Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Geht es doch eine Nummer kleiner?
Landkreis Ostkreis Geht es doch eine Nummer kleiner?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:57 15.03.2020
Ein Hund schleicht über die für Fahrzeuge gesperrte Bentreff-Brücke in Wohra. Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Wohra

Der Haushalt 2020 ist nach einigen Problemen auf den Weg gebracht. Größtes Bauprojekt darin ist (wieder einmal) die Sanierung der Bentreff-Brücke in der Gemündener Straße in Wohra. Am Dienstagabend, 10. März, nun gab es neue Informationen dazu im Gemeindeparlament.

Hessen Mobil hat der Gemeinde einen bis zu 70-prozentigen Zuschuss in Aussicht gestellt – aber nur für eine einfache Sanierung als Fußgänger- und Radfahrer-Brücke. Gleich zu Beginn gab es aber zunächst Kritik der SPD über die Informationspolitik von Bürgermeister Heiko Dawedeit (parteilos).

Anzeige

Der hatte nämlich bereits vor der Haushaltsberatung vom möglichen Zuschuss erfahren. „Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir dazu einen Antrag gestellt“, kritisiert Fraktionsvorsitzender Ingo Neurath. Er habe die Haushaltsberatungen nicht mit einer erneuten „monatelangen Debatte“ über die Brücke verzögern wollen, erwiderte Dawedeit in der Sitzung.

Die Fundamente halten noch

Danach gab es dann allerdings erst einmal geballte Informationen für Gemeindevertreter und Zuhörer in der Dorfscheune Langendorf. Planer Marc Böttcher vom Ingenieurbüro „bs“ kennt die Historie der Brücke wie auch der Sanierungsdiskussionen bis ins Detail. Schon 2008 stand fest, dass die Brücke schwere Schäden aufweist. Sie ist buchstäblich undicht, was Folgen hat.

Von oben ist massiv Wasser eingedrungen. „Die Brücke ist durchfeuchtet“, unterstrich Böttcher. Glücklicherweise halten aber die Fundamente, was entscheidend für die Sanierbarkeit des 150 Jahre alten Bauwerkes ist. Es gebe keine erkennbaren Setzungen bei den Fundamenten, so der Ingenieur.

Gemeinde hofft auf 150.000 Euro Zuschuss

Nach langem Streit hatte sich das Parlament 2016 auf eine Komplettsanierung geeinigt, Kostenpunkt nach ganz aktuellen Berechnungen: 330.000 Euro, die die Gemeinde allein aufbringen müsste. Danach wäre die Brücke voll nutzbar, also auch für schwere Fahrzeuge wie Busse und landwirtschaftliche Maschinen. Das hätte aber auch Folgen für die Form der Brücke: Wegen des nötigen höheren neuen Betonaufbaues bekäme sie eine Neigung von etwa acht Prozent.

Die eigentlich schon abgehakte „kleine Lösung“ sieht vor, die Brücke lediglich abzudichten. Fahrzeuge dürften sie dann weiterhin nicht passieren, eine Schicht von etwa acht Zentimetern Beton müssten aufgebracht werden. Kostenpunkt nach aktueller Kalkulation: 216.000 Euro. Bekäme Wohratal den avisierten Zuschuss, bekäme die Gemeinde rund 150.000 Euro vom Land.

Kein direktes „Nein“ der Zählgemeinschaft

Welche der beiden Varianten langlebiger ist, konnte der Ingenieur auf eine Nachfrage von Willi Schollmeier (SPD) nicht beantworten. Denn dazu müsste auch der Zustand von „Ankern“ im Brückenbauwerk analysiert werden. Sie halten die Brücke seit einer Sanierung in den 1970er-Jahren zusammen. Zu dieser früheren Sanierung gibt es leider keinerlei Unterlagen mehr.

Wie das Parlament mit der veränderten Situation umgehen wird, war am Dienstagabend noch offen. Immerhin gab es dieses Mal kein unmittelbares „Nein“ der Zählgemeinschaft aus CDU und Offener Liste Wohratal (OLW) angesichts neuer Zahlen. Voraussichtlich am 7. April wird der Haupt- und Finanzausschuss über die neue Sachlage beraten und eine Empfehlung abgeben. Für die kleinste Gemeinde des Landkreises geht es bei diesem Projekt immerhin um die größte Investition in diesem Jahr, eine Investition, die in jedem Falle über Kredite finanziert werden muss.

Von Michael Rinde

Anzeige