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Ostkreis Wolferoder bangen um ihr "Kuckucksnest"
Landkreis Ostkreis Wolferoder bangen um ihr "Kuckucksnest"
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09:00 27.05.2019
Das Dorfgemeinschaftshaus heißt im Wolferoder Volksmund häufig „das Kuckucksnest“. Wie die Zukunft des Hauses aussieht, muss sich zeigen. Quelle: Michael Rinde
Wolferode

Seit 2016 gibt es den Arbeitskreis Immobilien, ein informelles Gremium, in dem die politischen Parteien im Stadtparlament wie auch die Verwaltung vertreten ist. Das Ziel: Die Stadt möchte die Zahl ihrer Immobilien verringern, 60 besitzt sie aktuell. Dazu bewertet der nichtöffentlich tagende Arbeitskreis jede einzelne. Eine Immobilie, das Rettungswachengebäude, hat die Stadt zwischenzeitlich verkauft.

Jetzt hat sich der Arbeitskreis offensichtlich das Dorfgemeinschaftshaus Wolferode genauer vorgenommen. Aus dem Arbeitskreis heraus ist der Vorschlag entstanden, das Gebäude zu verkaufen, möglicherweise zusammen oder getrennt voneinander mit dem Parkplatz davor. Dieser Parkplatz ist zugleich auch Wolferodes Festplatz.

Der Ortsbeirat Wolferode hat sich dazu klar und eindeutig festgelegt: „Wir werden Widerstand leisten“, kündigt Ortsvorsteher Armin Naumann auf Nachfrage der OP an. Für den Ortsbeirat ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet und offenbar ausschließlich das Wolferoder Dorfgemeinschaftshaus zur Diskussion steht.

Missverhältnis: Niedrige Einnahmen bei hohen Ausgaben

Nach einem Verkauf – so die Idee – könnte die Stadt Räume an anderer Stelle anmieten. Genauere Informationen gibt es zu diesem Punkt allerdings noch nicht. Warum steht das Dorfgemeinschaftshaus, das im Ort nur „Kuckucksnest“ genannt wird, überhaupt im Fokus? Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) verweist auf Anfrage auf die niedrigen Einnahmen bei hohen Ausgaben: Jährlich gebe es Abschreibungen von 40.000 Euro bei 1.500 Euro Einnahmen. Eindeutig ein Missverhältnis.

Dem Ortsbeirat ist das auch seit Langem klar. Er verweist nicht zum ersten Mal auf die hohen Nutzungsgebühren, die Einheimische immer wieder davon abgeschreckt hätten, Räume für Feiern zu mieten, berichtet der Ortsvorsteher. „Jede Kleinigkeit musste bisher extra bezahlt werden“, so Naumann.

Doch die Verwaltung hat sich für einen Ortsbeiratsvorschlag offen gezeigt. Seit 1. April gilt für Wolferode eine Sonderregelung bei den Gebühren. Private Mieter zahlen pauschal 150 Euro, in denen alles enthalten ist. Die Regelung gilt testweise für zwei Jahre. Diese Testphase will Bürgermeister Somogyi wohl auch in jedem Falle abwarten, bevor über einen Verkauf dann möglicherweise ernsthaft gesprochen werden soll.

Bereits jetzt wirbt der Ortsbeirat nachdrücklich für das Wolferoder Gemeinschaftshaus. Er könne ohnehin nicht nachvollziehen, warum Wolferode so in den Fokus geraten sei. „Vielleicht, weil wir das kleinste Dorf sind?“, fragt Ortsvorsteher Naumann. Der Ortsbeirat verweist auf die Historie des Gebäudes, die alte Schule. Wolferoder Bürger haben das Haus ab dem Jahr 1983 in Eigenleistung erweitert. Geld kam dazu auch von der Kirchengemeinde, die sich das Recht auf einen Raum sogar hat verbriefen lassen.

Gleich doppeltes Interesse an Erhalt

„Wir haben nicht nur ein materielles sondern auch ein ideelles Interesse an diesem Haus“, betont Naumann. Ohne das Gebäude komme das Vereinsleben im Dorf komplett zum Erliegen. Der Park- und Festplatz ist für den Ortsbeirat ebenso komplett unverzichtbar.

Vergleichbare Überlegungen gebe es für die Gemeinschaftshäuser anderer Stadtteile nicht, so Bürgermeister Somogyi. Lediglich das in Wolferode sei geeignet, um in ein Mehrfamilienhaus umgebaut zu werden. Dass sich der Ortsbeirat so deutlich gegen einen denkbaren Verkauf des Gemeinschaftshauses in Wolferode ausspricht, hält Somogyi für legitim. Er will in jedem Falle den Test der neuen Gebührenordnung abwarten, bevor es die politische ­Diskussion über die Zukunft des Gebäudes geben soll. „Der jetzige Bestand ist also für mindestens zwei Jahre festgeschrieben“, verspricht Somogyi. Über einen Verkauf müsste ohnehin das Stadtparlament entscheiden.

von Michael Rinde