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Ostkreis Wenn der Bauschutt am Wegesrand liegt
Landkreis Ostkreis Wenn der Bauschutt am Wegesrand liegt
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18:00 12.01.2022
In der Feldgemarkung entdeckte ein Stadtallendorfer jüngst illegal entsorgten Bauschutt. 
In der Feldgemarkung entdeckte ein Stadtallendorfer jüngst illegal entsorgten Bauschutt.  Quelle: Privatfoto
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Stadtallendorf

In den ersten Januartagen machte ein Spaziergänger in der Feldgemarkung Stadtallendorf an einem Weg in Richtung Langenstein eine unschöne Entdeckung. Im Graben fanden sich Berge von Schutt bis hin zu Farbeimern und Fensterrahmen. Er schickte ein Bild an die OP-Redaktion, die es umgehend an die Stadtwerke weiterreichte. „Da muss jemand einen Pritschenwagen verwendet haben, um die Menge Schutt dorthin zu transportieren“, kommentiert Armin Immel diese illegale Müllentsorgung in der freien Natur. Immel ist stellvertretender Betriebsleiter der Stadtwerke. Seine Mitarbeiter entsorgten den Schutt kurzfristig fachgerecht.

Leider sind solche Funde wie in anderen Städten und Gemeinden auch keine Einzelfälle. Es geht sogar noch deutlich schlimmer, wie etwa bei der Entsorgung von Nachtspeicheröfen im Wolferöder Forst vor einiger Zeit (die OP berichtete). Leider ließ sich bei diesem Fund kein Verursacher ausmachen. Auf denjenigen wären dann hohe Kosten zugekommen. Neben dem Strafverfahren hätten die Stadtwerke den Einsatz von Mitarbeitern und Fahrzeugen in Rechnung gestellt und auch die reinen Entsorgungskosten weitergegeben.

Auf 30 bis 35 offiziell gemeldete Fälle schätzt Immel die Zahl der bei ihm angekommenen illegalen Müllentsorgungen im Jahr. Tendenz gleichbleibend auch im zweiten Pandemie-Jahr. Doch die Dunkelziffer dürfte deutlich darüber liegen, schätzt er. Denn viele kleine und größere Müllansammlungen in freier Natur oder auch mitten in der Stadt, etwa an Parkplätzen, entsorgten die städtischen Mitarbeiter gleich, wenn sie sie entdeckten. „Bei größeren Vorfällen gibt es natürlich Anzeigen“, sagt Immel mit Nachdruck.

So wie er hat auch Bürgermeister Christian Somogyi keinerlei Verständnis für solche Aktionen. Es gebe alle nur denkbaren Entsorgungsmöglichkeiten, viele davon seien kostenfrei, so Somogyi. Ein Beispiel ist der Wertstoffhof der Stadtwerke, der jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet ist. Außerdem gibt es Annahmemöglichkeiten bei der Müllumladestation in Wehrda zum Beispiel. „Ich kann angesichts des großen Spektrums an Entsorgungsmöglichkeiten erst recht nicht nachvollziehen, warum jemand zum Beispiel meint, sein altes Fahrrad in den Teich am Iglauer Weg werfen zu müssen“, ärgert sich Armin Immel. Das alles kostet die Allgemeinheit jährlich auch viel Geld: Rund 35 000 Euro müssen die Stadtwerke seit 2019 jährlich aufbringen, wobei diese Summe laut Immel auch die Reinigung von anderen Flächen im Stadtgebiet umfasst, etwa Parkplätze, wo auch immer wieder Abfälle achtlos weggeworfen werden. Noch wesentlich schwieriger und aufwendiger wird es, wenn Unbekannte asbesthaltige Bauabfälle in die Landschaft werfen. Das verursacht dann noch weit höhere Entsorgungskosten für die Stadt respektive die Stadtwerke. Oder wenn die Abfallmengen so groß sind, dass sogar Lastwagen und Bagger oder Kran anrücken müssen. Dann wird auch der Stadtallendorfer Baubetriebshof eingebunden. „In dieser Zeit, wenn wir mit der Entsorgung illegaler Müllkippen befasst sind, können wir dann auch keine anderen Arbeiten für die Allgemeinheit machen“, nennt Immel eine weitere Konsequenz.

„Mängelmelder“ nutzen

Häufig finden die Stadtwerke- und Bauhofmitarbeiter auf den illegalen kleinen Müllkippen auch anderen umweltschädlichen Abfall. Batterien und Farben seien sehr häufig dabei. Beide lassen sich problemlos kostenfrei und sicher entsorgen über die Schadstoffsammlungen etwa – oder im Wertstoffhof, der auch Elektroschrott kostenfrei annimmt und dem Recycling zuführt.

Die Stadtwerke freuen sich indessen darüber, dass Bürger ihre Entdeckungen von illegalen Müllkippen konsequent melden. Eine Möglichkeit ist der „Mängelmelder“ auf der städtischen Internetseite (die OP berichtete) oder auch der direkte Anruf im Rathaus (Telefon 0 64 28 / 70  70).

Aber auch der kleine Müll in der Natur fällt ins Gewicht. Am 19. März planen die Stadtwerke wieder den traditionsreichen Frühjahrsputz, bei dem Bürger im Stadtgebiet unterwegs sind und dem Müll zu Leibe rücken – ehrenamtlich natürlich und mit der Unterstützung der Stadtwerke. Immer vorausgesetzt, der weitere Verlauf der Corona-Pandemie lässt die Aktion unter freiem Himmel dann zu.

Wer Fragen rund um das Thema Abfallentsorgung hat, kann sich auch an das „grüne Telefon“ der Stadtwerke unter der Rufnummer 0 64 28 / 70 ­73 33 wenden.

Von Michael Rinde

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