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Ostkreis Von Engagement kann Linker ein Liedchen singen
Landkreis Ostkreis Von Engagement kann Linker ein Liedchen singen
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12:00 22.02.2021
Viele Jahre war Werner Linker in Rauschenberg als Stadtrat unterwegs - hier steht er vor seinen Ernennungsurkunden.
Viele Jahre war Werner Linker in Rauschenberg als Stadtrat unterwegs - hier steht er vor seinen Ernennungsurkunden. Quelle: Florian Lerchbacher
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Ernsthausen

Mal prägte Werner Linker die Geschehnisse im Mikrokosmos Ernsthausen, mal engagierte er sich nicht nur auf lokaler, sondern auf regionaler Ebene – und das gleich an verschiedenen Stellen. Inzwischen hat er jedoch einen Schlussstrich gezogen: aus Gründen des Alters und der Gesundheit.

Im Dezember 2020 legte er bereits sein Mandat als Stadtrat nieder. Er war erkrankt und hatte festgestellt, dass er bis zur Kommunalwahl sein Amt nicht mehr ausüben kann. Und da er bereits entschieden hatte, sich aus der Lokalpolitik zurückzuziehen, habe er lieber gleich einen Schlussstrich gezogen, berichtet der 78-Jährige, der im Jahr 1984 der CDU beigetreten war. Bekannten hätten ihn dazu gebracht, bei den Christdemokraten mitzuwirken, erinnert er sich. Und es dauerte dann auch nicht lange, bis die Ernsthäuser den gebürtigen Halsdorfer in den Ortsbeirat wählten, in dem er als stellvertretender Ortsvorsteher und Schriftführer eine Legislaturperiode fungierte: „Ich wollte etwas für das Dorf tun.“

Dorferneuerung Höhepunkt

Danach habe er in dem Gremium nicht mehr weitergemacht, weil der Magistrat wartete, in dem er die CDU vertreten sollte – was er von 1993 bis 2020 dann auch tat. Abgesehen von der Zeit zwischen 2001 und 2006, in der er als „normaler“ Stadtverordneter fungierte. „Es standen quasi größere Aufgaben an“, erklärt er den Wechsel aus dem Ortsbeirat in den Magistrat. Nichtsdestotrotz bezeichnet Linker als Höhepunkt seiner Zeit in der Stadtpolitik die Dorferneuerung in Ernsthausen, in die er sich natürlich einbrachte – vornehmlich in seiner Funktion als Vorsitzender des Gesangvereins.

Der Umbau der alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus „Storchennest“ lag ihm dabei sehr am Herzen. „Wir brauchten eine Unterkunft für die Vereine und eine Begegnungsstätte für die Bürger“, sagt der gebürtige Halsdorfer, der 1968 seine Elfriede heiratete, um anschließend als Beigefreiter nach Ernsthausen zu kommen.

Von 2013 bis 2016 saß Werner Linker außerdem als Nachrücker im Kreistag und war dabei im Schulausschuss tätigt. Doch die Arbeit im Lokalen fand er einfach spannender: „Im Kreistag war es auch interessant. Aber an den Themen aus Dorf und Stadt ist man einfach näher dran und hat mehr damit zu tun.“ Zwischenzeitlich hatte er auch den Vorsitz des CDU-Stadtverbandes übernommen – als Überbrückung nach dem plötzlichen Tod des eigentlichen Vorsitzenden (2009).

Im Kleinen wie auch im Größeren war Werner Linker übrigens auch als Vereinsmensch tätig: 30 Jahre lang war er Vorsitzender des Gesangvereins Ernsthausen, ehe er sich vor zwei Jahren von diesem Posten zurückzog. Außerdem war er im Wohrataler Sängerkreis von 2003 bis 2013 stellvertretender Vorsitzender. Die Parallele zur Politik ist unverkennbar. Doch damit nicht genug des ehrenamtlichen Engagements: Rund 15 Jahre lang saß der heute 78-Jährige im Vorstand des heimischen Sportvereins – als Zweiter Vorsitzender, insbesondere aber als Kassierer. Ein Posten, der ihm wie auf den Leib geschneidert war, da er 40 Jahre bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf arbeitete und sich somit mit der Materie auskennt.

In ein weiteres Thema arbeitete sich der Ernsthäuser akribisch ein, um Mitmenschen helfen zu können: Er ist seit dem Jahr 2000 Mitglied des Marburger Vereins für Selbstbestimmung und Betreuung und war seitdem als ehrenamtlicher Betreuer für verschiedene Menschen aktiv. In der Gemeinde Wohratal bietet er noch heute Sprechstunden an, in denen er beispielsweise rund um Themen wie Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und viele mehr informiert – zumindest dann, wenn die Corona-Pandemie dies erlaubt.

Eine Sparkassen-Kundin habe ihn einst zu diesem Engagement gebracht, erinnert sich Linker: „Es handelt sich um eine verantwortungsvolle Aufgabe, die mich interessierte. Und da ich damals kurz davor stand, in den Ruhestand zu gehen, habe ich angefangen, mich zu engagieren.“ Seine Mitmenschen lägen ihm eben am Herzen und er helfe gerne, fügt er fast beiläufig hinzu.

Viele Auszeichnungen

Er war auch noch insgesamt 39 Jahre lang in den Posaunenchören Halsdorf und Ernsthausen als aktiver Bläser tätig. Bei so vielfältigem Engagement wundert es nicht, dass er auch schon einige Auszeichnungen gesammelt hat: allen voran den Ehrenbrief des hessischen Fußballverbandes, das Sonderehrenzeichen in Gold des Mitteldeutschen Sängerbundes und den Ehrenbrief des Landes für seine Vereinstätigkeit.

Aus politischer Sicht gehört Werner Linker heute noch dem Kreisseniorenrat an und war des Weiteren noch seit der Gründung im Jahr 2005 Vertreter der Stadt Rauschenberg im Zweckverband Mittelhessische Abwasserwerke. Die viele freie Zeit, die sich ihm nun bieten wird, möchte er gemeinsam mit seiner Ehefrau – die ihn stets im Engagement unterstützte – zum Reisen nutzen.

Wenn das wieder möglich ist und seine Gesundheit es zulässt. Als ein Traumziel nennt er Dubai, die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate: „Die Bilder von dort finde ich spannend. Es ist sehr interessant, wie das alles künstlich errichtet wurde.“

Sein politisches Erbe tritt übrigens Linkers Sohn Ralph an (der Ernsthäuser hat zwei Kinder und einen Enkel), der sich in Liederbach bei Alsfeld als Ortsvorsteher für seine Heimat und die Mitmenschen einsetzt.

Von Florian Lerchbacher

21.02.2021
21.02.2021