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Ostkreis Wohnen direkt an der Kaserne
Landkreis Ostkreis Wohnen direkt an der Kaserne
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12:00 13.04.2022
Entstehen nahe am Erdwall, hinter dem die Kaserne beginnt, neue Wohnungen?
Entstehen nahe am Erdwall, hinter dem die Kaserne beginnt, neue Wohnungen? Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Es gibt teils schon sehr konkrete Pläne für das Baugebiet, das am Schmiedeweg in Stadtallendorf entsteht. Investor ist dabei die WiPro Projektgesellschaft. Seit 2017/2018 ist klar, dass auf dem Gelände am Schmiedeweg unweit der Herrenwaldkaserne etwas Neues entsteht. Seinerzeit entstand der dazugehörige Bebauungsplan. Er unterteilte die Flächen dort allerdings – zumindest bisher. So ist der unmittelbar an die Kaserne grenzende Teil der Fläche ein eingeschränktes Gewerbegebiet. Dort ist der Bau von Wohnungen nicht möglich.

WiPro im Austausch mit Bundeswehr

Der zweite Flächenabschnitt in Richtung Schmiedeweg selbst ist „urbanes Gebiet“. Dort ist Wohnungsbau erlaubt. Jetzt soll der Plan so verändert werden, dass eben auch in direkter Nachbarschaft zur Herrenwaldkaserne Wohnraum gebaut werden kann. Ganz konkret geht es um ein gut 16500 Quadratmeter großes Gebiet südöstlich der Mildred-Scheel-Straße. Auf dieser Fläche können verschieden große Wohnungen entstehen. Von der Fünf-Zimmer-Wohnung bis zum Single-Appartement, so der Plan. Das Verfahren für die Bebauungsplanänderung hat die Firma WiPro angestoßen. Das Stadtparlament hat in seiner jüngsten Sitzung den Startschuss für das neuerliche Verfahren gegeben, bei dem der Investor die Kosten tragen wird.

Im Stadtparlament fiel die Entscheidung für den neuen Anlauf am Schmiedeweg einstimmig und ohne Aussprache. Beratungen hatte es zuvor im Bau- und Planungsausschuss gegeben. Dort hatten Vertreter der Firma WiPro ihr Projekt und die planungsrechtlichen Absichten vorgestellt. Mancher Parlamentarier rieb sich dabei etwas verwundert die Augen. Denn seinerzeit waren die Bedenken der Bundeswehr gegen Wohnhäuser am Kasernenrand doch sehr deutlich ausgefallen und klar ausgefallen. Doch Waldemar Wiora von WiPro berichtete von Gesprächen mit der Bundeswehr, die von einem Umdenken ausgehen ließen. Dort sei man sehr froh über Wohnraum für Soldaten, die in der Kaserne arbeiteten. „Aus unserer Sicht ist Wohnen dort möglich“, hieß es vom Unternehmen klar und deutlich. Unter anderem Winand Koch (FDP) fragte, ob die Bundeswehr, namentlich die Division Schnelle Kräfte, denn keine Vorgaben hinsichtlich der Gebäude mache. Über Gebäudehöhen sei bisher nicht gesprochen worden, wohl aber über Lärm- und Sichtschutz.

Der Lärmschutz war der Bundeswehr schon 2017 ein Anliegen. Seinerzeit gab es die Sorge, dass Lärm aus der Kaserne möglicherweise bei Anwohnern aus den neuen Wohnungen auf Dauer zu einigem Ärger führen könnte.

Bundeswehr will „gutes Miteinander“

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) machte in der jüngsten Ausschuss-Sitzung deutlich, dass die Bundeswehr am jetzt angelaufenen Verfahren in jedem Falle beteiligt und angehört werde.

Die OP fragte bei der Division Schnelle Kräfte nach, wie sie ihrerseits die Entwicklung einschätzt und ob sie ihre Position zu Wohnhäusern direkt am Kasernenrand inzwischen grundlegend verändert habe. Ganz offenbar nicht, wie die Antwort zeigt. Die Bundeswehr stehe dem geplanten Baugebiet unter zwei Bedingungen offen gegenüber: Der Kasernenbereich müsse aus Gründen des militärischen Geheimschutzes gegen eine mögliche Ausspähung geschützt werden und gleichzeitig sollte ein angrenzendes Wohngebiet von eventuellem Lärm aus der Kaserne abgeschirmt werden. Beim zweiten Punkt geht es der Bundeswehr wie vor vier Jahren vor allem um das dauerhafte „gute Miteinander“ mit den zivilen Nachbarn. Um all das zu erreichen, schlägt die Bundeswehr vor, auf den Sicht- und Lärmschutzwall noch eine Mauer zu setzen, die die Projektgesellschaft errichten müsste. „WiPro“ zeigte sich im Bauausschuss dafür offen.

Die Bundeswehr in Stadtallendorf hat selbst Wohnraumbedarf, ein Grund, warum man dem Projekt auch nicht grundlegend im Wege stehen will. „Derzeit haben Soldaten tägliche Anfahrtswege von 20 bis 30 Kilometern. Gerne würden diese Soldaten sich näher an der Kaserne einmieten, um so Zeit und Geld zu sparen“, erklärt die Pressestelle der Division Schnelle Kräfte auf Nachfrage der OP.

Beim zweiten Teil der Flächen am Schmiedeweg wird sich schnell etwas tun. Wie die Projektgesellschaft berichtet, gibt es dort schon weit gediehene Absichten eines privaten Unternehmens, ein Altenpflegeheim zu errichten. Es fehle nur noch die Baugenehmigung, so der Stand. Mehrere Marktanalysen hätten gezeigt, dass genügend Bedarf bestehe, so Wiora auf Nachfragen aus dem Ausschuss. Aktuell gibt es bereits zwei etablierte Altenpflegeeinrichtungen in Stadtallendorf.

Von Michael Rinde

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