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Ostkreis Ein Blumenfeld für Wildbienen und Vögel
Landkreis Ostkreis Ein Blumenfeld für Wildbienen und Vögel
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11:58 21.04.2021
Sie wollen im Mai wieder Wildblumen aussähen: Rosi Elisa Müller sowie Toni, Christian und Theo Gombert.
Sie wollen im Mai wieder Wildblumen aussähen: Rosi Elisa Müller sowie Toni, Christian und Theo Gombert. Quelle: Katja Peters
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Großseelheim

Lebensraum für Wildbienen, andere Insekten, Vögel und viele weitere Tiere schaffen: Diese Idee hatten die Großseel­heimer Rosi Elisa Müller und Christian Gombert, als sie im vergangenen Jahr das Projekt „Wildblumenpaten“ starteten. Das Konzept: Naturfreunde können Paten für ein Wildblumenfeld werden, das Nebenerwerbslandwirt Christian Gombert auf einer seiner Ackerflächen aussät. Für jeden gespendeten Euro entsteht ein Jahr lang ein Quadratmeter Wildblumen-Fläche. Ein Beitrag zum Artenschutz, denn es gibt in Deutschland immer weniger Insekten – unter anderem aufgrund von Monokulturen. Die Naturschutz-Idee begeistert offensichtlich viele: „Wir nähern uns inzwischen der Grenze von 5 000 Quadratmetern“, berichtet die Heilkräuter-Expertin und Heilpraktikerin Rosi Elisa Müller. Das sind also fast 5 000 Quadratmeter Lebensraum für Wildtiere, die knapp 120 Paten ermöglicht haben.

Auf einer Fläche an der Landesstraße bei Großseelheim hatte Christian Gombert im vergangenen Jahr Wildblumen ausgesät. Das Ergebnis waren wunderschöne Blüten, wie auf der Homepage des Projekts zu sehen ist. Aber nicht nur das: Auch Insekten, Feldhasen und Igel fanden ein Zuhause. Deshalb bleiben die Pflanzen auch über den Winter stehen.

Am 16. Mai wird Gombert erneut Wildblumen aussäen – unter anderem Echten Buchweizen, Wegwarte, Dill, Schafgarbe, Nachtkerze, Klatschmohn, Sonnenblumen, Echten Koriander, Natternkopf und Schwarze Königskerze. Diesmal sät er allerdings nicht auf der Fläche an der Landesstraße 3088 bei Großseelheim. „Wir können das dort nicht wiederholen“, konstatiert Müller. Denn an dieser Stelle sind Wildkräuter wie die Kratzdistel und der Weiße Gänsefuß so dominant, dass sie den gesäten Wildblumen keine Chance gelassen hätten. Die Projekt-Initiatoren mussten die Disteln von Hand zurückschneiden, schließlich wollten sie nicht ausgerechnet auf dem Wildblumenfeld chemische Mittel anwenden.

Initiatoren wollen Verein gründen

„Wir mussten deshalb für dieses Jahr zwei andere Felder aussuchen“, berichtet die Heilkräuter-Expertin. Die eine Fläche liegt östlich von Großseelheim im Flurstück „Auf der Gemeinde“ an einem bei Radfahrern beliebten Weg, die andere „Auf dem Jeucht“ südlich von Schönbach am Rundwanderweg. Dort hat die Schönbacherin Karin Petzoldt-Treibert einen Bienenschaukasten aufgestellt – der Besuch lohnt sich also für Naturliebhaber gleich doppelt. Auch eine Bank zum Verweilen ist dort.

Für das Projekt ist viel ehrenamtliche Arbeit notwendig, berichtet Müller. Landwirt Gombert stellt die Flächen zur Verfügung und die dafür notwendige Technik. Denn obwohl es um Wildpflanzen geht, sind große Maschinen nötig, um den Boden vorzubereiten und ein ganzes Feld einzusäen. Müller sorgt für das Organisatorische, telefoniert zum Beispiel mit den Wildblumen-Paten und stellt Patenschaftsurkunden aus. Frank Lemmer kümmert sich – ebenfalls ehrenamtlich – um die Homepage. Für die Internet-Präsenz und für Werbung fallen Kosten an, und die Wildblumen-Samen seien sehr teuer, sagt Müller. „Wir machen überhaupt keinen Gewinn“, stellt sie klar, „sollte etwas übrig bleiben, fließt das Geld wieder in das Projekt.“ Die Initiatoren planen, einen Verein zu gründen, damit in Zukunft für das Naturschutz-Projekt keine Steuern mehr anfallen. Doch wegen der Corona-Pandemie hat sich die geplante Vereinsgründung verzögert.

Kostenlose Führungen für Wildblumen-Paten

Trotz Corona-Pandemie konnte Heilkräuter-Expertin Müller für die Paten im vergangenen Jahr mehrere kostenlose Wildblumen-Führungen auf dem Feld anbieten – für jeweils zehn Personen mit viel Abstand an der frischen Luft. Sie hofft, dass das auch im Laufe dieses Jahres möglich wird.

Müller und Gombert haben die Hoffnung, noch weitere Paten für das Projekt unter dem Motto „Umweltschutz für jedermann“ gewinnen zu können. „Je mehr Paten wir bis zum 16. Mai gefunden haben, desto mehr Blühfläche wird der Natur in diesem Jahr zur Verfügung stehen“, erklärt Müller.

Nach dem 16. Mai läuft das Projekt natürlich weiter, wer dann spendet, leistet einen Beitrag für Blühflächen im nächsten Jahr. „Jeder kann ab einem Euro dabei sein“, sagt Müller.

Informationen über das Projekt unter www.wildblumenpaten.de

Von Stefan Dietrich