab es noch eine Neuheit zu besichtigen – leuchtende Tapeten. 42 000 kleine LED-Leuchten sind in einer Rolle der neuesten Kollektion verbaut, „und man braucht keinen Elektriker, um sie anzuschließen. Eine Steckdose und eine App auf dem Smartphone reichen“, erklärt Ullrich Eitel, Innovationstreiber in der Branche, der auch antibakterielle Tapeten auf dem Markt hat.

Mittlerweile hat so manche Tapetenrolle Kultstatus erreicht. Wie beispielsweise die der Kollektion, die zusammen mit X-Art Wall entwickelt wurde. Für eine Rolle mit dem Muster, das Allen Jones entworfen hat, bezahlen Liebhaber eine vierstellige Summe.

Für das Familienunternehmen kann es nur gut sein. Sie profitiert noch von der Pandemie. Denn anstatt in den Urlaub zu fahren, wird derzeit viel renoviert. Wie lange der Trend anhalten wird, das konnte auch Wernfried Fesenberg nicht vorausschauen: „Wenn die Kurzarbeit noch länger anhält und auch die Aussetzung des Insolvenzrechtes aufgehoben wird, dann kann es auch für uns kritisch werden.“

Von Katja Peters

29.11.2020
28.11.2020