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Ostkreis Weltladen-Idee stößt auf Begeisterung
Landkreis Ostkreis Weltladen-Idee stößt auf Begeisterung
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21:45 25.03.2021
Der Gladenbacher Weltladen
Der Gladenbacher Weltladen Quelle: Stadt Kirchhain
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Kirchhain

Die Stadt Kirchhain soll einen Weltladen bekommen – und das Projekt stößt offensichtlich schon jetzt auf große Resonanz. Bisher hätten rund 20 Menschen Interesse angemeldet, sich ehrenamtlich einzubringen, berichtet Kerstin Ebert von der Stadtverwaltung auf OP-Nachfrage. Am kommenden Montag will die Stadt bei einer Info-Veranstaltung den Interessierten die Idee vorstellen und darüber beraten.

Eine, die schon Interesse signalisiert hat, ist Helga Sitt. Sie engagiert sich bereits im Projekt Gemeinschaftsgarten und ist ausgebildete Engagement-Lotsin. Gemeinsam mit drei anderen ehrenamtlich engagierten Kirchhainerinnen – Nathalie Planz (Stadtcafé Fantastico), Elke Schall (Mobiler Mittagstisch) und Mira Wardah (Flüchtlingshilfe) – sowie dem Sozialarbeiter Johannes Kirschning hatte sie an einer Fortbildung der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen teilgenommen. Ursprünglich, erzählt Sitt im Gespräch mit der OP, sei es den vier Kirchhainerinnen vor allem darum gegangen, wie man Freiwillige für ehrenamtliche Projekte gewinnt. Doch der Kurs beinhaltete noch mehr: „Wir haben gelernt, wie wir ein Projekt auf den Weg bringen“, sagt Sitt. Es ging um Themen von der Organisation über die öffentliche Darstellung und die Gewinnung von Freiwilligen bis hin zur Finanzierung. „Es war spannend, wie man so etwas angeht.“

Dazu entwickelten die fünf eine neue Projektidee: „Reduzierung des Plastikverbrauchs, Müllvermeidung, Aufklärung und Müllsammelaktion“. „Unser Anliegen war, mit dem Projekt die breite Masse zu erreichen“, berichtet Sitt. Doch dann kam Corona – die im vergangenen Jahr geplante große Müllsammelaktion war nicht möglich. „Deshalb haben wir gesagt, wir verschieben das Projekt, bis normale Kontakte wieder möglich sind.“

Als sie erfuhr, dass sich der Magistrat in Kirchhain für einen Weltladen ausgesprochen hat, kam Sitt deshalb gleich der Gedanke, dass sie und die anderen Engagement-Lotsinnen sich dort einbringen könnten. „Ein Weltladen funktioniert nur mit viel ehrenamtlichem Engagement“, sagt sie. Man müsse eine Struktur aufbauen, planen und neue Ehrenamtliche gewinnen – genau das, was die vier Kirchhainerinnen in der Fortbildung gelernt haben. „Die ausgebildeten Lotsinnen können in der Aufbauphase eines Weltladens wertvolle Tipps geben und die Ehrenamtlichen auf ihr Engagement vorbereiten“, sagt Sitt. Mindestens zwei Engagement-Lotsinnen wären nach ihren Worten dazu bereit. Selbstverständlich wollten sie gerne auch andere Projekte unterstützen und freuten sich auf weitere Ehrenamtliche bei den Angeboten, wo sie sich bisher engagieren.

Weltladen soll noch in diesem Jahr starten

„Die Themen Plastikverbrauch und Müllvermeidung passen gut zu einem Weltladenprojekt“, fügt sie mit Blick auf das ursprüngliche Projekt der Engagement-Lotsinnen hinzu. „Die dort angebotenen Waren sind überwiegend plastikfrei und viele Artikel werden aus Recyclingmaterialien oder nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.“

Der Weltladen soll nach den Plänen der Stadt in der Innenstadt entstehen. „Es ist nach wie vor Ziel, das in diesem Jahr umzusetzen“, sagt Kerstin Ebert von der Stadtverwaltung. Dafür sucht die Stadt auf jeden Fall noch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – sei es im Warenverkauf, bei Veranstaltungen oder der Schaufensterdekoration. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Weltladen soll die Info-Veranstaltung am Montag sein, zu der die Stadt auch einen Vertreter des Vereins Weltläden in Hessen eingeladen hat.

Für die Teilnahme an der Info-Veranstaltung ist eine Anmeldung bei Kerstin Ebert, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerbeteiligung und Vereine der Stadt Kirchhain, erforderlich: per E-Mail an k.ebert@kirchhain.de oder telefonisch unter 0 64 22 / 80 81 24. Auch wer nicht an der Veranstaltung teilnehmen kann, sich aber engagieren will, kann sich bei ihr melden und wird dann über das Projekt auf dem Laufenden gehalten.

Von Stefan Dietrich

Weltladen

In Deutschland gibt es derzeit 936 Weltläden, in denen Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Das bedeutet unter anderem, dass den Herstellern in Entwicklungsländern langfristige, partnerschaftliche Handelsbeziehungen und höhere Preise für ihre Produkte angeboten werden. Auch der Umweltschutz, die Rechte von Kleinbauern, Arbeitern, Frauen und Kindern werden im fairen Handel besonders beachtet. Die Produkte, die Weltläden führen, werden in einer transparenten Lieferkette von Unternehmen importiert, die sich zu 100 Prozent dem Fairen Handel verschrieben haben. Die Produktpalette reicht von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Haushaltswaren, Drogerieartikeln sowie Spielsachen.

Die Weltläden fördern zudem mit ihrer Bildungsarbeit die Auseinandersetzung mit Globalisierung und starten Kampagnen für gerechtere Regeln im Welthandel. Im Landkreis gibt es bisher zwei Weltläden – in Marburg und Gladenbach