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Ostkreis Halbzeit für Heiko Dawedeit
Landkreis Ostkreis Halbzeit für Heiko Dawedeit
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12:11 19.05.2022
Heiko Dawedeit hat seit über drei Jahren im Wohrataler Rathaus das Sagen.
Heiko Dawedeit hat seit über drei Jahren im Wohrataler Rathaus das Sagen. Quelle: Florian Lerchbacher
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Wohratal

Seit etwas über drei Jahren ist der gebürtige Wohrataler Heiko Dawedeit (parteilos) Bürgermeister seiner Heimatgemeinde – eine Zeit, die unterschiedlicher kaum hätte verlaufen können. Das erste Jahr habe er zum Netzwerken genutzt: „Ich konnte sehr präsent sein und viele Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde kennenlernen“, erinnert er sich zurück. Dann jedoch kam die Corona-Pandemie und bremste alles und jeden aus. Es war nicht nur schwieriger, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sondern auch Projekte umzusetzen: „Im Pflegebereich würde ich gerne etwas schaffen. Das hatte ich mir eigentlich auch für den Anfang meiner Amtszeit vorgenommen“, sagt Dawedeit. Doch weil persönliche Gespräche in den vergangenen zwei Jahren nicht so einfach möglich waren, habe er dieses Vorhaben aufschieben müssen – es stehe aber natürlich auf der Agenda der zweiten Hälfte seiner Amtszeit, betont der 53-Jährige.

Brückensanierung

Ein Projekt jedoch, das über viele Jahre für Streitereien in Wohratals Gemeindepolitik gesorgt hatte, brachte der Rathauschef zur Umsetzung: die Sanierung der Bentreff-Brücke, auf die er entsprechend sehr stolz ist: „Wir konnten Spannung aus dem Thema rausnehmen und es einvernehmlich angehen. Das war wichtig und hat auch in der Gemeindevertretung insgesamt den Ton verändert, der zuvor zeitweise sehr rau war.“

Zusammenarbeit

Doch nicht nur diese Zusammenarbeit bereitet ihm Freude: Auch die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) mit den anderen Ostkreis-Kommunen funktioniere sehr gut und bringe die kleine Gemeinde gut voran. In der Verwaltung gebe es beispielsweise keine Kapazitäten, um den fließenden Verkehr zu kontrollieren – das ändere sich durch die Zusammenarbeit von vier Kommunen in einem gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk. Noch wichtiger ist Dawedeit jedoch die IKZ beim Klimaschutz, einem der zentralen Themen der Gegenwart und Zukunft, wie er herausstellt. Die Städte Kirchhain, Neustadt, Amöneburg und Wohratal und die Gemeinde Wohratal hätten viele gleiche Ziele und ähnliche Ziele in diesem Bereich: „Da bietet sich eine Zusammenarbeit doch an!“

Baugebiete

„Außerdem freue ich mich, dass wir unsere Baugebiete so gut vermarkten können“, sagt der Bürgermeister. Halsdorf sei bereits vollständig veräußert, und in Wohra ist die Gemeinde so weit, den zweiten Bauabschnitt zu öffnen. „Für Langendorf planen wir, ein Baugebiet auszuweisen. Diese Möglichkeit gab es in dem Dorf seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber während der Pandemie haben die Menschen eben gemerkt, wie angenehm das Leben im ländlichen Raum ist – und damit steigt die Nachfrage.“

Doch natürlich war auch in Wohratal in den vergangenen drei Jahren nicht nur eitel Sonnenschein. Als Tiefpunkte bezeichnet Dawedeit, dass sein Haushaltsplan-Entwurf zweimal nicht durch die Gemeindevertretung kam. „Das hätten wir uns sparen können“, kommentiert er. Inzwischen habe er aber auch zwei Entwürfe direkt durchgebracht: „Es steht also unentschieden“, betont er lachend und voller Zuversicht, dass der Aufwärtstrend weitergeht – vor allem auch angesichts der immer besser werdenden Zusammenarbeit in der Politik.

