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Ostkreis Daumen hoch für Privatwälder in Kirchhain
Landkreis Ostkreis Daumen hoch für Privatwälder in Kirchhain
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10:59 19.06.2021
Waldbegutachtung in Sachen Zertifizierung. Mit dabei war Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann, der Zweiter Vorsitzender der Betriebsforstgemeinschaft Marburg-Kirchhain ist.
Waldbegutachtung in Sachen Zertifizierung. Mit dabei war Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann, der Zweiter Vorsitzender der Betriebsforstgemeinschaft Marburg-Kirchhain ist. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

„Uns sind die Mischbestände wichtig und außerdem die Naturverjüngung – sofern sie sich anbietet“, betont Martin Kemkes, während er einen Privatwald in der Gemarkung Ernsthausen begutachtet. Wer neue Bäume anpflanze, müsse sich bewusst sein, was er mache – schließlich würden die Bäume für die nächsten 100 bis 150 Jahre stehen, erklärt der Mitarbeiter von „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC). Die aus 350 bis 400 Waldbesitzern bestehende Forstbetriebsgemeinschaft Marburg-Kirchhain hat den Verein beauftragt, die Privatwälder zu zertifizieren.

Viele Aspekte für Zertifizierung wichtig

Während des sogenannten „Audits“ immer mit dabei sind Mitarbeiter von HessenForst. „Wir haben die Daten, die Listen, kümmern uns um die forstwirtschaftliche Beratung, die Betreuung und so weiter“, erklärt Florian Zilm und berichtet, dass zahlreiche Punkte wichtig seien, um sich zertifizieren zu lassen.

Es gehe um die Waldbestände an sich, um ökologische Dinge aber beispielsweise auch um die Arbeitssicherheit im Forst, um sozialökonomische Fragen oder auch Bewirtschaftungsformen. So werde geprüft, ob Rückegassen gebildet und der Waldboden geschont wird, oder ob die Fahrzeuge während der Bewirtschaftung kreuz und quer fahren. Aber auch die Wildbestände und eine gegebenenfalls notwendige Reduzierung sind Punkte, die während einer solchen Prüfung aufs Tableau kommen.

Jagdbezirke zertifiziert

Bei den Eigenjagdbezirken sei das Fazit gut ausgefallen, freut sich Zilm und betont, es sei alles in Ordnung: „Die Bemühungen der Waldbesitzer stimmen.“ Einer habe sogar viel zu viel gepflanzt: „Das sieht zwar schön aus, aber aus forstlicher Sichtweise wurde zu viel investiert“, berichtet Zilm.

Bei gemeinschaftlichen Jagdbezirken (wenn die einzelnen Flächen zu klein sind und sich Privatwaldbesitzer zusammentun müssen) habe es einige schärfere Nachfragen gegeben – die allerdings nicht so weit gegangen seien, dass die Waldbesitzer Gefahr gelaufen seien, dass ihnen die Zertifizierung abgesprochen wird. „Es ist immer spannend zu sehen, wie Waldbesitzer die Vorgaben umsetzen“, sagt Zilm. Die Förderung des Mischwaldes finde statt – und auch in Sachen Jagd sei alles in Ordnung gewesen.

Wald und Holz gilt als „nachhaltig“

Dem Zertifizierer sei auch wichtig gewesen, dass überall Totholz als Lebensraum für Kleintiere liegenbleibt. Auch diese Bestände segnete er ab – und betonte, dass es den Plan gebe, eine App zu nutzen, um einen Überblick über die Totholzbestände zu bekommen. Übrigens muss auch der Einsatz von Gift im Wald genauestens protokolliert werden: Bei Holz, das aus entsprechenden Beständen kommt, muss ausgewiesen werden, dass es „begiftet“ wurde.

Kemkes hatte die Betriebe, die er überprüfte, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. „Sein positives Fazit hat mich sehr gefreut. Es ist immer gut, den Waldbesitzern bescheinigen zu können, dass sie mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement richtig liegen.“ Ihr Wald beziehungsweise Holz gilt damit als „nachhaltig“.

Von Florian Lerchbacher