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Ostkreis Der Chlorgeruch verschwindet
Landkreis Ostkreis Der Chlorgeruch verschwindet
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16:00 07.05.2020
Der ZMW beendet die Schutzchlorung des Wassers. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
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Stadtallendorf

Die Zeiten, in denen das Wasser ganz leicht nach Chlor roch, wenn es aus der Leitung kam, sind im Gebiet des Zwecksverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) vorbei. Der Zweckverband hat die Schutzchlorung eingestellt. Jetzt dauert es noch, bis sich das verbliebene Chlor im Leitungsnetz verflüchtigt. Wie lange das dauern wird, lässt sich nicht vorhersagen. „Das hängt vom Verbrauchsverhalten der Kunden ab“, erklärt Dirk Ficht, Abteilungsleiter beim ZMW. In dem Punkt gebe es keine Erfahrungswerte.

Rund zweieinhalb Jahre lang hatte der Zweckverband das Trinkwasser mit einer Minimaldosis Chlor versehen, mit 0,05 Milligramm je Liter. Das geschah in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden in den Kreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill. Gleichzeitig hat der Verband neue Reinigungstechnik im Wasserwerk Stadtallendorf eingerichtet. Dort ist eine UV-Anlage in Betrieb, die das Trinkwasser vor der Einspeisung aufwendig mit Strahlen desinfiziert, also von möglichen Keimen befreit. Eine solche Technik wird auch im Wasserwerk Wohratal bei Kirchhain eingebaut. Das dauert aber noch bis nächstes Jahr. Dort muss – wie in Stadtallendorf seinerzeit auch – zunächst eine Probeanlage installiert und getestet werden.

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Eigentlich wollte der ZMW die Schutzchlorung einsetzen, bis beide Wasserwerke über UV-Technik verfügen. Doch nach der Analyse von ungezählten Laborproben und intensiven Beratungen mit Experten des Technologiezentrums Wasser (TZW) in Karlsruhe und dem Gesundheitsamt Marburg-Biedenkopf gab es aus Verbandssicht keinen Grund mehr, das Chlor zuzusetzen. Das bestätigt auch Kreissprecher Stephan Schienbein im Namen der Gesundheitsbehörde gegenüber der OP. Zudem gebe es nach der Trinkwasserverordnung ein Minimierungsgebot, wonach dem Trinkwasser Stoffe nur in solchen Mengen zugegeben werden dürften, wie es für die Erreichung des Aufbereitungszieles notwendig ist, so Schienbein. So argumentiert auch der Zweckverband.

Anlage bleibt aber weiter einsatzbereit

Dirk Ficht erläutert, dass die Chlorierungsanlage einsatzbereit bleibt. Zugleich werden auch die täglichen Probenentnahmen fortgesetzt, um zu schauen, ob sich die Wegnahme der Chlorung in irgendeiner Form auswirkt. Der Zweckverband selbst zieht eine durchweg positive Bilanz des Chloreinsatzes. Maßgeblich ist dabei die ständige Einhaltung der Trinkwasserordnung. In den zweieinhalb Jahren hat es keinerlei Verkeimungsprobleme im Fernleitungsnetz des Verbandes gegeben. Seinerzeit hatte eine Verkeimung bei einem Brunnen des Wasserwerks Wohratal dazu geführt, dass sich der Verband letztlich für den Chloreinsatz auf Dauer entschied.

Wobei die Chlormenge während der Schutzchlorung immer an der untersten möglichen Grenze gehalten wurde, so wie mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt. Gleichzeitig hatte sich der ZMW nach einer Alternative umgesehen und sich entschieden, auf den Einsatz von UV-Technik zu setzen. Das Verfahren an sich ist unumstritten. Aufwendig war jedoch die Vorplanung, da UV-Anlagen für den Einsatz in großen Wasserwerken eine ganz andere Dimension haben als etwa in Trinkwasserbrunnen. Und teuer sind sie in der Anschaffung ebenfalls. Für die Anlagen im Wasserwerk Stadtallendorf hat der Zweckverband letztlich die Summe von 400 000 Euro investiert.

Warum es in einigen Haushalten trotzdem zum lästigen Chlorgeruch gekommen ist, hat sich letztlich nie ermitteln lassen. Immer wieder gingen beim ZMW Anfragen von Verbrauchern dazu ein. Doch das sollte jetzt ein Ende haben.

Hintergrund

Nach früheren Angaben bekommen 27 Städte und Gemeinden aus mehreren Landkreisen ihr Wasser ganz oder teilweise aus den beiden Werken im Ostkreis, wo es die Schutzchlorung gab. Der Zweckverband versorgt etwa Teile von Kirchhain, die Neustädter Kernstadt oder Teile von Gladenbach, Lohra und Fronhausen mit seinem Trinkwasser. Das Wasser kommt aus der Tiefe: 23 Brunnen sind allein dem Wasserwerk Stadtallendorf zugeordnet.

Von Michael Rinde