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Ostkreis Wenn der Vater sein Haus verliert
Landkreis Ostkreis Wenn der Vater sein Haus verliert
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10:57 12.08.2021
Ein Auto endete kopfüber an einem Container in Dernau.
Ein Auto endete kopfüber an einem Container in Dernau. Quelle: Privatfoto
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Ostkreis

Sie haben schon oft Menschen in Europa an verschiedenen Orten geholfen, meist Menschen, die in Armut leben oder auf der Flucht sind. Etwa vor vier Jahren im rumänischen Dorf Felnaq. Die Gruppe „Hessen helfen“ um den Hertingshäuser Joachim Boucsein und der Verein „Maulbronn hilft“ sind ganz aktuell im Inland aktiv. Es geht um Menschen, die bei der Flutkatastrophe im Juli alles verloren haben. Konkret geht es um Flutopfer im Ort Ahrweiler-Dernau.

Über seine Arbeitskollegin Sara-Katrin Naumann erfuhr Boucsein hautnah, was im Ort Dernau gerade vor sich geht. Naumanns Familie lebt in Dernau, sie selbst wohnt in Frankenberg-Haubern. Noch vier Tage vor der Flut war die Frau in Dernau bei ihrer Familie zu Besuch. Gleich nach der Katastrophe wusste sie nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen war. Es gab keinen Kontakt, seinerzeit funktionierte auch kein Mobiltelefon. Das Haus ihres Vaters wurde überschwemmt, ein anderes Gebäude der Familie im Ort wurde vom Wasser mehr oder weniger zerteilt, also gespalten. Das Auto verschwand in den Fluten.

Das Geld fehlt

Es fehlt immer noch an Nötigem, vor allem an Geld. „Eine Elementarschadensversicherung haben im Ort die wenigsten Menschen gehabt, sie werden trotz staatlicher Hilfen auf Spenden angewiesen sein“, berichtet Boucsein auch aus den Gesprächen mit Sara-Katrin Naumann. Die Soforthilfe war für die größte Not unmittelbar nach der Katastrophe gedacht. Doch jetzt geht es um Wiederaufbau. Genau da setzen die Gruppe „Hessen helfen“ und der Verein „Maulbronn hilft“ an. Sachspenden sind im Moment weniger nötig als Geldspenden für einen privaten Wiederaufbau, berichtet Joachim Boucsein. Wie groß die Not immer noch ist, verdeutlicht der ehrenamtliche Helfer an einem Beispiel: Es fehlt vielerorts noch Strom und Wasser. Keiner weiß im Moment, wann eine Erdgasversorgung im Ort wieder möglich sein wird. Klar ist, dass der Wiederaufbau sowohl der öffentlichen Infrastruktur als auch der Eigenheime und Geschäfte sehr viel Zeit benötigen wird, Monate mindestens. Da brauche es auch finanziell einen langen Atem für die Betroffenen, sagt Boucsein. Alle Spenden werden von „Hessen helfen“ und „Maulbronn hilft“ unmittelbar weitergegeben.

„Hessen helfen“ ist eine Gruppe, die sich in den sozialen Medien zusammengefunden hat und auf diese Weise schon mehrere Hilfsaktionen organisierte – bis hin zu großen Hilfskonvois gemeinsam mit anderen Organisationen oder gemeinnützigen Vereinen wie „Maulbronn hilft“.

Wer „Hessen helfen“ unterstützen möchte, kann sich an Joachim Boucsein wenden, Telefon 06453/7164 oder per Mail an j-boucsein@t-online.de und auf den Facebook-Seiten der Institutionen.

Von Michael Rinde