Für die kommenden fast drei Jahre hat er sich noch einiges vorgenommen: Bei den Straßen gebe es dringenden Handlungsbedarf, sagt er und verweist darauf, dass auch über die Art der Finanzierung gesprochen werden müsse. Mit dem jetzigen System könne er leben, aber auch wiederkehrende Straßenbeiträge müssten angedacht werden. Nur ein Abschaffen der Beiträge hält er nicht für sinnvoll: „Denn dann müssten wir die Gewerbesteuer zu sehr anheben.“

Erholung und Tourismus

Zudem möchte er unter anderem die Themen Klimaschutz und Pflege vorantreiben, aber auch die Naherholung und den Tourismus fördern. In diesem Zusammenhang hält er es für wichtig, dass sich ein Gastrobetrieb in Wohratal ansiedelt. Und das Radwegenetz möchte er auch erweitern. Vor allem aber möchte er auch weiterhin nah an den Bürgerinnen und Bürgern und für sie ein direkter Ansprechpartner sein. „Das ist jetzt ja wieder besser möglich“, betont der 53-Jährige und fügt hinzu, dass er auch den Vereinen Mut wünsche, wieder Angebote zu machen und Veranstaltungen anzubieten, um das Leben wieder anzukurbeln.

Das sagen die Fraktionen

Harald Homberger (OLW): Heiko Dawedeit hat auf mehreren Ebenen einen neuen Stil des Umgangs miteinander eingeführt. Zum einen hat sich die Stimmung in der Verwaltung wesentlich verbessert, da er die Mitarbeiter*innen ernst nimmt und sie in individuelle Lösungsfindungen aktiv mit einbezieht. Als Mandatsträger ist es jetzt wesentlich einfacher, mit seinem Anliegen einzelne Mitarbeiter*innen zu kontaktieren, da sie freier in ihren Handlungen sind. Heiko Dawedeit hat eine modernere, kundenorientierte, kollegiale Verwaltung geschaffen.

Gegenüber den Anliegen der Fraktionen ist er offen und unterstützend. Er recherchiert Fördermöglichkeiten für kommunale Entwicklungen und sucht die aktive Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen und der Region Burgwald. Das jüngste Projekt, die Beteiligung an der Finanzierung eines Klimamanagers, zusammen mit den Ostkreiskommunen ist nur ein Beispiel für die interkommunale Zusammenarbeit. Grundsätzlich sucht er zusammen mit Initiatoren nach gemeinsamen Lösungen und stellt Projekte nicht grundsätzlich infrage.

Ingo Neurath (SPD): Herr Dawedeit ist als Quereinsteiger in das Amt des Bürgermeisters unserer kleinen Gemeinde gekommen, welche bereits seit Jahren mit dem demographischen Wandel und diversen infrastrukturellen Problemen – zum Beispiel bei der Straßensanierung oder der Feuerwehr – zu kämpfen hat. Diese Belange sowie übergeordnete Themen, welche Wohratal betreffen, sollten unserer Meinung nach schneller und energischer verfolgt werden. Hier erwarten wir vom Bürgermeister, dass er in der zweiten Hälfte seiner Amtsperiode diese Probleme im Sinne Wohratals noch ehrgeiziger angeht. Wir als SPD-Fraktion wollen ihn dabei gerne unterstützen.

Henning Metke (CDU): Mit Heiko Dawedeit haben wir in Wohratal einen sympathischen und bürgernahen Bürgermeister. Regelmäßig sieht man ihn in Wohratal auf Veranstaltungen, wo er immer ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger hat. Politisch zeichnet er sich durch seine solide Haushaltsführung aus. Seine ruhige und diplomatische Art sorgt für eine angenehme Zusammenarbeit in den Gemeindegremien.

Von Florian Lerchbacher