Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Protest gegen geplantes Sparkassen-Aus
Landkreis Ostkreis Protest gegen geplantes Sparkassen-Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:52 20.07.2021
Am Wochenende sammelten Mitglieder des Ortsbeirats Wohra Unterschriften gegen die Schließung der Sparkassen-Filiale – rund 250 Unterschriften kamen zusammen, 1000 sollen es insgesamt werden.
Am Wochenende sammelten Mitglieder des Ortsbeirats Wohra Unterschriften gegen die Schließung der Sparkassen-Filiale – rund 250 Unterschriften kamen zusammen, 1000 sollen es insgesamt werden. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Wohra

Der Ortsbeirat Wohra lässt den Ankündigungen Taten folgen. Aus Protest gegen die geplante endgültige Schließung der letzten verbliebenen Sparkassenfiliale in Wohra läuft eine Unterschriftenaktion. Start war am Samstag. Allein in den wenigen Stunden während der Sammlung an der Filiale unterschrieben mehr als 160 Wohrataler, bis Sonntagabend waren es 250. „Unser Ziel ist es, dem Sparkassenvorstand am Ende mehr als 1 000 Unterschriften zu übergeben“, kündigt Ortsbeiratsmitglied Jens Ratz gegenüber der OP an.

Ortsbeiratsmitglieder werden in den kommenden Tagen demnach von Haus zu Haus gehen, auch die Ortsvorsteher der übrigen drei Ortsteile sind informiert und mobilisiert.

2017 gab es klare Aussage zum Erhalt der Wohra-Filliale

Schon in der Parlamentssitzung vor den Ferien hatte sich angekündigt, dass es in Wohratal nicht bei  stummem Protest gegen die Schließungsbeschlüsse von Sparkassen-Vorstand und Verwaltungsrat bleiben wird . Besonders bitter stößt den Wohratalern dabei auf, dass es bei der Schließung der Halsdorfer Filiale 2017 klare Aussagen gab, dass die Filiale in Wohra bleiben wird. Die Sparkasse hatte jüngst im Gespräch mit der OP angekündigt, in Wohra auch alle Automaten inklusive Geldautomat abzubauen. „Das ist aber das absolute Minimum, was in Wohra erhalten bleiben muss“, sagt Ratz. So lautete auch der Tenor der Aussprache im Stadtparlament.

Der Wohrataler erklärt, dass er einen solchen Unmut wie jetzt in der kleinen Flächengemeinde noch nicht erlebt habe. Die Fahrt nach Rauschenberg sei älteren Menschen einfach nicht zuzumuten für ihre Bankgeschäfte. Ratz könne auch nicht nachvollziehen, warum sich ein Geldautomat in Wohra nicht rechnen solle. Während der Unterschriftensammlung hätten in wenigen Stunden geschätzt 20 Kunden Bargeld dort geholt.

„Der Ortsbeirat verurteilt die Beschlüsse der Sparkasse Marburg-Biedenkopf zur Schließung der letzten Filiale der Gemeinde Wohratal und fordert die Rücknahme der Schließung“, so Ratz. Man fordere ein Mindestmaß an Service für alle Kunden, „ältere und wenig mobile Bürger dürfen nicht das Opfer des Profitdenkens der Sparkasse Marburg-Biedenkopf werden“, so das Ortsbeirats-Mitglied. Außerdem dürfe es nicht zu einer Schwächung der Infrastruktur Wohratals kommen.

Sparkasse will an getroffenen Beschlüssen festhalten

Und was sagt die Sparkasse zu der Unterschriften-Aktion und dem damit verbunden Protest aus Wohra? Dazu sagt Pressesprecher Michael Frantz: „Wir werden die getroffenen Beschlüsse zu unserem künftigen Filialnetz umsetzen. Allen Bürgermeistern und Ortsvorstehern haben wir bei der Information zur Schließung angeboten, in die Parlamente zu kommen, dazu stehen wir selbstverständlich. Eine Einladung aus Wohratal haben wir bisher nicht erhalten.“ Die Sparkasse hatte Anfang Juli erklärt, dass der Verwaltungsrat beschlossen habe, die schon während der Pandemie für den Service geschlossenen Kleinstgeschäftsstellen am Uni-Klinikum sowie in Großseelheim, Dreihausen, Mardorf, Kirchvers, Wohra, Münchhausen, Schweinsberg, Gladenbach-Weidenhausen und Lixfeld nicht wieder zu öffnen.

Bereits 2017 hatte die Sparkasse damit begonnen, ihr Filialnetz auszudünnen: Damals hieß es noch, von den einst 67 Standorten sollten 53 erhalten bleiben – nämlich 35 personenbesetzte Filialen und 18 SB-Standorte. Diese Zahl ist mittlerweile weiter geschrumpft: Laut eigenen Angaben besitzt die Sparkasse „auch künftig mit 25 Geschäftsstellen weiterhin das größte Geschäftsstellen- und Automatennetz aller Wettbewerber im Landkreis Marburg-Biedenkopf“. Ob es dabei bleibe, beantwortete Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch Anfang Juli im Gespräch mit der OP: „Stand jetzt ja. Ich habe einen Beschluss des Verwaltungsrats über acht zu schließende Geschäftsstellen und wir haben nicht die Absicht, in absehbarer Zeit weitere zu schließen.“ Eine Garantie für die kommenden „zehn oder 15 Jahre“ könne er nicht geben.

Von Michael Rinde